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Kreuzrittertum gegen eine liberale Gesellschaft

Am vergangenen Sonntag hielt auf der Kundgebung der Arbeitsgemeinschaft “Arsch Hu – Zäng Ussenander” der Redaktionsleiter des WDR-Magazins Monitor, Georg Restle, eine bemerkenswerte Rede:

“5.000 Menschen haben hier, mitten in der Stadt, Ende Oktober demonstriert. 5.000 Menschen, die sich Hooligans gegen Salafisten nennen.
Keine Frage, mit wem wir es da zu tun haben: Mit einer braunen Suppe, in der sich ultrarechte Hooligans mit altbekannten Neofaschisten vereinen.
Schlimm genug, dass sich hier Krawallbrüder im Geiste zusammengeschlossen haben. Aber wir sollten uns nichts vormachen: Die Gefahr geht nicht von den 5.000 aus. Die Gefahr geht davon aus, dass für diese Nazis endlich ein Traum in Erfüllung geht. Dass sie in ihrem angeblichen Kampf gegen Salafismus plötzlich ein Thema gefunden haben, das weit in die Mitte der Gesellschaft reicht.

Einige der Leute, die hier im Oktober in Köln demonstriert haben, haben wir nämlich letzte Woche in Düsseldorf wieder getroffen. Und wir werden sie morgen in Bonn, Hannover oder Kassel wieder sehen, wo sie versuchen werden, neue Partner zu finden. Die altbekannten Nazis wollen eine Brücke schlagen zu denen, die sich allen Ernstes „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ nennen. Darin besteht die Gefahr: Dass die ultrarechte Szene in Deutschland einen Resonanzboden findet – mitten in der Gesellschaft.

Dabei geht es ihnen gar nicht wirklich um den Kampf gegen islamistische Gotteskrieger. Im Gegenteil: Sie haben viel mit denen gemeinsam.
Beide Lager, Islamisten und Rechtsextremisten, kämpfen gegen eine weltoffene Gesellschaft. Beide kämpfen gegen Religionsfreiheit. Beide kämpfen gegen liberale Grundwerte. Gegen Schwule und Lesben. Gegen eine freie Presse, die sich nicht mit ihren Zielen gemein macht.
Das meinen sie nämlich wirklich mit „Abendland“: Ein modernes Kreuzrittertum im Kampf gegen eine liberale Gesellschaft. Ein Abendland, das nichts mit Toleranz zu tun hat, nichts mit Weltoffenheit und nichts mit Freiheit für Andersdenkende und -lebende.

Und ja, es gibt eine Gemeinsamkeit zwischen den Hooligans von Köln und den aufgebrachten Bürger der Pegida. Diese Gemeinsamkeit ist ein kleines Wort; und das heißt „ABER“! Wir haben nicht gegen Muslime, ABER! Wir haben nichts gegen Europa, ABER! Wir haben nichts gegen Flüchtlinge, ABER!
Wer verstehen will, mit wem wir es hier wirklich zu tun haben, der muss auf die Sätze hinter dem ABER schauen.

Ob Hooligans oder Pegida, diese Leute eint ein Ziel: Sie wollen keine Einwanderer in Deutschland, die ihre eigene Kultur mitbringen – und schon gar keine, die aus Not zu uns kommen. Sie wollen nicht, dass auch der Islam zu Deutschland gehört. Sie wollen nicht, dass Menschen dieses Land bereichern, weil sie anders sind.
Es geht ihnen eben nicht um den Kampf gegen Dschihadisten oder Islamisten, wie sie behaupten. Es geht ihnen auch nicht um ein friedliches Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen. Es geht ihnen im Kern um einen abendländisch verbrämten, chauvinistischen Nationalismus, der die Grenzen dicht machen will. Um ein deutsches Vaterland, in dem Einwanderung zum Gnadenakt wird für ein paar wenige, die uns nützlich sein können.

Aber wir sollten es uns nicht zu einfach machen. Wir sollten ganz genau hinschauen: Das sind nicht alles Nazis, die da demonstrieren. Das sind viele Bürger, die sich in ihren Ängsten vom demokratischen Establishment nicht mehr wahrgenommen fühlen. Aber das Gift des Nationalismus ist in ihre Köpfe eingesickert, weil ihnen eingeredet wird, dass Muslime dieses Land übernehmen wollen. Dass hinter jedem Muslim ein islamistischer Gotteskrieger steckt. Und dass wir uns dehalb abschotten müssen.
Wer dieses Gift bekämpfen will. Wer nicht will, dass es sich weiter ausbreitet. Der darf nicht nur demonstrieren. Der muss diese Menschen aufklären. Der muss ihnen immer wieder sagen, dass wir von Einwanderung profitieren. Der muss ihnen sagen, dass Kriminalität vor allem mit Ausgrenzung zu tun hat. Der muss ihnen sagen, dass internationale Solidarität am Ende allen nützt. Und der muss ihnen sagen, dass gerade dieses Land nie wieder nationalistisch werden darf!

Dass hier heute in Köln 15.000 Menschen auf der Straße sind, ist ein Anfang. Es ist ein großherziges Statement gegen einen engstirnigen und engherzigen Nationalismus. Wenn ich das hier sehe, bin ich froh, in dieser Stadt leben zu dürfen. Du bes Kölle. Du bes super-tolerant. Weiter so!”

Wiederbelebungsbeauftragter

Wiederbelebungsbeauftragter. So treffend beschrieb Bettina Altenkamp heute im WDR-Landtagsblog die Funktion des Bundesvorsitzenden der FDP, Christian Lindner, nach den gestrigen Landtagswahlen in Sachsen.

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Wie man Stuß in eine Rangfolge bringt

Nicht nur das ZDF und der NDR, auch der WDR und der RBB haben Rankings für Rankingsendungen gefälscht. Wer aber braucht solche Sendungen? Beispielsweise zwischen Zweitausendacht und Zweitausendzehn:

Die beliebtesten Showmaster
Die größten Schlagzeilen
Die wildesten Tiere
Die größten TV-Pannen
Die schönsten Ausflugsziele
Die jecksten Karnevalsbands
Die jecksten Karnevalssitzungen
Die kultigsten WDR-Shows
Die schlimmsten Trendsünden
Die beliebtesten Schlagerstars
Die größten Komiker
Die schönsten Urlaubsländer
Die skurrilsten TV-Familien
Die aufregendsten Frauen
Die extremsten Wetterphänomene
Die größten TV-Aufreger
Die emotionalsten Momente
Die beliebtesten Popstars
Die verrücktesten Wettbewerbe
Die spektakulärsten Siege
Die erfolgreichsten Kommissare
Die aufregendsten Sommer
Die beliebtesten Schauspieler
Das Lieblingsessen der Nordrhein-Westfalen
Die bewegendsten Weihnachten

In Zweitausendelf:

Die beliebtesten Schlagerstars
Die beliebtesten Quizmaster
Die beliebtesten Reporter
Die beliebtesten Karnevalsstars
Die beliebtesten Karnevalslieder
Die größten Bauwerke
Die beliebtesten Ruhrpott-Lieder
Die beliebtesten Ruhrpott-Größen
Die beliebtesten TV-Paare
Die beliebtesten Fußballvereine
Die beliebtesten Städte
Die beliebtesten TV-Ärzte
Die beliebtesten Mundarten
Die beliebtesten Sketche
Die beliebtesten Liedermacher
Die schönsten Bauernhöfe
Die beliebtesten Millowitsch-Theaterstücke
Die beliebtesten TV-Gesichter 2011

Im Jahr Zweitausendundzwölf:

Die beliebtesten Hits der Neuen Deutschen Welle
Die beliebtesten Musicals
Die beliebtesten ersten TV-Auftritte
Die beliebtesten Karnevalssitzungen, Ausgabe 2012
Die beliebtesten Kabarettisten
Die beliebtesten Landschaften
Die beliebtesten Burgen und Schlösser
Die beliebtesten Tierparks
Die beliebtesten Schlagerduos
Die beliebtesten Hunderassen
Die beliebtesten Stimmungslieder
Die beliebtesten Kunstwerke
Die beliebtesten Industriedenkmäler
Die beliebtesten Fußball-Nationalspieler
Die beliebtesten Wanderwege
Die beliebtesten Oldtimer
Die beliebtesten Tänze

Danach in Zweitausenddreizehn:

Die beliebtesten Klöster
Die ungewöhnlichsten Wohnungen
Die beliebtesten Talsperren
Die beliebtesten Spektakel
Die berühmtesten Nordrhein-Westfalen
Die unheimlichsten Orte
Die beliebtesten Denkmäler
Die beliebtesten Luxus-Oldtimer
Die beliebtesten Parks und Gärten
Die beliebtesten Themenrouten
Die beliebtesten Rollen von Götz George
Die beliebtesten Süßspeisen

Und schließlich in diesem Jahr:

Die beliebtesten Kirchen
Die beliebtesten Kurorte
Die beliebtesten Familienunternehmen
Die beliebtesten Musikshows
Die beliebtesten Flüsse
Die höchsten Besuche
Die beliebtesten Glückslieder
Die beliebtesten Naturschutzgebiete
Die beliebtesten Weltkulturerbe-Kandidaten.

Sofort mit diesem Unsinn aufhören, SOFORT!

Befund

Die Dritten Programme sortieren unsere Welt in Hitparaden. Sie zerlegen sie in ihre Bestandteile, bereinigen sie von komplizierten Zusammenhängen und Kontexten, sortieren sie nach Beliebtheit und lassen sie von Leuten kommentieren, die nichts mit ihnen zu tun haben. Es ist eine Aufgabe, die an Macher und Zuschauer eigentlich nur zwei Ansprüche stellt: Ausdauer und den Mut zur Anspruchslosigkeit. Und so füllen diese Listen-Formate, die aus dem Privatfernsehen eingeschleppt wurden, inzwischen die meisten Dritten Programme und sorgen dort für eine umfangreiche Versteppung. Im NDR, der früh auf dieses Format gesetzt hat, haben sie ihren Höhepunkt inzwischen offenbar überschritten. Aber der WDR, der wie kaum ein anderer öffentlich-rechtlicher Sender weiß, wie man seine Zuschauer unterfordert, hat für diese Monokultur inzwischen breite Schneisen in sein Programm gerodet. Im WDR läuft allein in diesen Tagen: »99 Lieblingsorte in Nordrhein-Westfalen«, »Die 30 tollsten Haus– und Hoftiere«, »Die beliebtesten Bauernhöfe in Nordrhein-Westfalen«, »Die 40 beliebtesten Burgen und Schlösser in Nordrhein-Westfalen«, »Die 40 beliebtesten Ausflugsziele in Nordrhein-Westfalen«, »Die beliebtesten Liedermacher der Nordrhein-Westfalen«, »Die beliebtesten Schlagerduos der Nordrhein-Westfalen« und »Die beliebtesten Schauspieler der Nordrhein-Westfalen«.

Stefan Niggemeier, Medienjournalist, in seinem Blog. Eine genaue Aufstellung auch dort.

Katholisches Signal gegen den Osterfrieden

Folgt man dem Predigtforum, ist Ostern das Fest des Friedens. “In Lukas-Evangelium lesen wir in Kapitel 24, 36, dass der Auferstandene den Jüngern erschien. Er spricht sie an mit dem Gruß: ‘Friede sei mit euch!’ Und auch Johannes berichtet, wie der Auferstandene mit diesem Gruß seinen Jüngern erscheint.  (…) Das eigentliche Friedensfest der Christen ist das Osterfest! Es will Auferstehung schenken, wo Unterdrückung war; es will Frieden schenken, wo Hass, Neid, Streit und Krieg war.” In diesem Sinne haben in Holzwickede seit zehn Jahren eine katholische und zwei evangelische Gemeinden einen gemeinsamen Gottesdienst in der Osternacht gefeiert. Bis jetzt. Denn jetzt hat das Erzbistum Paderborn diesen Gottesdienst verboten.  “Die Voraussetzungen für einen gemeinsamen Gottesdienst sind noch nicht gegeben”, erklärt Monsignore Dr. Michael Hardt, Leiter der Fachstelle Ökumene im Erzbistum Paderborn. “Wir mussten ein Signal setzen.” So zitiert der WDR den Kirchenfürsten. Ein Signal setzen gegen evangelische Christen? Mir kann es egal sein. Aber verstehen kann man diese eingekapselte Kirche der alten Männer nicht.

Ei, Ei, Ei

Andrea Verpoorten? Stimmt, muß man nicht kennen. Bis jetzt. Andrea Verpoorten ist medienpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion. Und in dieser Rolle hat sie nun den WDR aufgefordert, dafür zu sorgen, daß die WDR-Jugendhörfunkwelle EINS LIVE auf jeden Fall auch die Siegertitel der RTL-Serie “Deutschland sucht den Superstar (DSDS)” sendet. Mit dem Programm- und Informationsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders sei ein ‘Boykott’ bestimmter Musikformen jedenfalls nicht zu vereinbaren. Ei, Ei, Ei Verpoorten, kann man da nur sagen, es ist ganz gewiß nicht die Aufgabe der durch Gebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, auch wirklich jeden Scheiß zu senden. Dafür hält sich die Gesellschaft eigentlich den privaten Rundfunk. Das kommt davon, wenn man Eierlikör im Überfluß hat.

Mißbrauch, die nächste

Mißbrauch, die nächste: Wie der WDR meldet, ist es auch im Konvikt St. Albert in Rheinbach und im Vinzenz-Pallotti-Kolleg in den 60er Jahren zu Übergriffen gekommen. Nicht nur die Jesuiten, sondern auch die Pallottiner haben sich also an Kindern und Jugendlichen vergangen und ihre Körper und Seelen geschändet. “Die Gemeinschaft der Pallottiner umfasst 300 Glaubensbrüder und gehört der katholischen Kirche an. Sie unterhält in Deutschland Einrichtungen wie Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen und eine philosophisch-theologische Hochschule in Vallendar”, schreibt der WDR auf seiner Homepage. Diese Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen werden zwar von den Pallottinern betrieben, der deutsche Steuerzahler aber gibt das seinige dazu. Skandalös genug. In den Kommentaren zum WDR-Artikel schreibt M.: “Ich selbst war in den 60er + 70er Jahren Schüler eines katholischen Internats in der Eifel. Körperliche Züchtigung, sexuelles Vergehen und psychischer Terror war dort an der Tagesordung. Nach heutigen Maßstäben wären die Patres und Erzieher direkt ins Gefängnis gewandert.” Und Geli kommentiert: “Jetzt weiß ich auch, was dieser unsägliche Mixa mit seiner Aussage gemeint hat. Wenn die sexuelle Revolution nicht gewesen wäre und wir immer noch gläubig und ohne nachzudenken den Pfaffen hinterrennen würden, wäre das Ganze nie ans Licht gekommen und die Rockträger würden den Respekt bekommen, der ihnen ihrer Meinung nach zusteht.” Den Schändern, Verharmlosern und Verleumdern in der Kirche, sei Psalm 77 ins Stammbuch geschrieben:

Ich rufe zu Gott, ich schreie, ich rufe zu Gott, bis er mich hört. Am Tag meiner Not suche ich den Herrn; unablässig erhebe ich nachts meine Hände, meine Seele lässt sich nicht trösten. Denke ich an Gott, muss ich seufzen; sinne ich nach, dann will mein Geist verzagen. Du lässt mich nicht mehr schlafen; ich bin voll Unruhe und kann nicht reden. Ich sinne nach über die Tage von einst; ich will denken an längst vergangene Jahre. Mein Herz grübelt bei Nacht, ich sinne nach, es forscht mein Geist.

Mir ist nach Speien zumute.

Gewalt im Knast und politische Verantwortung

Drei Jahre nach dem Tod eines Häftlings in der Justizvollzugsanstalt Siegburg berichtet der WDR erneut von Foltervorwürfen, diesmal in der JVA Herford. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Roswitha Müller-Piepenkötter ist die zuständige Landesjustizministerin. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, hat die Remscheider CDU-Politikerin ein Problem. Mal wieder. Jugendliche Strafgefangene müssen in der Obhut des Staates vor jeder Gewalt und vor jedem Übergriff geschützt werden. Ohne wenn und aber. Politisch verantwortlich ist die Justizministerin. Ich zitiere jetzt zum dritten mal aus dem “Leitbild des Justizministeriums NRW”: “Wir sind uns unserer Vorbildfunktion bewusst (…) Wir sind einsatzbereit und übernehmen Verantwortung.” Wohlan.

Roswitha, Michael und Peter

Gottlob ist die Remscheider CDU-Politikerin Roswitha Müller-Piepenkötter nicht Innenministerin des Landes. Denn dann wären zwar die zwei Gewaltverbrecher, Michael Heckhoff und Peter Michalski,  nicht aus der JVA Aachen ausgebrochen, die Polizei aber hätte sie auch sicher nicht gefangen. Roswitha Müller-Piepenkötter ist Justizministerin in NRW. Und sie wußte, wie der WDR gestern in fast allen Nachrichtensendungen berichtete, seit Ende August, daß es erhebliche Personalprobleme in der Aachener Justizvollzugsanstalt gab und gibt. Und die Liste der Skandale in nordrhein-westfälischen Knästen ist mittlerweile ziemlich lang. In der Geschichte der Bundesrepublik haben Minister schon für geringere Vorfälle die politische Verantwortung übernommen und ihren Rücktritt eingereicht. “Wir sind uns unserer Vorbildfunktion bewusst (…) Wir sind einsatzbereit und übernehmen Verantwortung.” So zu lesen im “Leitbild des Justizministeriums NRW”. Also dann.