Monat: Januar 2018

Von der Schonheit eines Satzes

“Was den Beinamputierten der Phantomschmerz ist, ist der FDP der Charakter.”

Frank Barwasser, alias Pelzig, hat diesen wunderschönen Satz zu verantworten.

Hinterwäldler

Migration ist ja nun mal ein Thema, bleibt ein Thema und wird es wohl auch immer sein. Und eine pointierte Reflexion zu diesem Thema tut gerade in den jetzigen Zeiten Not. So lange von rechter Seite die multikulturelle Gesellschaft als Ursache aller Probleme dargestellt wird, was faktisch ja einfach falsch ist. Aber diejenigen, die sich davon bedroht fühlen, eine Minderheit, werden jetzt noch mal laut. Das ist quasi das letzte Aufbäumen der Hinterwäldler. (…) Ich glaube vielmehr, dass die die Vorboten einer guten Zeit sind. Wir erleben zwar Rechte auf dem Vormarsch, aber das ist für mich nur das letzte Aufbäumen. Der letzte Kampf um die letzten Privilegien. Denn die Tage der Alleinherrschaft des mittelalten weißen Mannes sind gezählt. Es sitzen deutlich mehr am Tisch. Und die wollen auch das Menü mitbestimmen.

Fatih Çevikkollu, Gags gegen den Schrecken, Interview mit Sven Schlickowey, Bergischer Bote

(Beitragsfoto Fatih Çevikkollu: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons))

Mutationen

Arthur Wagner ist mutiert. Vom Rußlanddeutschen zum Deutschen. So berichtet Spiegel Online. Mehr noch: Einst CDU-Mitglied mutierte er hernach zur AfD, zum Mitglied im Landesvorstand Brandenburg, zum stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisverbandes Havelland. Mehr noch: Arthur Wagner war bei den “Christen in der AfD” und kritisierte in einem Video im Sommer Zweitausendsiebzehn die “Öffnung” der Grenzen während der Flüchtlingskrise: Deutschland „mutiere” in ein anderes Land. Doch der Mutationen kein Ende: Jetzt ist Arthur Wagner zum Islam konvertiert. Und nun? “Religion ist Privatsache. Wir stehen zur Religionsfreiheit des Grundgesetzes“. So der Parteisprecher der AfD, die den schärfsten Anti-Islam-Kurs fährt: “Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ So die Mutationspartei unablässig. Grotesk.

“Ein Idiot umgeben von Clowns”

Das einprägsamste Bild stammt aus einem Bericht der “New York Times” (…). Da wurde Trump schon in den ersten Wochen seiner Präsidentschaft als alter Mann im Bademantel beschrieben, der nachts orientierungslos durchs Weiße Haus streift. Wolff zitiert die Mail eines Regierungsmitglieds, in der Trump und seine Entourage so beschrieben werden: “Ein Idiot umgeben von Clowns.”

Jakob Augstein, Skandalbuch “Fire and Fury”. Das Weiße Irrenhaus, in: Spiegel Online

Kaltschnäuzig

Wir waren lange zu kaltschnäuzig. Wir wussten, was los ist, aber es hat uns nicht interessiert. Die allermeisten Flüchtlinge bewegen sich zwischen armen Ländern. Pakistan, Libanon, Jordanien, Kenia sind wichtige Aufnahmeländer – mit viel größeren Herausforderungen als hier in Europa. Jetzt rücken uns die Flüchtlinge auf die Pelle und wir reagieren. Das trägt Züge von Zynismus. Aber wir lernen gerade weltweit. Wir lernen, wie unsere Gesellschaften auf noch nie dagewesene Art miteinander verknüpft sind. Und das hat plötzlich mit unserem Alltag direkt zu tun. Das ist ein historisch neuer Prozess: Wir müssen als Gesellschaften Verantwortung für das globale Gemeinwohl und das System Erde übernehmen – nur so können Dauerkonflikte vermieden werden.

Dirk Messner, Entwicklungsexperte, im Interview mit Michael BauchmüllerWir waren lange zu kaltschnäuzig, in: Süddeutsche Zeitung vom neunten Januar Zweitausendachtzehn

 

 

Lecken für den Exit

Da zu bedeutenden historischen Ereignissen, etwa den Filmen um Harry Potter oder Game of Thrones, Sondermarken der Royal Mail in Großbritannien erschienen sind, hat der ebenso hellsichtige wie hellhaarige Außenminister des Königreiches nunmehr auch eine eigene Brexit-Briefmarke angemahnt. Sozusagen Lecken für den Ausstieg. “Wir brauchen Briefmarken für dieses fröhliche, bedeutsame Ereignis.“ Tja.  Mitunter erweist sich politische Verkommenheit sogar in kleinsten gezackten Papierchen.

A Change Is Gonna Come

Wir sollten schon in diesem Jahr damit beginnen …