Kategorie: Medien

GESICHTER, OFT GEPAART MIT INHALTSLEEREN VERKAUFSPHRASEN“

Die Politik steht vor enormen Herausforderungen: Wie können wir die Klimakrise eindämmen und ihre jetzt schon nicht mehr vermeidbaren Folgen in den Griff bekommen? Wie machen wir unsere Altersversorgungssysteme fit für die Zukunft? Wie bringen wir die Digitalisierung auf eine Art und Weise voran, die den Menschen nützt – anstatt ihre Arbeitsplätze zu gefährden? Und wie gehen wir mit wachsenden sozialen Ungleichheiten und steigenden Migrationsbewegungen um? Das sind auch die Themen, die von den Menschen regelmäßig in Umfragen als die wichtigsten Probleme genannt werden. Im Wahlkampf tauchen diese Fragen allerdings kaum auf – obwohl es doch um die Auswahl der Parteien und Personen geht, die diese Probleme angehen sollen. Stattdessen sind auf Wahlplakaten überwiegend Gesichter zu sehen, oft gepaart mit inhaltsleeren Verkaufsphrasen. Der Rest der Wahlkampfenergie scheint weitgehend auf sogenanntes Negative Campaigning, also die Demontage politischer Gegnerinnen und Gegner, beschränkt zu sein. Anstatt um Sachfragen geht es viel um Personen, und das auf eine oftmals schmuddelige Art und Weise. Hinzu kommt eine verstärkte Lagerrhetorik: Links versus Rechts. Das kann man negativ als Polarisierung bewerten. Positiv ist daran allerdings, dass die Alternativen, die zur Wahl stehen, greifbarer und kontrastreicher werden. (…) In der Klimapolitik etwa scheint keine der im Bundestag vertretenen Parteien den Ernst der Lage erfasst zu haben.

Patrick Bernhagen, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Stuttgart im Gespräch mit Wolfgang Weitzdörfer, in: „Die Politik steht vor enormen Herausforderungen“. Interview mit Politikwissenschaftler zur Bundestagswahl, Rheinische Post, Zwanzigster September. Patrick Bernhagen stammt aus Wermelskirchen.

Anne Will nicht mehr

Was für ein Durcheinandergerede. Nicht nur, aber vor allem heute Abend. Ein Ministerpräsident, der sich von Nichts und niemandem bremsen läßt und gnadenlos alle anderen niederbramabarsiert. Ein Parteivorsitzender, der die mitdiskutierende Fachjournalistin als ahnungslos bezeichnet, eine Moderatorin, die ihren Laden nicht im Griff hat, der man ihre Fragen nicht beantwortet, auf die man nicht hört, wenn Sie das Wort erteilt. Krawall und Kakophonie haben im Medium Fernsehen eine streitbare, aber ergebnisorientierte Sendung mit Mehrwert für Zuschauer überwältigt und ersetzt.

Fritz Wolf

Fritz Wolf ist tot. Mit vierundsiebzig Jahren ist der Kenner des Dokumentarfilms im Fernsehen nach schwerer Krankheit gestorben. Ein großer Kritiker, Juror beim Grimme-Preis und anderswo, Programmbeobachter, Ausbilder, eine Instanz, die Instanz in Sachen Fernsehkritk. Ich verliere mit Fritz Wolf einen Freund. Einen, den ich immer um Rat fragen konnte und auch oft gefragt habe. Einen Weggefährten, einen Mentor auch. Ich habe Fritz so einiges zu verdanken.

„Hol die Kameltreiber“

Niklas Arndt, bundesdeutschen Radfahrer, wurde beim Olympischen Zeitfahren heute, hinter einem Fahrer aus Algerien und einem aus Eritrea liegend, vom Radsporttrainer Patrick Moster mit diesem rassistischen Satz „angefeuert“. Es wird Zeit, einen solchen Trainer zu feuern. Sigmar Gabriel hatte seinerzeit Recht: Pack.

Welt im Spiegel

Wer immer den sonnabendlichen Fernsehblick in die Welt, vor Tagesschau und Krimi, den Weltspiegel im Ersten, auf einen spätabendlichen Sendeplatz in der Woche auslagern will, beteiligt sich, willentlich oder nicht, an der Delegitimierung des öffentlich-rechtlichen Sendesystems. Wozu hat dieser Senderverbund denn kompetente Korrespondenten in aller Welt, die seit Jahren profund und kenntnisreich berichten, wenn nicht für einen prominenten Sendeplatz für potentiell alle gesellschaftlichen Gruppen? Man schaut im Hellen in den Spiegel. Im Dunklen sieht man dort nichts.