Kategorie: Fundsachen

Schamperücken

Ja, jeder weiß, daß Blumentopferde keine Pferde sind und Erblasser keinen Teint beschreibt. Gleichwohl kamen mir heute diese sattsam bekannten Beispiele in den Sinn, als mir mein Sohn Palle eine Seite des Kraftfuttermischwerks zusandte mit dem Hinweis auf einen Schamperückenverkäufer. Merkins werden sie genannt, die Schamperücken, mir gleichfalls unbekannt, dieses Wörtchen. Übersetzt findet man dann: Downstair Toupets. Damen, ja, wirklich Damen, aus dem Milljöh, sollten auf ihre Hygiene achten und etwa dem Lausbefall vorbeugen, indem sie ihre “downstairs” Körperhaare, die Schambehaarung, abrasieren und an der Stelle eine Schamperücke, ja, was? aufsetzten? anbrachten, einerlei. Schließlich könne ein derartiges Kunstwerk Narben, etwa der Syphilis, verdecken. Im übrigen: Schamperücken datieren bereits aus der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts. Glatt, rasiert, kahl, das ging vor einhundertsechzig Jahren noch nicht. Da mußte schon eine Schamperücke her. Und eigentlich geht das auch heute nicht. Wie dem auch sei. Das beste an dem kleinen Beitrag ist indes der Satz: “Und ich möchte bitte nicht über den Bart des Gentleman reden.”

Zukunftskoalition

Der Mann hat sein Konzept tapfer durchgezogen, bis zur letzten Sekunde an der Wahlurne einfach alles falsch zu machen. Dass er nun offenbar ernsthaft eine „Zukunftskoalition“ anführen will: für mich die Sensation des Wahlabends. 

Micky Beisenherz: Wie man den Weichen stellt, in: Süddeutsche Zeitung von heute

GESICHTER, OFT GEPAART MIT INHALTSLEEREN VERKAUFSPHRASEN“

Die Politik steht vor enormen Herausforderungen: Wie können wir die Klimakrise eindämmen und ihre jetzt schon nicht mehr vermeidbaren Folgen in den Griff bekommen? Wie machen wir unsere Altersversorgungssysteme fit für die Zukunft? Wie bringen wir die Digitalisierung auf eine Art und Weise voran, die den Menschen nützt – anstatt ihre Arbeitsplätze zu gefährden? Und wie gehen wir mit wachsenden sozialen Ungleichheiten und steigenden Migrationsbewegungen um? Das sind auch die Themen, die von den Menschen regelmäßig in Umfragen als die wichtigsten Probleme genannt werden. Im Wahlkampf tauchen diese Fragen allerdings kaum auf – obwohl es doch um die Auswahl der Parteien und Personen geht, die diese Probleme angehen sollen. Stattdessen sind auf Wahlplakaten überwiegend Gesichter zu sehen, oft gepaart mit inhaltsleeren Verkaufsphrasen. Der Rest der Wahlkampfenergie scheint weitgehend auf sogenanntes Negative Campaigning, also die Demontage politischer Gegnerinnen und Gegner, beschränkt zu sein. Anstatt um Sachfragen geht es viel um Personen, und das auf eine oftmals schmuddelige Art und Weise. Hinzu kommt eine verstärkte Lagerrhetorik: Links versus Rechts. Das kann man negativ als Polarisierung bewerten. Positiv ist daran allerdings, dass die Alternativen, die zur Wahl stehen, greifbarer und kontrastreicher werden. (…) In der Klimapolitik etwa scheint keine der im Bundestag vertretenen Parteien den Ernst der Lage erfasst zu haben.

Patrick Bernhagen, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Stuttgart im Gespräch mit Wolfgang Weitzdörfer, in: „Die Politik steht vor enormen Herausforderungen“. Interview mit Politikwissenschaftler zur Bundestagswahl, Rheinische Post, Zwanzigster September. Patrick Bernhagen stammt aus Wermelskirchen.

Schaudern

Da schaudert es mich noch einmal auf meine alten Tage. In den jungen Tagen, wahrlich schon ein Weilchen her, daß ich zur Schule ging, aufs Stadtgymnasium Porz am Rhein, war es Mathe, wie das Schulfach Mathematik in Schülerjargon hieß, das mich geschüttelt hatte. Der Blick in die Geheimnisse der Zahlenwissenschaft ließ mich regelmäßig erschaudern. Gleichwohl waren meine Anstrengungen vergeblich, so viel so gut zu lernen, daß auch eine halbwegs erträgliche Schulnote dabei hätte herausgespringen können. Nun denn. Jetzt lese ich – und dabei schüttelt es mich wie dereinst -, daß diese schöne Zahl Drei Komma Eins Vier, Pi, so genau berechnet worden ist wie niemals zuvor. Pi, das ist hängengeblieben aus den jungen Tagen der Schulzeit, gibt das Verhältnis des Kreisumfangs zum Durchmesser an. Der Umfang eines Kreises ist Drei Komme Eins Vier Mal länger als sein Durchmesser. Im Prinzip jedenfalls. Um es genau zu wissen, lassen Forscher Computer rund um die Welt diese hübsche Zahl immer genauer berechnen. Schweizer Wissenschaftler haben nun Zweiundsechzig Komma Acht Billionen Stellen hinter dem Koma berechnet. Einhundertacht Tage haben die Schweizer für diese Operation benötigt. Mal ganz ehrlich, kann man das noch begreifen? Pi mit derart vielen Stellen hinter dem Komma? Diese nette Zahl, die den Babyloniern und Griechen bereits bekannt und nützlich war?

Die glorreichen Sieben

Eine der ersten Meldungen, die ich heute Morgen las, war, daß heute ein deutsches Flugzeug sieben (!) afghanische Mitarbeiter der Bundeswehr ausgeflogen habe. Die glorreichen Sieben. Zugleich macht das Bild die Runde im Netz, das sechshundertundvierzig Menschen im Bauch eines Flugzeuges zeigt, dicht an dicht, die mit einer amerikanischen Militärmaschine aus Kabul ausgeflogen werden.