Kategorie: Sonstiges

Neues aus Absurdistan

Zum ersten April, passend, hat die bayerische Staatsregierung mit den Sprachkünstlern und Semantik-Hexenmeistern Aiwanger und Söder an ihrer Spitze verfügt, daß im Schriftverkehr an Schulen, Hochschulen und Behörden im Sprengel der Münchener Frauenkirche Genderformen verboten seien. Krachlederne Bayern, die nicht müde werden, im Umfeld eines jeden bayerischen Stammtischs zu verkünden, die Grünen seien eine Verbotspartei, die aller Welt ihre Lebensart vorschreiben wolle, verbieten geschlechtersensible Sprache. Bei der Begründung scheint der Staatsregierung auch die Logik im Wege gestanden zu haben: Diskursräume in der liberalen Gesellschaft seien offenzuhalten. Es verengt also einen Diskursraum und schließt Menschen aus, wenn auch weibliche Formen in Sprache einziehen? Die Berufsbeschreibung Wasserbauingenieur:innen schändet die deutsche Sprache also? Nirgendwo gibt es einen Zwang zur Verwendung von Gendersprache. Sprachphilosoph:innen? Ministerpräsident:innen? Allemal schöner als Aiwanger:innen. Um Verständlichkeit anzumahnen und zu sichern wäre eine Sprachpraxis zu empfehlen, in dem hier und da alle Bezugspersonen direkt angesprochen werden. Nix da. Die Verbotspartei CSU ist ideologisch getrieben. Ein Witz? Ein schlechter, wenn überhaupt.

Kopffüsser-Ehrentag

Der Tag des Oktopus findet jedes Jahr am achten Oktober statt. Der Internationale Tag des Oktopus ist der Auftakt der Ehrentage für Kopffüßer, die im Jahr Zweitausendundsieben vom The Octopus News Magazine Online Forum (TONMO) ins Leben gerufen wurden, um die intelligentesten aller wirbellosen Tiere zu feiern.

Das Datum, der achte Oktober, wurde gewählt, um Tiere mit acht oder zehn Gliedmaßen zu ehren. Oktopusse haben acht Arme, während Tintenfische und Kalmare acht Arme und zwei Tentakel haben, so dass der achte Tag des zehnten Monats die perfekte Wahl für den Beginn der Ehrentage der Kopffüßer war. Aber weil Cephalopoden so toll sind, wurden die Ehrentage bis zum zwölften Oktober verlängert.

Also: Heute keine frittierten Tintenfische …

„Die Kirche im Dorf lassen“

„Wenn man Weltmeister wird, ist man emotional. Und was er da gemacht hat, ist – sorry, mit Verlaub – absolut okay.“

Karl-Heinz Rummenigge über Luis Rubiales

Rummenigge will die Kirche im Dorf lassen. Toll. Eine Einrichtung, auch für Übergriffigkeit und sexuelle Gewalt berüchtigt. Leider. Rubiales’ unerwünschter Kuß ist übergriffig und Rummenigges Verständnis unterirdisch.

Neujahr Zuhause

Vorvorgestern, am Tag, an dem ich ursprünglich hätte aus dem Krankenhaus entlassen werden sollen, hat sich Barbara bei einem Sturz von der Kellertreppe fünf Mal (!) Wadenbein, Fuß und Sprunggelenk gebrochen. Das bedeutet, von heute an etwa vier bis sechs Wochen stark eingeschränkte Mobilität, kein Sport, kein Yoga, kein Einkaufen, kein Wandern im Busch rund um Wermelskirchen. Wie in Hoch-Zeiten der Corona-Pandemie. Und seit gestern bin ich nun auch wieder zuhause. Im eigenen Bett schlafen. Den eigenen Kaffee aus der eigenen Maschine schlürfen. Alles vertrauter als die Krankenhausumgebung der letzten Wochen. Wir fangen noch einmal neu an, das Jahr Zweitausendunddreiundzwanzig und ich. Demnach wäre gestern Neujahr gewesen, da ich neunundvierzig Tage anderswo gelebt habe, in Krankenhäusern und Intensivstationen. Ich bin bereit, mich mit dem aktuellen Jahr zu versöhnen.

Soll man Rassisten umerziehen?

Robert Misik, Soll man Rassisten umerziehen? Ja, was denn sonst!, in: Newsletter Vernunft und Extase, erschienen am dreizehnten Februar Zweitausenddreiundzwanzig

Westentaschen-Mussolinis wie Kickl können nicht beantworten, was eigentlich am Ende, nach Polarisierung, nach der Wut- und Hassbewirtschaftung, nach dem von ihnen so leidenschaftlich betriebenen Zerstörungswerk stehen soll. Nicht einmal sie selbst können auch nur im Entferntesten eine Idee der Verwandlung in Verbesserungsenergie angeben. Das ist letztendlich auch ihr größter Schwachpunkt. Denn auch ihre verbiestertesten Anhänger wissen das. Sie wissen das insgeheim: Dass am Ende des Zerstörungsfurors nicht Verbesserung, sondern Verschlechterung steht. Sie machen nicht nur die Gesellschaft schlechter, sie machen die Menschen schlechter. Eine der großen Fehlannahmen ist ja, dass der rechte Radikalismus nur das Potential an Menschenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft aufnehme, umgarne, sichtbar mache. Dass er nur spiegle, was ohnehin da ist. Das ist natürlich nicht gänzlich falsch, insofern er an Vorhandenes appelliert, aber auch nicht gänzlich richtig, denn er ist auch eine Umerziehung. Eine Umerziehung zur Grausamkeit, eine Einübung in die Schlechtigkeit. Diese Pointe sollte man nicht übersehen, gerade, weil ja eine Propagandafloskeln der Rechtsextremen lautet, die linken, liberalen und sonstigen „Gutmenschen“ würden die Menschen umerziehen wollen, zu Antirassisten, zu Migrantenfreunden, zu Feministen, zu Homosexuellen-Tolerierern oder was auch immer. Dabei verschweigen die Rechtsextremisten gerne, dass sie die Menschen auch umerziehen wollen, sie durch das tägliche Gift der Verrohung in grausamere Menschen verwandeln wollen, ihnen jede Empathie abgewöhnen wollen, usw. (…) Ich denke, Rorty trifft hier einen Punkt, den wir gerne übersehen. Die rechten Extremisten wollen die Menschen umerziehen, zur Grausamkeit erziehen. Leute wie Kickl wollen Menschen, die möglicherweise den intuitiven Impuls verspüren würden, leidgeprüften Menschen zu helfen, mit ihnen Mitleid zu empfinden, dazu bringen, dass sich diese die Empathie und das Mitleid abgewöhnen und in einem Flüchtlingskind mit zerrissener Kleidung nicht das hilfsbedürftige Geschöpf zu sehen, sondern den gefährlichen Eindringling, der abgewehrt werden muss. Die Rechten wollen die Menschen umerziehen, aber auch die Linken wollen die Menschen umerziehen. Sie wollen Rassisten umerziehen, damit sie keine Rassisten mehr sind, und Menschen mit grausamen Intuitionen zu Menschen mit Empathie. Was eigentlich sollte man mit Rassisten denn auch sonst tun?

Robert Misik, Soll man Rassisten umerziehen?, in: Newsletter Vernunft und Extase, erschienen heute, am dreizehnten Februar Zweitausendunddreiundzwanzig

Rauhnächte 

Die Rauhnächte, das sind die zwölf heiligen Nächte zwischen Weihnachten bzw. Wintersonnenwende und dem Dreikönigstag und gelten seit jeher als heilige Zeit. Als Zeit der Geister, der Wölfe und Dämonen. Die Zeit „Zwischen den Jahren“, auch eine schöne Beschreibung für die Spanne, gilt als mythenumwoben. Vermutlich stammen viele der Bräuche, die sich um sie ranken, noch aus vorchristlicher Zeit. Meine Freundin Gabriele Ertl schrieb heute auf Facebook:

Eine Raunacht. Der Duft von Kräutern: Wacholder, Beifuss, Salbei, Thymian, und ein bischen Weihrauch erfüllt das Haus. Vom Dachboden bis in den Keller werden alle Räume bis in die Ecken mit den Kräutern geräuchert, und durch die offene Haustür verschwinden traditionell die bösen Geister vor dem Duft, den gesammelten Gedanken und Wünschen. Kerzen brennen und geben warmes Licht. Friedlich ist es. 

Seinen Ursprung hat der Brauch vermutlich in der Zeitrechnung nach einem Mondjahr. Ein Jahr aus zwölf Mondmonaten umfasst nur dreihundertvierundfünfzig Tage. Um mit dem Sonnenjahr und seinen dreihundertfünfundsechzig Tagen in Übereinstimmung zu bleiben, werden die auf die mehr als 365 Tage des Sonnenjahres fehlenden elf Tage – beziehungsweise zwölf Nächte – als „tote Tage“, als Tage „außerhalb der Zeit“, außerhalb der Mondmonatsrechnung, eingeschoben. In solchen Zeiten, so der Mythos, wird verbreitet angenommen, dass Gesetze der Natur außer Kraft geraten und die Grenzen zu anderen Welten aufgehoben werden. Es gibt noch weitere Tage im Jahr, an denen, wie es bei Überzeugten heißt, „die Grenze zur feinstofflichen Welt dünner ist und die ähnlich gut geeignet sind wie die Rauhnächte, um Wünsche zu formulieren, zu orakeln. Etwa Beltane / Walpurgisnacht / Samhain / Halloween / Allerheiligen / Allerseelen / Thomasnacht / Nikolausnacht.

Notfalljaulen

Jahrelang nichts. Kein Ton hier bei einigen Notfallsimulationen, bei Probealarmen in vergangenen Jahren. Keine Sirene, kein Läuten, kein Lärm. Heute aber. Notfalljaulen. Um Punkt zehn Uhr neunundfünfzig. Das Handy, die Handies jaulen und heulen, schräg und laut. Die Textnachricht beruhigt. Kein Notfall. Bundesweiter Warntag. Probewarnung.

Nachstar

So. Heute die dritte, sehr kurze Augenoperation hinter mich gebracht, mal wieder am rechten Auge, wo sich ein „Nachstar“ gebildet hatte. Nachstar wird eine erneute Eintrübung an der Kapsel der herausoperierten Linse genannt und ist gleichsam eine Folge der ersten Operation. In nur wenigen Minuten wurde per Laser die LInsenkapsel von Eintrübungen beseitigt. Nicht einmal ein Augenverband war heute noch erforderlich. Man kann nur dankbar auf die Knie fallen angesichts der Leistungen und Erfolge, die die medizinische Kunst im Verein mit höchstentwickelter Technik und digitaler Technologie vollbringt, um die Leiden von Menschen gründlich, oft schmerzlos und nachhaltig zu beseitigen. Ich sollte alsbald klarer sehen als zuvor, vielleicht mit Hilfe der Korrektur einer doch eher schwachen Brille. Die Sachverhalte vor dem geistigen Auge und dahinter, im Gehirn, sind und bleiben so klar wie eh und je.

Kleines o

Zum vierten Mal gegen Corona geimpft. Jetzt gegen die Omikron-Variante. Besser: gegen eine der vielen Omikron-Varianten die hier und anderswo unterwegs sind. Wenn es demnächst ein Serum gegen den vorherrschenden Omikron-Subtypus geben sollte, werde ich meinen Oberarm auch zum fünften Male hinhalten. Das versteht sich von selbst.