Schlagwort: Walter Mixa

Kein Wort mehr

Walter Mixa gibt auf. Seinen Rücktritt vom Rücktritt will er nicht weiter betreiben. Gut so. Raus aus dem Bischofspalais. Keine öffentliches Wort mehr. Demut und Schweigen. Und Scham. Und dann kein Wort mehr von und über Walter Mixa.

“Du sollst nicht lügen”

Der Teufel ist der Vater „Vater der Lüge“ (Johannes 8, Vers 44). Der Teufel ist auch der Vater der Lüge des Augsburger Bischofs Walter Mixa. Wochen lang hat er die Öffentlichkeit belogen, die Medien des Landes, die katholischen und anderen Christen, die Heimkinder, an denen er sich während seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen vergriffen hat. Heute wird Mixa, die “Kettensäge der Kurie”, in der Süddeutschen Zeitung mit den Worten zitiert, daß er “als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watschn von vor 20 oder 30 Jahren natürlich nicht ausschließen kann. (…) “Das war damals vollkommen normal.” Nein, nein, nein. Kinder zu schlagen, war niemals normal. Lehrer, Erzieher und Eltern haben es getan, das ist wohl wahr, Pfarrer leider auch, aber dadurch wird es noch lange nicht normal. Kinder zu schlagen war und ist nicht normal. Es war und ist und bleibt ein Übergriff gegen Schutzbefohlene, ein Gewaltakt gegen Schwächere. Noch vor kurzem hatte Mixa versichert, “zu keiner Zeit körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in irgendeiner Form” ausgeübt zu haben. “Ich habe ein reines Herz.” Mit dieser Beteuerung hat er die Öffentlichkeit des Landes getäuscht. Walter Mixa hat gelogen. Es ist Zeit für einen Rücktritt. Nehmen Sie sich Frau Käßmann zum Vorbild. Und schweigen Sie, Bischof Mixa. Für lange Zeit.

Sieben auf einen Streich

Sieben sind es jetzt. Sieben ehemalige Heimkinder haben eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, nach der sie als Kinder von Walter Mixa geschlagen worden sind. Mit dem Stock, so berichtet eine nunmehr 41jährige Frau in der Süddeutschen Zeitung, habe der heutige Bischof auf sie eingeschlagen. “Ich musste die Hose runter ziehen, mich über die Badewanne beugen und bekam dann fünf bis sieben Schläge auf das Gesäß”, berichtet sie. “Die ersten zwei Tage danach war es unmöglich, vernünftig zu sitzen vor Schmerzen.” Der Donaukurier berichtet laut SZ von drei weiteren Personen, die Übergriffe erlebt haben wollen. Es wird wohl eng für den Katholiban, der in einem Blog auch schon als “Kettensäge der Kurie” bezeichnet worden ist. Denn warum sollte das Wort ehemaliger Heimkinder weniger Wert sein als das des Bischofs? Zurücktreten, die Opfer um Vergebung bitten und dann schweigen, für sehr lange Zeit schamvoll schweigen. Das wär’s. Vergebet, so wird Euch vergeben. Lukas, 6, 37, die Bergpredigt.

“Kind Gottes, nimm diese Strafe”

“Kind Gottes, nimm diese Strafe”, sprach Walter Mixa zum über einen Bock gebeugten Jungen und schlug ihm 35 mal mit einem Teppichklopfer auf den Hintern. So berichten soeben die Tagesthemen. Ein ehemaliges Heimkind informiert von diesen Praktiken des ehemaligen Stadtpfarrers von Schrobenhausen. Zwei Frauen, ebenfalls ehemalige Heimkinder, bestätigen, von Pfarrer Mixa geprügelt worden zu sein. “Ich will keine Entschuldigung von Herrn Mixa. Ich will nur, daß Herr Mixa verschwindet, auch aus meinem Leben verschwindet”, so eine von Ihnen vor den Kameras der ARD. Sie erinnern sich? Walter Mixa, mittlerweile Bischof von Augsburg, hat die sogenannte “sexuelle Revolution” der sechziger bis siebziger Jahre für den Mißbrauch und die sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche mitverantwortlich gemacht. Walter Mixa, gehen Sie. Und schweigen Sie. Walter Mixa, Kind Gottes, nimm diese Strafe. Und laß uns alle endlich in Ruhe.

Nach dem Mißbrauch die Verhöhnung

Unfaßbar! Da werden die Zahlen der Opfer des Kindesmißbrauchs durch katholische Jesuiten-Priester dreistellig und was folgt? Bischof Walter Mixa macht die “sexuelle Revolution” für Kindesmißbrauch und sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche in der katholischen Kirche mitschuldig. Eine ekelhafte Verhöhnung der Opfer. Da bleibt einem glatt die Spucke weg. Der Papst liest den irischen Bischöfen die Leviten. Von “abscheulichen Verbrechen”, spricht er, von schwerer “Sünde, die Gott beleidigt und die nach seinem Vorbild geformten Menschen in ihrer Würde verletzt.”  Hunderte von Mißbrauchsfällen in der katholischen Kirche haben ein gesellschaftliches Erdbeben im katholischsten Land Europas zur Folge. Die “moralische und geistige Glaubwürdigkeit” der Kirche müsse wiederhergestellt werden, wieder hergestellt, so Benedikt XVI. Es bedürfe “konkreter Maßnahmen”, um die Wunden der Opfer zu heilen. Und Walter Mixa aus Augsburg? Er macht den Zeitgeist (mit)schuldig für Verbrechen an Kindern und Jugendlichen in Deutschland, für Vergehen an Schutzbefohlenen in unserem Land. Haarsträubend. Die Schuld der Kirche, die individuelle Schuld katholischer Priester wird flugs gemindert, indem sie der Gesellschaft in die Schuhe geschoben wird, ihrem Zeitgeist, der gesellschaftlichen Debatte über Sexualität und Sexualmoral. Ein Seelsorger, der offenbar keinerlei Idee hat von der verwundeten Seelen der Opfer. Ihm geht’s nur um Entlastung seiner Kirche. Dieser Kirche, besser: diesen Kirchenrepräsentanten traue ich eine schonungslose Aufklärung nicht zu. Und nicht über den Weg.