Monat: Juli 2017

Losung

Saufen schmeckt gut

Hintertortransparent im Fußballstadion von Carl Zeiss Jena, dritte Liga, im Spiel gegen Fortuna Köln am vergangenen Samstag, zu sehen in der Sportschau

Achttausend

Die Achttausender haben ja eine besondere Bedeutung. Für die Bergsteiger. Für die Radfahrer irgendwie nicht. Die hangeln sich von Tausender zu Tausender. Ich habe mich heute an die Achttausend gehangelt. Vor gut einem Monat, am einundzwanzigsten Juni, habe ich hier noch die Siebentausendunddreizehn begangen. Jetzt also, heute Morgen, der achtmillionste Meter auf dem Rad. Binnen knapp zwei Jahren. Und von Stund an geht es um die Neun vorne. The Same procedure …

Fressen

Wenn einem im Sprechakt das Wörtchen “Fressen” plötzlich nicht mehr fein genug zu sein scheint.

Ja, so ein Abpraller, das wäre mal eine gefundene Situation.

Norbert Galeske, ZDF, heute während der Kommentierung des Frauenfußballeuropameisterschaftsspiels zwischen Deutschland und Rußland

Unter dem Deckmantel des Politischen

Die Riots im Schanzenviertel kennen viele Motive, und eines von ihnen ist das rücksichtslose Ablassen von persönlichem Frust, von Versagen, von nicht verarbeiteten persönlichen Niederlagen. Es ist der Ego-Trip, der sich den Deckmantel des politischen Protests umhängt und im Sinne eines klassischen Hooliganismus austobt.

Mathias Müller von Blumencron, Kommentar: Wer in Hamburg wirklich versagt hat, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom zehnten Juli Zweitausendundsiebzehn

Gewaltdurchtränkter Narzissmus und hohle Barrikaden-Romantik

Die vergangenen Tage füllte die Berichterstattung über das Gipfeltreffen der mächtigsten Industrienationen die ersten drei Scrolls auf den Nachrichtenseiten. Doch die Erlebnisberichte über die Chaosnächte im Schanzenviertel, die Kommentare und klugen Sprüche überdeckten blickdicht die eigentliche Bilanz des Treffens. Was ist bei dir hängengeblieben von Klima, Freihandel, Ukraine-Konflikt oder Afrika-Krise? Bei mir: 500 verletzte Polizisten, 200 Festnahmen, Plünderungen und Straßenschlachten, fliegende Steine, brennende Barrikaden und verkohlte Autowracks. Einsatzkräfte, die seit schlaflosen Tagen auf Adrenalin in ihren Kampfrüstungen und der ständigen Bedrohungen brüten, trafen auf Wohlstandslinke, die den Bürgerkrieg im sicheren Vorgarten der deutschen Demokratie erprobten. Welcher Arbeiter fühlt sich solidarisiert, wenn seine Karre oder die nächste Penny-Filiale zur Unkenntlichkeit verbrennt? Und welch legitime Kapitalismuskritik bleibt sachlich, wenn Protestcamps im Chemiegewürzten Regen der Wasserwerfer geräumt werden? Das Gewalt-Event eskalierte. Zum irrsinnigen Strudel aus Polizisten-Mentalität und rauschhaftem Straßenkampf gesellten sich in der Hansestadt Gaffer, Gelegenheitsplünderer, getarnte Hools, Vollidioten und partygeile Selfie-Autonome. Nachts von Wasserwerfern durch die lodernden Häuserfluchten gejagt zu werden, in denen ihre Niederschläge durchs Scheinwerferlicht funkeln, als habe man die besten Szene von Flashdance und Apokalypse Now verschnitten, bringt jedem Instagram-Profil tausendfach Beachtung. Diesem gewaltdurchtränkten Narzissmus und der hohlen Barrikaden-Romantik fielen jegliche Inhalte zum Opfer. Despoten wie Putin, Erdo und Co. sahen, wie man demokratische Freiheit für konstruktive Kritik nutzt. Geholfen ist damit niemandem – außer vielleicht den rechts-konservativen Lagern, die in den vergangenen Tagen genug Steine für kommende Debatten sammeln konnten.

Bastian Schlange, Redaktionsleiter CORRECTIV.RUHR im Newsletter von heute

Gewaltbereit

Henning Rehse, Fraktionsvorsitzender der WNKUWG, das sind die “Freien Wähler” im hiesigen Stadtrat, findet “einfach nur super”, auf Facebook, daß in Hamburg ein Diplomatenwagen am Rande des G20-Gipfels eine Demonstrationsblockade gewaltsam durchbricht und dabei ein Fahrrad demoliert und Menschen gefährdet. Das Demonstrationsrecht ist ein Grundrecht. Kein Fahrer eines Diplomatenwagens kann dieses Grundrecht aushebeln. Auch nicht mit dem Gaspedal. Keine Gewalt in Hamburg bedeutet nach meinem Verständnis keine Gewalt durch Demonstranten und ebenso keine Gewalt durch Diplomaten. Hier der Link zum Video: https://youtu.be/GHxQDWliL6s

Pack

Pack. Das steht für Gesindel. Ein drastisch abwertendes Wort für einen Haufen Menschen, die mindesten Ansprüchen nicht genügen. In die politische Debatte eingeführt wurde das Wörtchen vom seinerzeitigen SPD-Vorsitzenden, der die Pegidaführer in Leipzig und anderswo als Pack bezeichnete. Heute, nach den Verwüstungen in Hamburg, haben sich auch die vermeintlich Autonomen des schwarzen Blocks diese Bezeichnung redlich verdient. Das gleiche Pack. Dumpf, gewalttätig, unpolitisch bis rechts – von wegen autonom, von wegen links, von wegen radikal. Wer Polizisten attackiert, Kleinwagen anzündet, Supermärkte plündert, Straßen aufreißt, Steine wirft, mit Zwillen schießt, Anwohner attackiert, hat jeden Anspruch darauf, in der politischen Debatte als gleichberechtigter Kombattant anzutreten, verwirkt. Wer sich an deren Seite begibt, bettelt ebenfalls darum, nicht mehr ernstgenommen zu werden. Und dabei ist es vollkommen gleichgültig, ob die Staatsmacht, die Regierenden und die Handelnden, im einzelnen immer glücklich entschieden haben und rational agieren.

Disziplin vor Rückgrat

Und Lindner beißt in die Tischkante.

Koalitionsdisziplin. Streit um “Ehe für alle” wird Lindners erster Rückschlag, in: Westdeutsche Zeitung vom siebten Juli Zweitausendundsiebzehn