Monat: Juni 2010

Mene mene tekel

Im Buch Daniel des Alten Testaments wird die Geschichte beschrieben, wie nach dem Tode des babylonischen Königs Nebukadnezar sein Sohn Belsazar eine Feier, ein Besäufnis veranstaltet, während derer eine Hand ohne Arm und restlichen Körper eine Schrift an die Wand des Palastes schreibt: Mene mene Tekel u-parsin. Diese Worte bedeuten: Gezählt hat Gott die Tage deiner Herrschaft und macht ihr ein Ende.  Gewogen wurdest du auf der Waage und zu leicht befunden. Wir haben aus dieser Geschichte das Wörtchen Menetekel übernommen. Die ersten beiden Wahlgänge in der Bundesversammlung waren fraglos ein Menetekel. Für Angela Merkel und für Guido Westerwelle. Die Tage ihrer Herrschaft sind gezählt und sie wurden gewogen und für zu leicht befunden. Mehr nicht und nicht weniger. Gleich, was im dritten Wahlgang geschieht.

Wulff’s Säuseln

“Die Zukunft gehört den Sanftmütigen.” Solch einen Unsinn gibt der zukünftige Präsident dieses Landes derzeit von sich. Christian Wulff. Mit leiser und freundlicher Stimme, mit eingefrorenem Lächeln, mit pastoralem Gestus. Die Zukunft gehört den Sanftmütigen? Was für ein horribler Blödsinn in Zeiten eines vollkommen unausgewogenen “Spar”-Pakets der Bundesregierung. Was für ein dummer Spruch in einer Zeit, in der die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander driftet. Es ist Zeit für Zorn. Zeit für klare Sprache, in der die Verhältnisse des Landes wahrhaftig beschrieben werden. Zeit für Anstößigkeit. Anstöße für eine gerechtere Politik, Anstöße für eine Beteiligung der Krisenverursacher an den Kosten der Krise, Anstöße für Rückbesinnung von Politik auf  die Interessen des Gemeinwohls, Anstöße zur Aufgabe einer Klientelpolitik. All das scheint vom smarten Niedersachsen nicht zu erwarten zu sein. Christian Wulff, der einschmeichelnde Präsident. “Im Vergleich zu Wulff ist ein glattgeschliffener Kiesel ein Stein mit Ecken und Kanten”, schrieb der konservative Publizist Michael Spreng in seinem Blog. Kluge Köpfe will der Krawattenmann des Jahres 2006 im Schloß Bellevue um sich scharen. Das könnte jedenfalls nicht schaden.

Intelligenztest für Christdemokraten

Peter Trapp. Schon mal gehört? Keine Sorge, ist nicht wirklich wichtig. Peter Trapp ist innenpolitischer Sprecher der Berliner CDU. Und er hat sich mit einem ausgesprochen bescheuerten Satz kurzzeitig auf die Titelseiten der Zeitungen gehievt: “Ich bin für Intelligenztests bei Einwanderern. Wir dürfen diese Frage nicht länger tabuisieren.” Assistiert hat ihm ein anderer CDU-Hinterbänkler, der schwäbische CSU-Bezirksvorsitzende, Markus Ferber, ähnlich intelligenzfrei wie Peter Trapp. Wir sollten uns Sorgen machen um die einst bedeutende christliche Volkspartei. Und einen Politiker-Intelligenztest entwickeln lassen.

Pfeifen

“Schiedsrichter, Telefon!” So schallt es allsonntaglich über die Aschenplätze der Kreisliga C. Oft mit Recht. Und von diesen armen Amateuren im schwarzen Dress unterscheiden sich die hochbezahlten Profipfeifen in den adretten neonfarbenen Fifaleibchen keinen Deut. Das ganze Stadion und alle Fernsehzuschauer auf der ganzen Welt konnten heute sehen – ganz ohne Zeitlupe und neunzehn Kameras -, daß der Ball der Engländer hinter der Linie von Manuel Neuer gelandet war. Nur der Referee nicht und seine Fahnenlanger an der Linie. Das ganze Stadion und alle Fernsehzuschauer auf der ganzen Welt konnte eben sehen – ohne Zeitlupe und neunzehn Kameras -, daß das Führungstor der Argentinier gegen die braven Mexikaner aus einer eindeutigen Abseitsstellung erzielt worden war. Nur der Referee nicht und sein Assistent an der Linie. Ich bleibe dabei: Die eindeutig schwächste Mannschaft bei der diesjährigen Weltmeisterschaft sind die Schiedsrichter.

Siebenschläfertag

“Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.” Eine Bauernregel, natürlich. Aber auch eine Bauernregel wird von Meteorologen nicht einfach abgetan. Statistische Analysen ergaben, daß die Regel zwar nicht zwingend für den Siebenschläfertag selbst, jedoch für die erste Juliwoche in Süddeutschland in zwei von drei Fällen zutrifft. Nur: Das Sommerklima in Deutschland wird heute nicht nur vom schönen Wetter bestimmt, sondern auch vom Erfolg teutonischer Kicker in Südafrika.

Aufbahrung

Englisch muß es klingen in “Schland”. Klingen. Nicht sein. Handy beispielsweise. Ein deutsches Wort, das irgendwie englisch daherkommt. Cell phone oder mobile phone wäre der englisch Begriff, Handy klingt nur so. Public Viewing ist auch so ein Sprachwurst-Kandidat. Gemeint ist die öffentliche Vorführung von Fußballspielen auf einer großen Leinwand.  Im amerikanischen Englisch bezeichnet Public Viewing dagegen die Aufbahrung eines Verstorbenen, der Abschied von einem Toten. Bin gespannt, von welcher Nationalmannschaft sich die Fans heute zu verabschieden haben. Und sei es beim public viewing.

Pizza Endstazione

“Der Weltmeister – Gruppenletzter. Schade, dass sich einige Unbelehrbare nicht zu schade waren für billige Telefonscherze beim lokalen Bringdienst (»Ich hätte gerne eine Pizza Endstazione und eine Arrivederci.«).” (Gefunden im Newsletter: 11FreundeTäglich von heute)

Good News, Bad News

Morgen Nachmittag, ab vier Uhr. Good News oder Bad News. Nur: Good News für wen, bad news für wen? Ich ergötze mich jedenfalls heute schon mal an Good News, Bad News. Gesungen vom legendären Roger Chapman, gespielt von der legendären Band Familiy.

Kein Wort mehr

Walter Mixa gibt auf. Seinen Rücktritt vom Rücktritt will er nicht weiter betreiben. Gut so. Raus aus dem Bischofspalais. Keine öffentliches Wort mehr. Demut und Schweigen. Und Scham. Und dann kein Wort mehr von und über Walter Mixa.