Kategorie: Medien

Im Rahmen des Rechts, außerhalb des Rahmens der politischen Kultur

In vielen Fällen (…) gehen menschenverachtende Äußerungen wie die des brandenburgischen AfD-Spitzenkandidaten Andreas Kalbitz, der von den „Kopftuchgeschwadern“ sprach, bislang als von der Meinungsfreiheit gedeckt durch. (…) Vieles, was Populisten tun, bewegt sich im Rahmen des Rechts, wenn auch außerhalb des Rahmens der politischen Kultur.

Anna Sauerbrey, Vom britischen Parlament lernen, wie man mit Populisten umgeht, in: Der Tagesspiegel vom siebten September Zweitausendneunzehn

Sprechroboter

Ich bin nicht sicher, ob der ZDF-Kommentator des heutigen Fußballweltmeisterschaftsspiels zwischen den deutschen und den nigerianischen Frauen, Norbert Galeske, auch nur eine einzige Sprechpause gemacht hat.

Ohne Béla

Wie wohltuend: ein Fußballendspiel im Zweiten und Béla Réthy kommentiert. Eigentlich. Denn seit geraumer Zeit ist nur der Stadionton zu hören. Eine wunderbar-wohltuende Neuerung. So sollten alle Fußballspiele übertragen werden.

Nachtrag: die Tonprobleme sind behoben. Jetzt wird der Kommentar wieder übertragen und die Sendung ist nicht mehr hörbar. Schade.

Ernste Kaiserworte wider tierischen Ernst

Wilfried Schmickler gibt Karl den Großen bei Wider den Tierischen Ernst Zweitausendundneunzehn

„Publikumserwartung auf verlässliche Verstörungsfreiheit“

Das Problem ist eher, dass die Programmplaner so sehr auf die Erfüllung von Publikumserwartungen, auf verlässliche Verstörungsfreiheit setzen, dass überraschende, komplexere Inhalte ins Nachtprogramm oder gleich zu 3sat oder Arte abgeschoben werden. Das konzeptionell Abgeriegelte, das Durchformatierte überwiegt in den Hauptprogrammen. Man kann das auch im dokumentarischen Fernsehen sehen, jenseits von Pilcher. Seit vergangener Woche gibt es neue Zahlen dafür. Da stellte der Medienjournalist Fritz Wolf seine Studie Deutschland – Doku-Land vor. 75 bis 80 Prozent der dokumentarischen Sendungen können heute als formatiert bezeichnet werden, noch mehr als in der Vergleichsstudie von 2002. Dokumentarisches Fernsehen sei „erzählerisch und ästhetisch ärmer und gleichförmiger geworden“. Die Formatierung , schreibt Wolf, verenge „den Blick auf die Wirklichkeit, weil es of nicht um Beobachtung der Realität geht, sondern um Umsetzung von Konzepten“. (…)

Aus Sendersicht nachvollziehbar: Bei ZDFzoom, 37 Grad oder oft auch bei der WDR-Reihe Menschen hautnah (die jüngst damit in die Schlagzeilen geriet, dass Protagonisten auf kommerziellen Komparsen-Plattformen gecastet worden waren) weiß der Zuschauer vorher, dass er nicht überfordert wird. Womöglich ist der Erfahrungswert, dass weniger Leute wegschalten, wenn die Realität nicht zu vielschichtig dargestellt ist. Allerdings erinnert das auch an eine Kinderspeisekarte: Kinder wollen Pommes, also gibt es Pommes. Auch ein Erfahrungswert, den man schwer wegdiskutieren kann: Jede Art von nicht fritiertem Essen funktioniert nicht.

Klaus Raab, Rosamunde ist tot, das Prinzip Pilcher lebt. Fernsehen: Die Publikumszentrierung der Öffentlich-Rechtlichen ist nachvollziehbar. Schlau ist sie nicht, in: Freitag, Ausgabe Sieben aus Zweitausendundneunzehn

Die Innenseite der Außenseiter: AfD

Alois Moosbrecher von der “Aktionsgemeinschaft der Freunde der Diktatur” (AfD), vor vierundzwanzig Jahren

“Atheisten sind langweilig”

Bei Atheisten gibt es ja immer nur diese beiden schönen Stellen: Heinrich Böll hat in den „Ansichten eines Clowns“ gesagt, Atheisten sind langweilig. Frage: Warum? Ständig reden sie über Gott. Woody Allen hat gesagt, „Für Sie bin ich ein Atheist, für Gott bin ich die loyale Opposition“.

Carsten Frerk, Einfluss der Kirchen auf die Politik. „Demokratisch skandalös“, in Deutschlandfunk, Carsten Frerk im Gespräch mit Christiane Florin

Hilfestellung

“Die Spieler von Ghana erkennen Sie an den gelben Stutzen”

Marcel Reif Neunzehnhundertdreiundneunzig beim Länderspiel Deutschland gegen Ghana

„Die Freiheit des Wortes ist nur ganz zu haben oder gar nicht“

Die Überschreitung von Grenzen des Anstands gehört im Ducismo zum Programm. Hasssprache und Rüpelsprache vereinigen sich zum Erfolgsidiom: Dass ganz oben einer die Sau rauslässt, legitimiert das Gegrunze ganz unten. Unversehens verfällt man selbst in den Gossenjargon: Warum stopft solchen Gestalten eigentlich niemand das Maul? (…)

Wir leben nicht in einer Zeit sprachlicher Feinheiten. Die Zertwitterung der Gegenwart, die Trump eingeleitet hat und die seither die politische Klasse infiziert, erzeugt eine Welt aus rudimentärem Vokabular. Der US-Präsident macht keine grammatikalischen Umstände, er lügt bevorzugt ohne Relativsatz. Auch bei anderen Weltverschlechterern drängt sich die Frage auf, ob es nicht gut wäre, ihnen sprachlich Zügel anzulegen, um etwas mehr Wahrheit und Takt zu bewirken. (…)

Die Freiheit des Wortes ist nur ganz zu haben oder nicht. Mit ihrer Rettungskraft und ihrem Zerstörungspotenzial, mit ihrer Friedfertigkeit und ihrer demagogischen Gewalt. Wer dieses Freiheitsrecht für sich beansprucht, muss sich nach seiner Menschenpflicht fragen lassen: Hier erweist sich das ethische und gesellschaftliche Versagen der Neo- und Präfaschisten, die von der Freiheit des Wortes Gebrauch machen, um den anderen öffentlich zu diskreditieren. Durch die Missachtung ihrer Menschenpflichten und die Einschränkung jeglichen Respekts auf die eigene Klientel propagieren sie eine brutale Gesellschaft, die durch den Verzicht auf Zivilisiertheit siegreich sein soll. Das ist ihre Gefährlichkeit, darum muss ihre Politik mit den Instrumenten der freiheitlichen Demokratie bekämpft werden. Nicht von einigen, sondern von allen. Nicht irgendwann. Jetzt.

Gerd Heidenreich, Freies Wort. Hört man den Hassrednern zu, möchte man ihnen den Stecker ziehen. Aber das Recht, die eigene Meinung zu sagen, gilt für alle, in: Süddeutsche Zeitung vom vierundzwanzigsten Dezember Zweitausenundachtzehn