Kategorie: Sonstiges

Sieben Jahre

Irgendwie eine magische Zahl, Sieben. Die Sieben ist die Summe von drei und vier, von Geist und Seele einerseits sowie Körper andererseits, also das Menschliche. Lehrt mich Wikipedia. In Asien gilt sie als Glückszahl und in Märchen, Sagen und Erzählungen aus weit vergangenen Zeiten taucht die Sieben häufig auf: Die sieben Zwerge hinter den sieben Bergen im Märchen von Schneewittchen, die sieben Weltwunder, die sieben Tage einer Woche und die Erschaffung der Welt in sieben Tagen im Schöpfungsmythos der hebräischen Bibel. Ich bleibe bei den Jahren. Die Sieben taucht auch bei den Jahren häufig auf: das verflixte siebte Jahr, der siebenjährige Krieg, der Siebenjahrplan. Mein siebtes Jahr ist verbunden mit dem kleinen Gerät , das sieben Jahre und vier Monate lang links in der Brust sitzend mein Herz mit Strom und Impulsen zum Herzschlag versorgt hat. Die letzten sieben Jahre verdanke ich mithin diesem Wunderwerk der Ingenieurskunst. Seit gestern trage ich ein neues dieser technischen Wunder in mir. Und hoffe auf weitere sieben Jahre und vier Monate.

Vor und nach der Flut 2021: Die Ahr-Rotweinstraße von Altenahr nach Dernau

Ein Blick in die Zukunft der Klimakatastrophe

Das Video zeigt die Schäden entlang der Rotweinstraße im Ahrtal exakt zwei Wochen nach der Flut vom vierzehnten auf den fünfzehnten Juli Zweitausendeinundzwanzig. Beginn der Fahrt ist hier vom völlig zerstörten Abschnitt “Am Tunnel” in Altenahr in Richtung Osten nach Dernau. Besten Dank an “Rockdrummer71“, der das Video im Juli Zweitausendundfünfzehn aus seiner Perspektive gefilmt hat und an Timmy für die Ideenfindung

Der Renommierhund

Es ist, zugestanden, bereits sehr lange her, daß ich studieren durfte. Ich habe sie genossen, diese Studienzeit. War sie doch auch der Bruch mit engen Lebensverhältnissen, der Blick in die Weite des Wissens, die Freiheit zur Selbstermächtigung, gründete sie doch manche Freundschaft für das ganze Leben und, natürlich, war sie die Grundlage für berufliche Tätigkeiten, von denen ich vor dem Studium nicht einmal allergeringste Kenntnisse hatte. Heute Abend habe ich einem wundervollen Vortrag bewohnen dürfen, online, in dem es um die jüdischen Studenten an der Universität Bonn seit ihrer Gründung Achtzehnhundertneunzehn ging, um ihre Herkunft, regional und sozial, um den aufkommenden Antisemitismus, um die ersten Frauen an der Universität, um das studentische Leben. Und in dem Kontext fiel das Wort vom Renommierhund. Dem Hund, den Studenten, männliche selbstredend, dabei hatten, wenn sie flanierten, mit offenem Hemd ohne Tuch oder Schal, lang-unbequemem Gehrock, immer mit Spazierstock und mit mitunter besonders langer Pfeife. Zu meiner Zeit gab es einen Studenten, der mit Freude den langen roten Ledermantel ausführte, weiß der Geier, wo er das Teil aufgetrieben hatte. Mit unseren Einheits-Parkas konnten wir da nicht mithalten. Die Tüte konnte ebenfalls nicht mit einer mehrere Dezimeter langen Pfeife konkurrieren und einen Renommierhund hatte seinerzeit ebenfalls niemand. Eine Studentin hatte so etwas kleines, weißes Schoßhundartiges in der Tasche. Aber renommieren? Nö. Das ging mit dieser Minitöle nicht. Der Renommierhund, das habe ich mir heute Abend von einem Historiker erzählen lassen, war ein bewährtes Mittel standesgemäßer Repräsentation. Der Renommierhund hielt, wie Richard Johannsen in seiner Schrift “Der Couleurhund” schrieb, “seinem Herrn mahnende Gläubiger vom Leibe, erheiterte ihn mitfühlend in trüben Stunden und unterhielt ihn oder die ganze Corona durch allerlei Kunststücke. Entsprechend der Neigung zur Repräsentation wurden eindrucksvolle, große Rassen bevorzugt: Neufundländer, Bernhardiner, Leonberger und vor allem, nach dem Vorbild des Reichskanzlers bzw. Altreichkanzlers, Dänische oder Ulmer Doggen, für die sich der Name „Bismarckdoggen“ einbürgerte”. Das Ganze diente der Abgrenzung vom Normalen und der Provokation. Nicht grundlegend anders also als der rote Ledermantel oder das weiße Schoßhündchen im Studiertäschchen. Mit anderen Worten: Wir waren nicht besser, nicht einmal wirklich anders als die Studentengenerationen vor uns, nicht einmal die zu Beginn oder in der Mitte des vorvorletzten Jahrhunderts. Was ist Tragödie, was die Farce?

Diademhochzeit

Die Diadem-Hochzeit, mitunter auch als Amethysthochzeit bezeichnet, wird am achtundvierzigsten Hochzeitstag begangen. Es ist offenbar nicht mehr bekannt, warum man diesen Hochzeitstag so nennt. Im weltweiten Netz bekommt man zu lesen, dass es um etwas sehr Wertvolles gehen soll, ein Diadem sei meist nicht nur schön anzusehen, sondern auch sehr teuer. Der Amethyst, ein violetter, wertvoller Edelstein aus Quarz stehe nicht nur für Glück, Ehrlichkeit und Weisheit, sondern auch für Mut, Gerechtigkeit, Erkenntnis und Inspiration. All dies sind selbstverständlich Werte, die auch in einer funktionierenden Ehe vorkommen sollten. Soweit das, ja, wie soll man sagen? fast esoterische Geschwurbel aus dem Netz. Vielleicht wollte man mit der Bezeichnung Diadem die Schönheit der Braut in den Vordergrund bringen, lese ich da noch. Ja, passend. Am achtundvierzigsten Hochzeitstag. Wenn alle Beteiligten darum bangen, noch ganz beieinander zu sein, und Gesundheit und Alltagstauglichkeit der Schönheit, dem wohlgeformten oder sportlichen Leib, wie immer man mag, oder jugendlicher Geschmeidigkeit längst den Rang abgelaufen haben. Wohlgefälligkeit ist es, was bleibt, wenn man viel Glück hat, sehr viel Glück. Einerlei. Im Alter kann man für jeden Anlaß dankbar sein, zu feiern, sich zu vergewissern. Auch die Diademhochzeit. Wir hatten sie am Dienstag. Ohne Diadem.

Impf-Porn, die Zweite

Die Folgeimpfung hat heute meinen linken Oberarm erreicht und in drei Wochen dürfte ich derart viele Antikörper in meinem Körper haben, daß ich, mit Mund- und Nasenschutz bewehrt und alle Abstände einhaltend, wieder in Cafés Blogbeiträge schreiben könnte. Das Sein bestimmt das Bewußtsein. Also: Macht das Tor auf, das Tor der Cafés und Bäckereien, der Gasthäuser mit Kännchen draußen, der Kioske, der Waffelbuden an der Bahntrasse, überall. Ansonsten gilt, natürlich, das hier Gesagte, vor allem, daß die Freiheit nicht wegen der Kontaktbeschränkungen infolge der Corona-Pandemie beschnitten wird. Es sind allesamt Maßnahmen, die Menschen, alle Menschen, vor Krankheit und Tod bewahren sollen. Es hat der Mensch eine Würde, die unantastbar ist. Dafür aber muß man seine Gesundheit und sein Leben schützen.

Kölsch-Eis

Klar, in pandemischen Zeiten wachsen die Sehnsüchte. Nach der Rückkunft der Geselligkeit, nach Gesprächen an der Theke, nach trunkenen Umarmungen. Das frisch gezapfte Kölsch im Brauhaus dürfte derzeit im Mittelpunkt vieler Tag- und Nachtträume stehen. Kein Traum hingegen, tags nicht und nicht nachts, ist das Speiseeis mit Kölschgeschmack. Eine Eisdiele in Köln-Zollstock, „Eisliebe“ geheißen mit „Eigener Herstellung, gemütlichem Ambiente und süßen Leckereien“, hat nun die Eissorte „Kölsch“ kreiert – kein Witz. Das Eis soll tatsächlich nach Kölsch schmecken, wie immer das bei Speiseeis auch funktionieren mag. Weiß sieht es aus, das Kölsch-Eis, wie die frische Schaumkrone im Kölschglas. Zwei Flaschen Reissdorf Kölsch auf vier Kilo Eis, soviel verrät der Eislieben-Inhaber vom Betriebsgeheimnis immerhin. Das ganz kühle Blonde, sozusagen eisgekühlte Blonde. Sei’s drum. Ich warte lieber geduldig auf die Öffnung der Kneipen. Ein Kölsch so ganz ohne Innovation, ohne Schnick-Schnack, ganz altmodisch, in der Kölschstange, nicht im Becher oder im Hörnchen. Das genehmige ich mir dann. Im Beisein von Freunden. Leecker.

Kommunikation in sozialen Netzwerken. Ein Lehrstück oder Wie verpeilt darf man sich eigentlich in Foren herumtreiben?

Ich habe einen Beitrag im Forum Wermelskirchen über die Attentate von Hanau geschrieben und ihn auf meiner Facebookseite verlinkt. Am kommenden Freitag jährt sich die Mordtat gegen neun Hanauer Bürger mit Migrationshintergrund zum ersten Mal. Der Täter hat das Attentat aus rassistischen Motiven verübt und dabei neben den Todesopfern auch weitere Menschen teils erheblich verletzt. Seine rassistischen Motive und seine rechtsextremistische Gesinnung hat er in einer Art Manifest im Internet dargelegt.

Auf der Facebookseite hat dann ein Facebooknutzer, mit dem ich keine Verbindung unterhalte, einen Hinweis auf islamistische Gewalttaten als Kommentar gepostet. Diesen Kommentar habe ich entfernt. Noch zweimal hat sich dieser Vorgang wiederholt: Herr G. Ließ es sich nicht nehmen, seinen Hinweis erneut zu posten. 

Dann habe ich den Kommentator angeschrieben:

Lieber Herr G., 

rechtsextremistische Gewalttaten kann man nicht mit dem Verweis auf andere Gewalt relativieren. Unterlassen Sie bitte deshalb die Kommentierung. Ich möchte Sie eigentlich nicht blockieren. Unterlassen Sie bitte einfach, was ich auf meiner Seite nicht zulasse.

Wir können gerne miteinander sprechen und unsere Differenzen kenntlich machen. 

Vielen Dank

Wolfgang Horn

Dann kam folgende Antwort (Original samt eigenwilliger Orthographie und Interpunktion sowie mißratener Syntax):

Guten Morgen Herr Horn, ich habe kein Interesse mit ihnen zu kommunizieren! Sie könnten allerdings zur Abwechslung mal an die Zahlreichen terroristischen Anschläge von Islamisten erinnern! Diese erachten sie ja offensichtlich als weniger erwähnenswert, oder relativieren diese! Bevor sie jetzt ihre gewohnte AFD Keule schwingen….. NEIN, ich tendiere weder zu dieser, noch zu einer anderen Partei!!!! Ich halte die Waage nur gerne waagerecht! Bitte verschonen sie mich zukünftig privat anzuschreiben…..!!!!

Und schließlich hat Herr G. mich auf Facebook blockiert. Ich bedaure das nicht. Ich weiß von Herrn G. nichts, ich kenne ihn nicht und hatte bislang in meinem Leben noch nichts mit ihm zu tun.

Da will einer nicht kommunizieren, offenbar nicht wissend, daß sein Kommentar schon eine Form der Kommunikation ist. Da kommuniziert also jemand ungefragt, zudem mit einem vollkommen sachfremden Beitrag, und pöbelt hernach, auf sein Tun hingewiesen, in einer Manier, die an der Theke womöglich schon eine kleine handfeste Auseinandersetzung zur Folge hätte. Er zieht abenteuerliche Schlussfolgerungen aus meinem Beitrag, die mit dem Geschriebenen rein gar nichts zu tun haben. Klassische Fake News also. Nirgendwo steht etwas davon, wie ich terroristische Anschläge von Islamisten bewerte. Und der Kommunikationsking verwahrt sich dann dagegen, angeschrieben zu werden, obwohl er es doch war, der die Kommunikation gestiftet hatte. Zu guter Letzt blockiert der ungefragt Kommentierende seinen von ihm ausgesuchten Kommunikationspartner. Ein Lehrstück. Wie Kommunikation im sozialen Netzwerk verkommen kann.