Monat: März 2015

Duett

Anoushka Shankar und Pepe Habichuela im Sitar-Gitarren-Duett. Zwei Meister.

People should

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Skat

Wer nur auf die Politiker schimpft, ist kein gutes Vorbild. Vielmehr sind wir alle gefragt, bei der nachwachsenden Generation das politische Interesse zu wecken – nicht nur als Eltern, sondern auch als Onkel, Tanten, Großeltern und Freunde. Gerade wenn sich die Stürme der großen Politik zusammenbrauen, ziehen wir uns gern ins Private zurück. Erich Kästner hat einmal geschrieben: „Draußen wackeln die Konzerne. Und es wackelt schon der Staat! Doch Ihr schweift nicht in die Ferne. Ihr drescht Skat.“ Das war 1930. Der Rest ist Geschichte.

Sebastian Gallander, Politische Bildung: Jugendliche verkommen zu politischen Analphabeten, in: Cicero, siebenundzwanzigster März Zweitausendundfünfzehn

Mandatsklau

Da wird jemand gewählt bei der letzten Kommunalwahl. In den Stadtrat. Für die Partei “Die Linke“. Am Tag nach der Wahl habe ich hier geschrieben, daß mir nur schwer erklärbar ist, warum diese Partei ihre Stimmenzahl hatte verdoppeln können, war doch “kaum etwas zu hören oder lesen (…) von ihrem Stadtverordneten. Fünf Jahre lang.” Einerlei. Seit nicht einmal einem Jahr sitzen nun zwei Linke im Rat der Stadt. Saßen. Denn nun ist Thorn Seidel ausgetreten. Der Neu-Linke. Aus der Fraktion. Wegen “unüberbrückbarer Differenzen” mit dem anderen, dem Noch-Linken, Rainer Schneider. Hübsche Formulierung. Unüberbrückbare Differenzen. Aus dem Satzbaukasten der bürokratisch gestanzten Rede. Eine sprachliche Nebelkerze. Nichtssagend. Bla-Bla. Das alles aber ist nicht wirklich mein Bier. Sollen sie doch streiten. Überbrücken, wenn’s geht, es lassen mit dem Brücken bauen, wenn nichts mehr geht. Alles nicht wirklich wichtig. Viel wichtiger ist, daß es sich bei einem Stadtverordneten der Linken um einen Stadtverordneten aller Bürger in dieser Stadt handelt. Thorn Seidel hat sich bislang jedoch mit nichts hervorgetan. Nichts, was in der Öffentlichkeit bemerkt worden wäre, nichts, was den Zeitungen eine Meldung wert gewesen wäre, nichts, was die Aufmerksamkeit von Bürgern hätte finden können. Was bleibt? Thorn Seidel hat die Fraktion der Linken zerdeppert. Im Wortsinn. Das haben die Wähler der Linken nicht verdient. Sie haben eine Fraktion aus zwei Menschen gewollt und auch bekommen. Bis gestern. Bis Thorn Seidel von “unüberbrückbaren Differenzen” salbaderte. Und, ganz politischer Schlaumeier, in der Tradition bürgerlicher Mandatsräuber feststellte: “Ich werde weiterhin im Stadtrat bleiben, das steht fest.” Ich habe keine Ahnung, was diesen Menschen befähigt, im Stadtparlament für das Gemeinwohl zu arbeiten. Ich war an seiner Aufstellung nicht beteiligt. Bislang aber habe ich auch keine Kenntnis von auch nur einer bemerkenswerten Einschätzung, Handlung, Initiative. Nach den Regeln der Bürokratie mag feststehen, daß Thorn Seidel sein Mandat behalten kann. Nach den Regeln des politischen Anstands wäre allerdings das Gegenteil fällig, nämlich der Rücktritt vom Mandat. Das hat der Herr Seidel ja nicht bekommen, weil er so nett wäre, so klug, so anziehend, so überzeugend. Nein, das Mandat hat der Genosse Seidel bekommen, weil ihn seine Genossen für die Wahl aufgestellt, weil sie ihn gewählt haben. Jetzt will er nicht mehr, jetzt spürt er “unüberbrückbare Differenzen”, jetzt gibt es Krach. Also soll er auch gehen. Der Mandatsklau ist schon bei bürgerlichen Parteien nicht wirklich akzeptabel. Bei Linken ist er, finde ich, sogar unappetitlich. Er zeugt von grandioser Selbstüberschätzung. Solange Thorn Seidel nicht über Wasser gehen kann, solange er also noch zu den ganz normalen Menschen zu rechnen ist, solange sollten auch die Maßstäbe des Anstands und der Demokratie für ihn gelten. Ein schwieriges Geschäft, diese Demokratie.

Eltern

Wie einst unsere Eltern schwoften …

  

  

Glauben

“Gegen Islamophobie habe ich persönlich nichts – man sollte aber jeden Glauben verachten.”
(Oliver Maria Schmitt, ehemaliger Chefredakteur der “Titanic”, gefunden in burksblog

Zitat

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Selfie im Kirchenkino

Mit Händen zu greifen war die Beklemmung, die sich gestern Abend im Film-Eck ausgebreitet hatte, als im Rahmen des  Kirchenkinos der Film „Wir sind jung. Wir sind stark.“ des afghanischstämmigen Filmemachers Burhan Qurbani gezeigt wurde. Ein gewaltiges Werk, das die fremdenfeindlichen Krawalle von Rostock-Lichtenhagen vom August Neunzehnhundertzweiundneunzig thematisierte und eindringliche Bilder vom hässlichen Deutschen inszenierte, vom braunen Mob, von der irren Gewalt gegen Fremde und der irren Lust an der Gewalt. Gezeigt wird eine Gesellschaft ohne Zivilität, ohne Courage, eine Gemeinschaft der Mitläufer und Mittäter. Jugendliche, noch ohne sicheren Platz im Leben, geraten ohne zielgerichtete Absichten in die von Neonazis gesteuerte Szene der gewalttätigen Fremdenfeindlichkeit und machen schließlich mit im Reigen von Wut, Gewalt, Zerstörung, Haß. Gezeigt wird Rostock-Lichtenhagen Neunzehnhundertzweiundneunzig. Verstanden wird durchaus Deutschland Zweitausendundfünfzehn, heute. Der Film hält uns mit der dreiundzwanzig Jahre alten Geschichte einen aktuellen Spiegel vor. Die Gewalt und die Bereitschaft zur Gewalt, der Fremdenhaß, die Feigheit, die Ohnmacht und die Kulturlosigkeit, das Mitläufertum und der Herdentrieb, die die Mitte der Gesellschaft bilden. Das Böse und das Banale liegen so eng beieinander. Rostock ist heute. Die Renaissance der Fremdenfeindlichkeit durch Pegida und Hooligans und Salafisten und andere Idioten ist widerwärtig und gegenwärtig. Kein Wunder, daß die Besucher das zu Beginn der Vorstellung freundlich unterbreitete Angebot zur Diskussion nach dem Film nicht in Anspruch nahmen, sondern es vorzogen, das Film-Eck hurtig zu verlassen. Schade. Schade auch, daß mal wieder ein wirklich spannender Kirchenkinoabend an den politisch Verantwortlichen der Stadt, an den Parteien vorbeiging, an Schulen, Lehrern , an allen, denen das Selfie im Film-Eck hätte nutzen können.

Köln

Die Kölner haben so einen ganz eigenen Charme. Ihre Selbstverliebtheit ist zwar für viele anstrengend, aber wir versuchen, die Leute nicht auszuschließen, sondern jeden einzugemeinden. Nach einem Mal Saufen in der Kneipe gehört man quasi schon zum erweiterten Verwandtenkreis und man würde dir Organe spenden – das sagt man zumindest. Wenn man darauf noch ein paar Mal trinkt, ist die Nähe dann auch wirklich da. Ich mag diese Art der Leute hier, diese Melancholie, die man auch an Karneval spürt. Es ist einfach meine Heimat.

Eine Liebeserklärung von Carolin Kebekus an ihre Heimatstadt und deren Bewohner, in: “Ich spule kein Programm ab“, Wermelskirchener General-Anzeiger von heute