Kategorie: Fundsachen

“Cord Cutter” 

“Cord Cutter” lese ich gerade im Altpapier-Newsletter des Mitteldeutschen Rundfunks. Man lernt nicht aus, nicht einmal mit bald zweiundsiebzig Jahren. Mit Cord-Cutter sind jene gemeint, die mediale Inhalte nicht mehr linear über ein Kabel (“Cord”), sondern nur noch über andere Plattformen nach Bedarf, also “on Demand” konsumieren. Tja. Mittlerweile gehöre ich auch zu denen.

Dielektra-Ruinen-Drohnenflug

Der Drohnenflug über und durch ein verfallenes Fabrikgebäude in Porz ist gleichsam eine Begegnung mit der eigenen Geschichte – im Flug. Hier, in der Dielektra in Porz, einst eine der größten Fabriken im heutigen Kölner Stadtteil, wurden Isolatoren aus Glimmer, Monazit und Feldspat hergestellt, später Halbleiter und Platinen. Meine Mutter hat als junge Frau dort gearbeitet, in den fünfziger Jahren, im Akkord. Ich habe hernach schräg gegenüber in der Kneipe am Bahnhof die gymnasialen Hausaufgaben von Klassenkameraden abgeschrieben, zu denen ich am Vortag nicht gekommen bin, weil wahlweise Fußball, der Schwimmverein oder die Weltrevolution vorgingen. Später hat ein Freund aus Wermelskirchen diese Firma gekauft, Ralf Nickel. Über ihn, den Wermelskirchener Unternehmer, und seine Firma in Porz habe ich dann einen meiner ersten Filme für den WDR gemacht. Tempi passati. Ralf Nickel ist früh verstorben, mit siebenundfünfzig Jahren, die Dielektra eine Ruine, schon lange, meine Mutter Lisette wird auch im Himmel keinen Glimmer mehr bearbeiten und ich mache weder Hausaufgaben noch Filme mehr.

Der Stempel

Der Stempel steht gleichsam für ein behördliches OK. Was gestempelt wurde, hat das bürokratische Ritual erfolgreich durchlaufen. Wo der Stempel fehlt, dort herrscht Stillstand. Ohne den erforderlichen Stempel kann kaum etwas bewerkstelligt, kaum etwas in Gang gesetzt, fast nichts wirklich zufriedenstellend geregelt werden. Ukrainische Flüchtlingskinder machen in einer Leipziger Kita nun auf abstoßende Weise Erfahrung mit der Bedeutung eines Stempels in Deutschland. Bei der Kita “Um die Welt” in Leipzig-Grünau ist der Name Programm. Hier werden rund zweihundert Kinder aus vielen unterschiedlichen Nationen betreut und jetzt sollen noch drei Flüchtlingskinder aus der Ukraine den Kita-Alltag bereichern. Sollten. Die Kinder sind angemeldet, die Eltern registriert, gemeldet und beziehen bereits Sozialleistungen. Nur der Stempel vom Sozialamt unter dem Antrag für Bildung und Teilhabe, kurz BUT, fehlt noch. Erst wenn der drauf ist, dürfen die Kinder in die Kita, denn nur dann ist auch geklärt, dass das Mittagessen bezahlt wird. Gottes Mühlen und die der deutschen Bürokratie mahlen eben langsam. Ohne Stempel gibt es für die drei ukrainischen Kinder eben nichts zu essen. Basta. Da kann auch der Flüchtlingsrat in Sachsen lange die unzumutbaren Wartezeiten beklagen. Von mehreren Wochen ist die Rede, wenn es um Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz geht. Es muß eben alles seine Ordnung haben in Schland. Meine Güte.

Fritten-Fiasko

Fritten-Fiasko in Köln! Mit dieser Meldung wartet heute Radio Berg auf, der Privatsender aus dem Bergischen Land. Ab morgen soll es in einem Brauhaus in Köln, so das Senderchen, keine Pommes mehr als Beilage geben, da das Öl für die Fritteuse aktuell zu teuer sei oder gar nicht mehr zu bekommen. Das ist wahrlich eine Einschränkung. Keine Pommes mehr zum Zigeunerschnitzel. Wir werden uns umstellen müssen. Bratkartoffeln statt welsch frittierter Pommes de Terre. Die gehen zur Not auch mit Butter oder Schmalz. Mit Fett werden wir der Öl-Krise begegnen.

Von Archäologen, Japanologen oder Proktologen 

Sahra Wagenknecht steht ja mächtig in der Kritik wegen ihrer Äußerungen zu den Impfungen. Ohnehin wirbt die Politikerin gerne für sich, indem sie sich auf der anderen Seite des linken Spektrums tummelt. Jedenfalls sorgte Wagenknecht in dieser Woche auch noch für viel Spott. Sie verwies auf einen Beitrag eines Astrophysikers, der sage, die Pandemie lasse sich nicht durchs Impfen beenden. Endlich auch ein Astrophysiker, der sich zu Wort meldet. Was sagen eigentlich Archäologen, Japanologen oder Proktologen zum Impfen?

Hagen Strauß, Sneaker und Hackengas, in: Remscheider General-Anzeiger von heute