Kategorie: Sport

Balsam

Was hätte die coronabedingte Absage des heutigen Spiels der deutschen Fußballnationalmannschaft ein Balsam fürs Gefühlsleben aller Fußballfans sein können.

Toll

Fünfundfünfzig Fußballnationalmannschaften sind heute und morgen in Europa unterwegs, um in dieser Woche Spiele im Rahmen der Nations League auszutragen. Na, toll.

Der Ball rollt, Corona hin, Corona her

Die Gastronomie findet so gut wie nicht statt, die Hotellerie stark eingeschränkt, die Kultur, die Musik, das Kabarett gar nicht, Theater nicht. In Österreich gibt es einen Totallockdown, in Frankreich eine rigide Ausgangssperre, in Italien werden ganze Regionen abgesperrt. Das Ziel: Zwischenmenschliche Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren. Reisen sollen vermieden werden, Treffen in der Öffentlichkeit sind nur möglich, wenn nicht mehr als zwei Familien beteiligt sind und die Anzahl der Menschen stark reduziert ist.

Aber Fußball wird gespielt. Selbst wenn es Infektionsfälle bei den beteiligten Mannschaften gibt. Zwar ohne große Zuschauerzahlen. Aber vor und nach dem Spiel treffen sich die Mannschaften in den Hotels, die Betreuer und Trainer, die anderen Mitglieder der Delegationen, die VIPs und die Offiziellen. Und alle fliegen und fahren in Bussen. Der Fußball gestattet den Beteiligten all das, was Normalmenschen untersagt ist. The Show musst go on. Der Zirkus für die Massen in den Massenmedien. 

Verstehen muß man das nicht. Ich wäre dafür, den Fußball auch stillzulegen in diesen Zeiten. Dann müßte man auch Béla Réthy nicht hören.

Réth(y)orik II

„Die Torlinientechnologie bringt ja bei Handspiel nichts.“

Réth(y)orik

Der Meister der rhetorischen Slapstick-Einlagen moniert genüßlich die fußballerische Slapstick-Einlage eines ukrainischen Abwehrspielers.

Marx Lenin spielt bei Togliatti

Karl Marx und Wladimir Lenin dürften bekannt sein und Palmiro Togliatti war der legendäre Vorsitzende bzw. Generalsekretär der italienischen Kommunisten bis in die sechziger Jahre hinein. Aber was soll diese kryptische Überschrift? Diese fünf Worte handeln nicht von Politik oder kommunistischer Weltanschauung. Es geht um Fußball. Fußball? Ja. Die Gazetten, genauer: die Tageszeitung kündet von einem spektakulären Transfercoup in der zweiten russischen Fußballiga.

„Lenin kommt über rechts. Akron Togliatti erlangt mit der Verpflichtung eines Fußballers weltweite Aufmerksamkeit. Kein Wunder: Der neue Spieler heißt Marx Lenin.“

Togliatti ist auch eine russische Stadt, benannt nach dem revolutionären Italiener, achthundert Kilometer östlich von Moskau an der Wolga gelegen und ein Zentrum des russischen Automobilbaus. Deutsche Partnerstadt ist, natürlich, Wolfsburg. Und der Fußballklub Akron hat einen zwanzig Jahre alten brasilianischen Offensivspieler verpflichtet, der mit dem Namen Marx Lenin gestraft ist. „ Marx Lenin wechselt nach Russland!“ witzelt die Tageszeitung. Der volle Name klingt ein wenig besser: Marx Lênin dos Santos Gonçalves. Die Tageszeitung weiß gar, daß Offensivmann Lenin vorzugsweise über die rechte Seite komme. Oder ist dies nur gut erfunden? Einerlei. Marx Lenin wird über alle Seiten kommen müssen, denn Akron Togliatti befindet sich nach sechzehn Spielen auf dem siebzehnten Tabellenplatz und unmittelbarer Abstiegsnot. Vielleicht hilft der Fußballgott mit Torerfolgen, wenn die Akronbosse Marx Lenin einmal ins nur zweihundert Kilometer entfernte Uljanowsk karren, der Geburtsstadt Lenins, äh, des Wladimir. Wie sagte Wladimir Iljitsch Lenin dereinst? „Talent ist selten. Man muß es systematisch und behutsam pflegen.“

Geisterspiele

Wenn man bei einem entscheidenden Fußballrelegationsspiel nicht wirklich mit Herzblut beteiligt ist, mit der Vorliebe für eine der beiden Mannschaften, dann – und das dürfte den meisten Beobachtern so gehen – dann gelten die Sympathien meist dem unterklassigen Verein, dem Underdog, heute also dem FC Ingolstadt, dem Drittligisten, der sich mit dem Zweitligisten, dem FC Nürnberg, messen mußte. Insofern hat es durchaus einen bitteren Nachgeschmack, daß am Ende einer überlangen Nachspielzeit, die durch den Spielverlauf nicht gerechtfertigt war, Nürnberg noch das entscheidende Tor zum Verbleib in der Zweiten Liga gelang. Ein Geisterspiel. So nennt der Zeitgeist die Profifußballspiele ohne Zuschauer. Ein Geisterspiel aber auch, weil der Fußball in seiner gegenwärtigen Verfassung gegen die bösen Geister der Bedeutungslosigkeit anspielt. Gehypt, zum Fernsehsport Nummer Eins hochgeschrieben und in unzähligen Gesprächsrunden auch hochgequasselt, rettet sich der vermeintliche Volkssport mit Mühen und Geisterspielen aus der ökonomischen Krise. Fußball ist zum exakten Abbild einer überlebten Lebens- und Produktionsweise geworden. The winner takes it all. Alles für die Mächtigen. Wenige werden immer reicher und mächtiger, viele immer ärmer und bedeutungsloser. Und die hemmungslose Vermarktung entfremdet die einstigen Liebhaber dieses Sportspektakels von ihrer Leidenschaft. Der Ligaalltag wird auf vier Wochentage verteilt. Freitag, Samstag, Sonntag und Montag. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag folgen dann die Championsleague, die Europaleague oder die Pokalspiele. Jeden Tag Fernsehfußball. Prinzipiell. Das hält der beste Fan nicht aus. Ein Dauermeister, Dauerabonnenten für die Spiele in den europäischen Wettbewerben, Dauerfußball im Fernsehen. Obwohl doch nur noch die Abstiegsfrage für eine gewisse Spannung sorgt. Mitunter. Die Ware Fußball dürfte bei einem derartigen Angebotsüberhang nicht teurer, sie müßte billiger werden. Müßte. Aber die ökonomischen Regeln gelten ja nicht, wie uns die Coronakrise lehrt. Jene, die ansonsten am lautesten den vollkommen freien Markt propagieren, die absolute Enthemmung, schlüpfen in der Krise geschwind unter irgendeine Rettungsdecke. Die Bundesliga und ihre Geisterspiele. Wie lange noch?

Instinkt

VON WOLFGANG HORN

Der Instinkt scheint jenen abhanden gekommen sein, die mitten in der Coronakrise, in der Künstler, Solo-Selbständige, kleine Gewerbetreibende, Musiker, Gastronomen, Kulturschaffende, zusehends mehr daran zweifeln, die Krise ökonomisch überleben zu können, darüber nachdenken, den Fußballbundesligaverein SC Schalke Null Vier mit Landesmitteln zu sanieren. Instinkt, das ist der innere Impuls, das Richtige zu tun, ohne daß man nachdenken muß. Eine solche Überlegung, Schalke mit Steuermitteln über die Krise zu helfen, kann man nur instinktbefreit anstellen. Einem Verein unter die Arme zu greifen, der das Jahressalär eines Fußballers künftig auf „nur“ zweieinhalb Millionen Euro begrenzen will, auf die Idee kann man nur vollkommen benebelt kommen. Wenn der Populismus die Sinne benebelt.

Sechzehntausend

Es hat ein wenig gedauert, zugegeben. Aber jetzt sind sie voll, die sechzehntausend Kilometer. In gut vier Jahren. Also etwa 4000 Kilometer im Jahr. Ist in Ordnung, aber auch steigerungsfähig. Mal sehen.