Kategorie: Sonstiges

Eins bis Golden

Neunundvierzig Jahre verheiratet. Zederne Hochzeit nennt sich das. Warum auch immer. Das Holz der Zeder gilt als robustes und langlebiges Holz. Eine Analogie also. Eine, die nicht erschreckt. Alt ist alt. Wenn man‘s nun robust nennt und langlebig, schmeichelt es etwas. Dieser besondere Hochzeitstag wird auch als Uranushochzeit bezeichnet. Uranus, eine Göttergestalt aus der griechischen Mythologie, der über die Welt wachte. Nix mit neunundvierzig. Dafür aber steht die Zeder auch für Erleuchtung. Das wiederum gefällt mir. Ob man allerdings die Erleuchtung durch die lang währende Ehe erlangt oder Erleuchtung Voraussetzung ist für das Aushalten einer langen Beziehung, darüber läßt sich niemand wirklich aus.

“Brustpelz”

Präsident Macron mache es vor, lese ich eben im Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auf Instagram sei ein Präsidentenfoto zu sehen, im Wahlkampf geschossen, auf dem der vierundvierzigjährige Franzose lachend auf einer Couch zu sehen ist, das blütenweiße Hemd weit aufgeknöpft, mit “herausquellendem Brustpelz”. Das Redaktionsnetzwerk fragt sich, ob es mehr Männer Macron bald nachmachen. Auf roten Teppichen sei männliche Brust häufiger zu bewundern, Promibrustbehaarung sei indes noch selten. Ich muß auf den übernächsten Trend warten. Den der öffentlich herzeigbaren Rückenbehaarung. Im übrigen ist das Brusthaartoupet bereits für zweihundertfünfzehn Euro und einundachtzig Cent zu haben.

Danke

Ich bedanke mich bei allen, Freundinnen, Verwandten und Bekannten, bei Mitstreitern und Genossinnen für die überwältigende Zahl von Glückwünschen und Gratulationen zu meinem einundsiebzigsten Geburtstag. Früher gab es Telefon und Briefe, nun aber brach über alle Kommunikationskanäle eine wahre Flut von guten Wünschen über mich herein, die ich leider unmöglich alle einzeln zu beantworten imstande bin. Habt alle vielen Dank. Es tut gut zu erfahren, daß man auch als altes Eisen noch gilt, wahrgenommen, gemocht wird. Danke.

Weihnachtszoom

Die Familie ist klein. Nicht nur Vater, Mutter, Sohn. Auch die anderen sind nicht so sehr viele. Nichte mit Kind, also Großneffe, zwei Neffen, eine angeheiratete Nichte, Cousine, drei Tanten, ein Onkel noch. Einmal im Jahr trifft sich dieser kleine Haufen traditionellerweise zum Geburtstag meiner Mutter, die in den letzten Jahren vor ihrem Tod so eine Art Sippenmutter war. Danach haben wir ihren Geburtstag jedes Jahr im November in ihrer Lieblingskneipe gefeiert und ihr mit Kölsch zugeprostet, wo immer sie auch gerade sein mochte, Himmel oder Hölle. Seit Corona wütet, haben wir nun bereits zweimal das Treffen absagen und auf das gemeinsame Kölsch verzichten müssen. Diese kleine Familie, in der Gegend verstreut, am Niederrhein, im Bergischen, in Köln, in Richtung Siegkreis, hat sich also bereits seit langer Zeit nicht treffen können. Deswegen gab es heute den ersten Versuch, den kleinen Haufen über Zoom zusammenzuführen. Das ist nur teilweise gelungen. Eine Nichte hatte kein Netz. Die Tanten haben wohl keine geeigneten Rechner oder Smartphones. Was auch immer. Wir werden nachforschen müssen. Die Annahme, daß in Pandemiezeiten alle Menschen Erfahrungen haben machen können mit der Videotelefonie, scheint sich nicht zu bewahrheiten. In den nächsten Tagen werden wir das klären und dann irgendwann einen weiteren Versuch unternehmen. So lange uns Omikron nicht in Ruhe läßt, werden wir technische Hürden meistern. Dann aber, gleichgültig, wann, dann aber werden wir, Frühjahr, Sommer, einerlei, uns wieder in der Kneipe treffen, Kölsch trinken, palavern, alte Geschichten rauskamen, “Weißt Du noch?”, essen, Spaß haben und alle wieder auferstehen lassen, die bereits von uns gegangen sind. Hier wird keiner vergessen. Ob mit oder ohne Zoom.

Drei

Dreimal ist Bremer Recht, so ein regionales, norddeutsch-bremisches Wort. Hierzulande bekannter ist: Aller guten Dinge sind drei. Drei, das weist seit heute auch meine Corona-Warn-App aus. Ich bin drei mal geimpft, also: zweimal geimpft und einmal sogar geboostert. Mehr kann ich einstweilen nicht unternehmen, um mich und andere vor Corona zu schützen. Ich halte, so weit es geht, die erforderlichen Abstände zu anderen Menschen ein, ich meide größere Ansammlungen und Treffen und beachte die Hygieneregeln. Und: Genau das erwarte ich auch von meinen Mitmenschen. Impfen lassen, Abstand halten, Hygieneregeln einhalten. Nur so können wir gemeinsam Corona eindämmen. Nach und nach. Ohne das Impfen geht gar nichts. Ungeimpft bleiben wir Opfer des Virus und Mittäter. Ungeimpft sind wir mitverantwortlich für mangelnden Schutz für vulnerable, also verletzliche Menschengruppen, Alte, Kranke, Kinder, Behinderte. Freiwillig ungeimpft ist nicht sozial, sondern egomanisch. Also, meine Bitte: Laßt Euch alle impfen, bitte. Sorgen wir gemeinsam dafür, daß Corona seinen Schrecken verliert.

Geburtstagsverschiebung 

Der achte November. Am kommenden Montag wieder. Vermutlich ist der achte November kein Tag für die Geschichtsbücher. Anders als sein Nachfolger, der Neunte Elfte, der als Schicksaltag der Deutschen gilt, wie ich an verschiedenen Stellen in diesem Blog bereits beschrieben habe und wie mit Hilfe der Suchfunktion ganz leicht herauszufinden ist. Der achte November ist indes ein Tag von großer privater Bedeutung. Meine Mutter Lisette ist am achten November in Rotterdam geboren worden. Als Tochter eines Partikuliers, eines Rheinschiffers, den ich nie habe kennenlernen dürfen, weil er bei einem Brand auf seinem Schiff nach einem Bombenabwurf ums Leben kam. Der achte November, Lisettes Geburtstag, ist seit Zweitausendsieben, dem Jahr in dem sie gestorben ist, der Tag, an dem die Familie in ihrer, Lisettes, Lieblingskneipe in Köln-Porz zusammenkommt und das eine oder andere Kölsch trinkt auf die Frau, die Zeit ihres Lebens den Laden zusammengehalten hat, die Familie, ihre Schwestern und Brüder, Söhne und Schwiegertöchter, Enkelsöhne und Enkeltöchter. Und dann werden die Geschichten erzählt, teils zum x-ten Male, wie sie etwa Jahr für Jahr ab September bereits allen, die es hören oder nicht hören wollten, am Telefon mit diebisch-kindlicher Freude berichtet hatte, was sie schon für den Weihnachtsgabentisch irgendwo ergattert hatte. Keine der skurrilen Begebenheiten mit meiner Mutter fällt auf diese Weise dem Vergessen anheim. Das Kölsch lockert die Zunge und aktiviert das Gedächtnis. Am Montag wäre es wieder so weit gewesen und der ganze Clan hatte sich schon auf die Geschichten gefreut, die doch alle bestens kennen, und das gemeinsame Kölsch. Aber mein Lieblingsneffe hat die Tischreservierung abgesagt. Wegen der Corona-Pandemie. Wir haben beschlossen, den Geburtstag meiner Mutter einmalig und aus der Pandemienot heraus in den Januar zu verlegen oder in den Februar, jedenfalls in eine Zeit, in der zusammenzukommen keine Gefährdung älterer oder ohnehin mit einem Gesundheitsrisiko lebender Familienmitglieder mehr darstellt. Bei aller Lust aufs Geschichtenerzählen und Kölschtrinken, soviel Vorsicht muß sein – und Rücksicht. Und: Lisette wäre, bei aller Unvernunft, die sie ausgezeichnet hatte, gewiß auch für die einmalige Geburtstagsverschiebung zu haben gewesen.