“Brustpelz”

Präsident Macron mache es vor, lese ich eben im Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auf Instagram sei ein Präsidentenfoto zu sehen, im Wahlkampf geschossen, auf dem der vierundvierzigjährige Franzose lachend auf einer Couch zu sehen ist, das blütenweiße Hemd weit aufgeknöpft, mit “herausquellendem Brustpelz”. Das Redaktionsnetzwerk fragt sich, ob es mehr Männer Macron bald nachmachen. Auf roten Teppichen sei männliche Brust häufiger zu bewundern, Promibrustbehaarung sei indes noch selten. Ich muß auf den übernächsten Trend warten. Den der öffentlich herzeigbaren Rückenbehaarung. Im übrigen ist das Brusthaartoupet bereits für zweihundertfünfzehn Euro und einundachtzig Cent zu haben.

Das gildet nicht

Warum gilt im Fernsehen nicht, was im Familienrat gilt, im Gespräch zwischen Kollegen, in der Schule oder in der Universität, am Arbeitsplatz, in der mündlichen Prüfung, auf dem Campingplatz, selbst beim Verzell an der Theke? Wenn man eine Frage stellt, hat der Befragte das Recht zu antworten. Bei Anne Will ist das anders. Da gilt nur die Antwort, die die Fragende erwartet hat. Nur die. Und wenn sie nicht kommt, wird dazwischen gequatscht.

Vom küchenpsychologisierenden Friedenscorps

In seinen besseren Momenten findet dieser Soziokrimi starke Bilder für das diffuse zerstörerische Potenzial die Überforderung seines Umfelds, in seinen schlechteren Momenten plappern sich Odenthal und Stern als küchenpsychologisierendes Friedenscorps durchs Pädagogik-Kriegsgebiet.

 Christian Buß, Der Odenthal-»Tatort« im Schnellcheck, in: Spiegel Online über den heutigen Tatort “Marlon“