Monat: März 2021

Die Pissoirfliege

Ganz ehrlich: Ich bin noch nie von Amsterdam aus gestartet oder dort gelandet, auf dem weltberühmten Flughafen Schipohl. Aus eigener Anschauung kenne ich sie also nicht, die Pissoirfliege in Schiphol. Ich muß mithin aus zweiter Hand berichten, wenn man das beim Thema „Zielen beim Pissen“ überhaupt so sagen kann, zweite Hand. Vom männlichen Pinkler, jedenfalls vom Stehpinkler, wissen wir ja, daß er undiszipliniert jederzeit und überall überall hin uriniert. Die tollen Tage im Rheinland bieten zahllose Belege. Und er hat, so die Legende, dem Amsterdamer Flughafen durch ziellos-irrlichternden Strahl derart hohe Reinigungskosten beschert, daß der Flughafenmanager Aad Kieboom zur List mit der Fliege griff. Er ließ in die Pissoirs Fliegenbilder aufkleben und schon war die ballistische Lust geweckt. Gepißt wurde fortan weniger auf den Boden oder neben das Wandbecken, sondern die Pissoirfliege sollte im Strahl erlegt werden. Der archaische Jäger im Pinkler wurde wiederbelebt, um Kosten zu senken. Ist das nun ein Beispiel für eine sinnvolle Verhaltenssteuerung oder eher für die Durchökonomisierung auch des letzten Intimbereichs des Männlichen? Jedenfalls konnte das Flughafenmanagement durch dieses Nudging genannte Verfahren vier Fünftel seiner Herrentoilettenreinigungskosten einsparen. Die Rundumpinkler erhielten einen kleinen Anstoß, einen Schubser, nicht die Belehrung etwa durch ein Warnschild an der Wand, und schon wurden sie zum Ziel-Pisser. Wir sind vom Krokodil noch nicht sehr weit entfernt.

Vertikale Streßmomente

„Das Spiel der Deutschen ist viel vertikaler und sie erzeugen damit mehr Streßmomente bei der rumänischen Abwehr.“ Die betriebswirtschaftliche Moderatorensprache bei der heutigen Übertragung des Fußball-Länderspiels gegen Rumänien erzeugt bei mir als Zuschauer Streßmomente.

Kölsch-Eis

Klar, in pandemischen Zeiten wachsen die Sehnsüchte. Nach der Rückkunft der Geselligkeit, nach Gesprächen an der Theke, nach trunkenen Umarmungen. Das frisch gezapfte Kölsch im Brauhaus dürfte derzeit im Mittelpunkt vieler Tag- und Nachtträume stehen. Kein Traum hingegen, tags nicht und nicht nachts, ist das Speiseeis mit Kölschgeschmack. Eine Eisdiele in Köln-Zollstock, „Eisliebe“ geheißen mit „Eigener Herstellung, gemütlichem Ambiente und süßen Leckereien“, hat nun die Eissorte „Kölsch“ kreiert – kein Witz. Das Eis soll tatsächlich nach Kölsch schmecken, wie immer das bei Speiseeis auch funktionieren mag. Weiß sieht es aus, das Kölsch-Eis, wie die frische Schaumkrone im Kölschglas. Zwei Flaschen Reissdorf Kölsch auf vier Kilo Eis, soviel verrät der Eislieben-Inhaber vom Betriebsgeheimnis immerhin. Das ganz kühle Blonde, sozusagen eisgekühlte Blonde. Sei’s drum. Ich warte lieber geduldig auf die Öffnung der Kneipen. Ein Kölsch so ganz ohne Innovation, ohne Schnick-Schnack, ganz altmodisch, in der Kölschstange, nicht im Becher oder im Hörnchen. Das genehmige ich mir dann. Im Beisein von Freunden. Leecker.

Totgeschlagene

“Totgesagte leben länger. Oder – Totgeschlagene?”

Soeben in einer Revue der Rosa-Luxemburg-Gesellschaft und der Volkshochschule Köln gehört – zum einhundertfünfzigsten Geburtstag der großen Revolutionärin und Denkerin