Das tut man nicht

Nikolaus Blome, einst bei Welt und Bild, heute beim Spiegel, sinniert dort übers Konservative. Konservativ sei zu wissen, was man nicht tut. Und das macht er fest an Sebastian Kurz und seinen Fanboys im Nachbarland. “Sie verachten das Volk, dem aufs Maul zu schauen sie vorgeben, derweil sie es blenden. Es müsste ihnen allen amtlich verboten werden, sich konservativ zu nennen. Sie sind eine Schande, weil sie tun, was man einfach nicht tut. Weil sie tun, was zu tun man seinen Kindern untersagt, um sie Anstand zu lehren.” Anstand. Da haben wir es. Bürgerlicher Anstand. Thomas Schmid schreibt in seinem Blog: “Für die CDU ist die Causa Kurz durchaus von Bedeutung. Denn sie zeigt, nicht nur, dass die Zukunft der Partei kaum in der Rückkehr zu altkonservativen Werten liegen kann. Sie zeigt auch: Eine Partei, die das Etikett ‘bürgerlich’ für sich beansprucht, beschädigt sich selbst, wenn sie die Werte des Anstands zwar regelmäßig propagiert, sie im internen Umgang aber ebenso regelmäßig verletzt.” Zwar sei die CDU noch weit entfernt vom “Nihilismus der Kurz-Boys”. Gleichwohl werde die Ressource Anstand allmählich knapp. “Nicht zuletzt, weil es auf breiter Front an Anstand fehlte, hat die Union bei der Bundestagswahl so schlecht abgeschnitten.” Markus Söder habe einen erheblichen Anteil an diesem Anstandsdebakel, da er im Grunde Wahlkampf für die SPD gemacht habe. Es gibt nach Nikolaus Blome den Unterschied zwischen populär und populistisch, nämlich der zwischen Beliebt-Sein und Sich-Beliebt-machen-wollen. Ohne das sichere Gespür für diesen Unterschied könne man weder Liberaler, noch Konservativer sein.

Schamperücken

Ja, jeder weiß, daß Blumentopferde keine Pferde sind und Erblasser keinen Teint beschreibt. Gleichwohl kamen mir heute diese sattsam bekannten Beispiele in den Sinn, als mir mein Sohn Palle eine Seite des Kraftfuttermischwerks zusandte mit dem Hinweis auf einen Schamperückenverkäufer. Merkins werden sie genannt, die Schamperücken, mir gleichfalls unbekannt, dieses Wörtchen. Übersetzt findet man dann: Downstair Toupets. Damen, ja, wirklich Damen, aus dem Milljöh, sollten auf ihre Hygiene achten und etwa dem Lausbefall vorbeugen, indem sie ihre “downstairs” Körperhaare, die Schambehaarung, abrasieren und an der Stelle eine Schamperücke, ja, was? aufsetzten? anbrachten, einerlei. Schließlich könne ein derartiges Kunstwerk Narben, etwa der Syphilis, verdecken. Im übrigen: Schamperücken datieren bereits aus der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts. Glatt, rasiert, kahl, das ging vor einhundertsechzig Jahren noch nicht. Da mußte schon eine Schamperücke her. Und eigentlich geht das auch heute nicht. Wie dem auch sei. Das beste an dem kleinen Beitrag ist indes der Satz: “Und ich möchte bitte nicht über den Bart des Gentleman reden.”

Koalitionsanschmusung

Made my Day. “Während im politischen Berlin in den vergangenen Tagen alle damit beschäftigt waren, im Zuge der Koalitionsanschmusung öffentlich möglichst wenig Drama zu veranstalten, hatte man sich in Wien in der gleichen Zeit entschieden, ein ordentliches Regierungskrisenfeuerwerk abzufackeln.“

Peer Schader bei DWDL, zitiert nach Altpapier vom MDR

Wie ich auf den Scooter kam

Siebzig bin ich und auf den Scooter gekommen. Scooter? Ja. Scooter, besser: E-Scooter, so heißt man heute den Roller, früher Tretroller, heute Roller mit elektrischem Antrieb in Vorder- oder Hinterrad. Nach vielleicht fünfundsechzig Jahren bin ich zum ersten Fortbewegungsmittel zurückgekehrt – in technisch höchster Vollendung indes -, mit dem ich, wie andere Jungs in meinem Viertel in Porz, “Klein-Korea“, auch, bereits als Vor-Schul-Kind die Straßenzüge rund um unsere Wohnung erkunden konnte, vor dem ersten Kinderfahrrad noch. Einst war man, waren wir bereits glücklich, als der zusammenklappbare, wenn ich mich recht erinnere, Holzroller mit Hartgummireifen vom Stahl-Roller mit luftgefüllten Ballonreifen abgelöst wurde, was das Treten mit dem „Spielbein“ enorm erleichterte. Treten muß man auf dem Scooter, E-Scooter dagegen nur ein, zwei mal, bis der Elektromotor sich zuschaltet und von da an größere körperliche Anstrengung nicht mehr abgefordert wird. Bis zu zwanzig Stundenkilometer erreicht man auf einem derartigen Gefährt. Vorausgesetzt, man ist nicht zu schwer und es geht nicht zu steil die Steigungen hinauf. In den letzten Jahren habe ich noch häufiger das Fahrrad, das E-Bike, zur Fortbewegung nutzen können. Diese Zeiten sind wohl vorbei. Meine Lunge spielt nicht mehr richtig mit. Sie will nicht, daß ich mehr als einige Schritte zu Fuß absolviere und auch nicht, das ich wieder aufs Rad steige. Was bleibt? Natürlich das Auto. Aber selbst in einer autofreundlichen Stadt wie Wermelskirchen mit vielen Parkmöglichkeiten und einem Auto in den sehr handlichen Ausmaßen eines Smart bleiben am Ende Strecken, die ich derzeit kaum mehr zu Fuß bewältigen kann. Deswegen bin ich auf den Scooter gekommen. Für die Besuche der Cafés in der Stadt, des einen oder anderen Meetings oder Konzerts. Praktisch, zweifelsohne. Mit einer Batterieladung ließe mich der Scooter etwa dreißig Kilometer cruisen. Langsam genug, schnell genug, in der frischen Luft, auf Straßen oder der Trasse. Für Wald, Feld oder Schotterwege kaum geeignet, jedenfalls nicht für mich. Das neue Lob der Langsamkeit. Und dreißig Kilometer am Stück, im Stehen, auf einem schmalen Trittbrett, ein Fuß hinter dem anderen, das muß man nicht unbedingt haben, oder? Ich jedenfalls nicht. Gleichwohl. Einen Scooter mag man für eine Marotte halten. Mir ermöglicht er aber eine städtische Mobilität, auch soziales Handeln, Umgang mit Freunden und Bekannten, Teilnahme am öffentlichen Leben, die ich ohne Roller kaum mehr genießen könnte. Nach etwa fünfundsechzig Jahren erweitert ein Roller erneut meinen persönlichen Radius. Back to the roots. Der Kreis schließt sich. Immerhin.