Monat: Juni 2014

Auswechslung

Die wichtigste Auswechslung wäre heute Béla Réthy gewesen.

Betrug

Mexico scheint mir das bislang am meisten betrogene Land bei der WM zu sein. Heute an einer Robbenschwalbe gescheitert. Schade. Schande.

Salonfähig

Salonfähig, welch schönes Wort. Jemand ist tauglich, einen Salon zu besuchen, sich in der Gesellschaft sehen zu lassen. Sittsam ist der, dem man Salonfähigkeit attestiert, schicklich, gesellschaftsfähig, manierlich, respektabel. Nicht salonfähig sind die Schmuddelkinder, einst von Franz-Josef Degenhardt besungen. Sind, in der kommunalpolitischen Wirklichkeit, die AfD-Mitglieder im Stadtrat die Schmuddelkinder? Nicht salonfähig und auszugrenzen? Vom Ausgrenzen halte ich gar nichts. Es ignoriert, daß hinter den beiden AfD-Stadträten Wähler stehen, die in demokratischen Wahlen ihre Interessen am besten bei diesen Newcomern aufgehoben sahen. Man kann Wählergruppen nicht ausgrenzen. Und solange die Aktivitäten einer neuen Partei nicht ausdrücklich gegen den Kernbestand der Verfassung unserer Republik gerichtet sind, gehört sie auch zu den Parteien im Land, denen man nicht mit Ausgrenzung begegnen soll. Eine national-konservative Partei, europaskeptisch gewiß, rechtspopulistisch vermutlich auch, marktradikal ganz sicher, neoliberal und wohlstandschauvinistisch befindet sich durchaus noch im Rahmen dessen, was von den Gesetzen dieses Landes und seiner Verfassung gedeckt ist und als schutzwürdig angesehen werden kann. Man wird gewiß die eine oder andere Forderung und Parole der AfD für unappetitlich, für unanständig halten können. Die eine Funktionärin oder den anderen Oberhäuptling dieser Partei vielleicht auch. Soweit deren Laden aber die Grenzen der Gesetze nicht überschreitet, sondern bestenfalls die der Schicklichkeit, des Anstandes, solange werden wir mit Ausgrenzung der Partei und ihrer Funktionäre den Wählern nicht gerecht. Man muß ihre Thesen bekämpfen, aufweisen, daß ihre Hauptforderungen fremden- und minderheitenfeindlich sind,  ihr Familienbild von vorvorgestern ist, ihre ökonomischen Positionen die Interessen der Mehrheit in diesem Land verletzen, daß sie weit hinter dem Land herhinken und keineswegs moderne Antworten auf die Probleme des Landes und auch der Stadt haben. Der Unsinn ihrer Positionen muß öffentlich deutlich werden. Ein Dilemma ist, daß beispielsweise der Herr Stadtrat Andreas Müßener, so nennt er sich mittlerweile, von der AfD Stadtverordneter ist und zwar auch meiner. Nicht nur der seiner Wähler. Er ist unser aller Stadtrat. Obwohl er sich, dort, wo man es lesen kann, in zwei Facebookgruppen zur Wermelskirchener Kommunalpolitik vor allem, als ein junger Mann jenseits aller Manierlichkeit erweist, als selbstgefällig, selbstgerecht-überheblich, früher nannte man solche Schnösel, der Menschen, die anderer Auffassungen sind als er, in unhöflich-rüder Weise attackiert, belehrt, zensiert, zurechtweist, sogar Interpunktionsfehler zum Thema macht, kurzum: fast täglich zeigt, wie gering die Erfolge bürgerlicher Erziehung mitunter sein können. Sind die beiden Stadträte der AfD also salonfähig? Schicklich? Manierlich? Nein. Zumindest einer von Ihnen nicht. Der andere ist öffentlich noch so gut wie nicht in Erscheinung getreten. Zur Salonfähigkeit ist es noch ein gutes Stück Weg. Aber ausgrenzen? Aus politischen Gründen nicht. Und weil sich ein Stadtrat  dieser neuen Partei zumeist im Ton vergreift, an Selbstüberschätzung leidet, über keinerlei kritische Distanz zum eigenen Handeln verfügt? Nein. Erziehung geht eben manchmal fehl.

Zählgemeinschaft

Was verbirgt sich hinter dem selten gebrauchten Wort “Zählgemeinschaft”? Nach Wikipedia dient eine solche Gemeinschaft dazu, Stimmen zusammenzuführen. Stimmen von Parteien oder Fraktionen, im Stadtrat beispielsweise, werden durch diese Gemeinschaft, die Zählgemeinschaft, zusammengefaßt und ihr Gewicht , ihre Bedeutung wird vergrößert. Auf diese Weise kann eine Zählgemeinschaft Positionen, Pöstchen ergattern, zu denen einzelne Teile der Gemeinschaft aufgrund ihrer relativen Schwäche im Vergleich zu anderen Parteien nicht hätten kommen können. Eine Zählgemeinschaft führt nicht unbedingt zu einer Koalition. Aber sie ist eine Vorform der Zusammenarbeit. Sozusagen eine Absprache im Vorfeld dauerhafter Kooperation. Mindestens aber eine vertrauensbildende Maßnahme. Im Stadtrat in Wermelskirchen bilden CDU, das Bürgerforum, die Grünen und die SPD eine Zählgemeinschaft. Und man hört, daß WNK, FDP, AfD und der Bürgermeister eine eigene Zählgemeinschaft bilden werden. Für welches Pöstchen, für welchen Ausschußvorsitz auch immer. Das wäre an sich auch problemlos. Wenn nicht die WNK vor der Wahl erklärt hätte, daß es keine Zusammenarbeit mit der AfD geben werde. Eine Versicherung, die seinerzeit der stellvertretende Bürgermeister, Dirk Wartmann, öffentlich abgegeben hatte. Und eine solche Gemeinschaft wäre problemlos, wenn nicht die FDP in Person ihres aus Wermelskirchen stammenden Bundesvorsitzenden, Christian Lindner, ständig öffentlich vor einer Zusammenarbeit mit der AfD gewarnt hätte, mehr noch, diese Alternativpartei sogar für eine Reinkarnation der Republikaner hielte. Liberale in einem Boot mit Rechtspopulisten. Vor Tagen noch hätte man sich dies hier kaum wirklich vorstellen können. Die WNK sahen viele schon in dem Boot. Klar. Der Dauerflirt von Henning Rehse mit den ungehobelten Nachwuchspolitikdarstellern der Alternativen war ja kaum zu übersehen. Und, mit Verlaub: WNK ist Rehse. Er ist das Schwergewicht. Ein gestutztes Schwergewicht, eins auf politischer Diät, wohl wahr. Aber noch gewichtig genug. Gegen ihn kann noch niemand anstinken. Aber die Liberalen? Mir tun jene Leid, die geglaubt haben, was gesagt wurde: keine Zusammenarbeit mit der AfD. Jetzt werden schon einmal die Stimmen zusammengezählt. Irgend zwei Pöstchen werden schon rausspringen für Blaugelb und Blauwüstensandfarben. Nur: so einfach macht man die Zwei-Männlein-Fraktion der AfD nicht zu nützlichen Idioten. Auch eine Zählgmeinschaft hat ihren Preis. Wir werden es erfahren.

FIFA-Fußball

Italien gegen Uruguay, das ist richtiger FIFA-Fußball, schmutzig und schmierenkomödiantisch. Zweiundzwanzig, jetzt nur noch einundzwanzig Kicker treten nach allem und dem Ball, alle stürzen theatralisch und lamentieren, mehr als zwanzig Kicker leiden, viele von ihnen scheinen noch auf dem Platz sterben zu müssen, keiner dieser Treter hat jemals in seinem Leben auch nur ein einziges Foul begangen, italienische gegen uruguayische Chorknaben.

Blind

Da tritt der italienische Kicker Balotelli seinem Gegner aus Uruguay fast den Kopf ab und der Schiedsrichter zeigt dem Mittelstürmer nach einer Sekunde Bedenkzeit die Gelbe Karte. Und Béla Réthy, der Fernsehexperte,  behauptet noch während der Zeitlupe, nicht dieses Foulspiel, sondern eher die Summe der Nickligkeiten des Herrn Balotelli habe zu Gelb geführt. Schickt den Mann nach Hause. Der ist blind und schmerzfrei.

Null-Lyrik

“Ein Null-zu-Null, das sich wie ein Null-zu-Null anfühlt.

Sprachkunst von Béla Réthy, dargeboten heute während der ersten Halbzeit des Fußballspiels Belgien gegen Russland.

Dauertöner

Was kann man nur machen gegen die eifernden, ständig auf Hochtouren schwadronierenden Fernsehbegleiter der Fußballweltmeisterschaftsspiele? Gegen diese Dauertöner. Diese Allesbesprecher. Die dennoch nichts sehen und wenig verstehen. Die auch die dritte Zeitlupe noch falsch interpretieren. In beiden Systemen. Die Fans sind statt Experten. Jubeln statt erklären. Bangen statt analysieren. Keine Ruhe geben. Krawall schon für eine Botschaft halten. Was kann man nur machen?

Fußballweltmeisterschaft

Fußballweltmeisterschaft, pah. Die Schiedsrichter üben Betrug am Fair Play und zugunsten der Gastgeber und Favoriten. Immer noch. Die Moderatoren der beiden deutschen Sender schwadronieren gegen das selbständige Sehen, Denken und Werten der Zuschauer. Die Frisuren so mancher Kicker sind eine Attacke auf den guten Geschmack der Fans. Viele Tattoos auch. Die Blatters und Co. scheffeln Millionen und Millionen Brasilianer darben. Fußballweltmeisterschaften eben. “Ein jegliches hat eine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.” (Prediger, Kapitel drei, Vers eins)