Monat: Februar 2011

Epistel über die Falschheit

Verflucht sei jener erste Schuldbefleckte,
Der vormals arge Ränke spielen ließ,
Der in den Staub die hehre Wahrheit stieß
Und Falschheit mit der Tugend Firnis deckte!
(…)
Die Welt nahm sich den Frevler zum Exempel
Und ließ die Wahrheit ohne Kult und Tempel.
Seitdem war bei den Menschen nichts mehr echt:
Die Tugend ward dem Laster preisgegeben;
Der Lump verlangte Achtung wie ein Recht
und ließ zum “höhren Geist” sich frech erheben.
Freundschaft ward selten; Doppelzüngigkeit
Trug das Gewand treuherz’ger Biederkeit.
In dieser Maske, schwer erkenntlich, barg
Sich wie ein Freund der Schurke, der Verräter.
Und so nasführt die Welt ein Übeltäter
Und meint, sie hätte seines Truges kein Arg.
Mit Abgefeimtheit, wähnt er, werd’s ihm glücken,
Und sicher fühlt er sich durch seine Tücken …
(…)

(Im Mai 1740 verfasst von Friedrich, dem Großen. Im Februar 1750 umgearbeitet und in die “Oeuvres du philosophe du Sanssoussi” aufgenommen.)
271 Jahre alt und aktuell, oder?

Die einzig richtige Antwort

Prof. Oliver Lepsius ist Staatsrechtler an der Universität Bayreuth und Nachfolger auf dem Lehrstuhl von Peter Häberle, also des Doktorvaters unseres Verteidigungsministers. Und er gibt die einzig richtige Antwort in der Causa Guttenberg. Danke.

Prof. Oliver Lepsius auf You Tube

Liberaler Burka-Blödsinn

“Das Bezirksamt wird beauftragt sich bei den zuständigen Stellen dafür einzusetzen, dass Trägerinnen von Burkas (Ganzkörperverschleierungen) keinen Anspruch auf den Bezug von ALG II (auch Hartz IV genannt) erhalten.” Ich möchte das auch rauchen dürfen, was die FDP-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung in Berlin-Spandau genommen hat, um einen solchen Antrag zusammenzufabulieren.

Entpromovieren und Entschuldigen

Ein letztes noch. Und dann soll hier erst einmal Schluß sein mit dem anstandslosen Freiherrn. Dieser mißratene Adelssproß auf dem Verteidigungsministersessel kann sich nicht selber ent-promovieren. Das hat schon seine von ihm gesponsorte Universität machen müssen. Aber den Menschen im Land, denen diese Feinheiten nicht klar sein müssen, hat er mit dieser großspurigen, aber leeren und anmaßenden Geste Sand in die Augen gestreut. Und: Man kann sich auch nicht selbst ent-schuldigen. Man kann andere darum bitten, daß sie einen von Schuld, die man auf sich geladen hat, befreien, daß sie einem verzeihen. Aber der gegelte Adlige entschuldigt sich forsch und hoffärtig selbst, so wie er sich selbst entpromoviert hat. Ein Blender. Ein Sohn. Von bürgerlichen Tugenden, von Umgang, von Manieren, von bürgerlicher Moral nicht wirklich angekränkelt. Ein Adliger. Jemand, der glaubt, über anderen zu stehen, nur nach eigenen Regeln und Ordnungen leben und funktionieren zu dürfen. Spätestens seit 1919 ein Auslaufmodell.

Zum Mitraten:

Auf wessen Homepage sind die nachfolgenden Programmgrundsätze zu lesen:

  • “Politik braucht klare Werte, muß mutig und zukunftsorientiert handeln.”
  • “Verantwortung bedeutet vor allem Verpflichtung, Vertrauen und Gewissen.”
  • “Richtschnur meines Handelns war und ist Prinzipienfestigkeit und Grundsatztreue.”

a) Jürgen Trittin

b) Gregor Gysi

c) Karl-Theodor zu Guttenberg

d) Angela Mekel

e) Frank-Walter Steinmeier

Anne Will…

… kann aber nicht.

Nach Gutsherrenart

“Ich habe mich am Wochenende nochmals mit meiner Doktorarbeit beschäftigt, und es war richtig, dass ich gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht mehr führen werde.” Mit diesen Worten zitiert der Tagesspiegel heute Karl Theodor zu Guttenberg. Gestern noch waren alle Vorwürfe gegen ihn “absurd”. Gestern bestand er noch darauf, daß er seinen Doktor nach Prüfung durch die Uni später wieder führen werde. Peinlich und armselig, der gegelte Adelssproß. Ein Rückzug auf Raten, in adligen Dosen. Wer gibt eigentlich diesem Dünkel das Recht, nach Gutsherrenart über seinen Doktortitel zu entscheiden, nach Gutsherrenart mit Gesetzen und Promotionsordnungen umzuspringen? Niemand. Das ist nur ein angemaßtes Recht. Die Universität entscheidet. Nur die Universität. Einfach zurückgeben kann man einen solchen akademischen Grad nicht. Auch der Freiherr nicht. “Ich habe diese Arbeit selbst geschrieben. Ich stehe dazu, aber ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe”, so zitiert der Tagesspiegel zu Guttenberg weiter. Blödsinn? Nein, nein, lieber Freiherr. Blödsinn, so eine Art Dummer-Junge-Fehler, das lassen wir Ihnen nicht durchgehen. Das Ganze war ein schlichter Betrug. Ich will nicht von Leuten regiert werden, die glauben, sie stünden jenseits der Regeln, die für alle gelten, außerhalb der Gesetze. Ich will nicht von Leuten regiert werden, die die Ordnung nach Gutsherrenmanier außer Kraft setzen für den eigenen miesen Vorteil.

Die Lichtgestalt

Ehrlichkeit, Redlichkeit, Gesetzestreue – das sind doch wohl Postulate, die, nicht nur, aber auch, für Konservative Bedeutung haben, oder irre ich mich etwa? Dann aber kann ich nicht verstehen, wie öffentlich Partei ergriffen wird für den Bundesverteidigungsminister in seiner Plagiatsaffaire der letzten Tage. Wie man von einer Treibjagd auf zu Guttenberg sprechen kann. Wie man Betrug und geistigen Diebstahl als lässliche Sünde durchgehen lassen will, weil zu Guttenberg ansonsten ja eine Lichtgestalt sein soll. Zur Lichtgestalt schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung gestern: “Bildung hat für den Adel nie die überragende Rolle gespielt, die sie für das Bürgertum hatte. Wichtiger als die Aneignung von Wissen waren immer Haltung, Einsatz, Auftreten, Manieren. An Guttenberg lässt sich das gut erkennen. (…) Dennoch will Guttenberg den Anforderungen der bürgerlichen Leistungsgesellschaft genügen, sogar besonders gut dastehen. Dafür bläst er sein Curriculum Vitae gern etwas auf. In seinem tabellarischen Lebenslauf auf seiner Website führt er ‘berufliche Stationen in Frankfurt und New York’ an. In Wirklichkeit handelte es sich um mehrwöchige Praktika, die er als Student machte.” Haltung, Auftreten, Manieren. Also öffentliche Erscheinung. Zu Guttenberg besticht, nein: bestach durch Auftreten und Manieren. Wohl wahr. Die blendende Fassade aber hat tiefe Risse bekommen. Seine Doktorarbeit ist ein einziges Plagiat. Dabei hat er oder haben seine Ghostwriter nicht einmal davor zurückgeschreckt, aus einer Erstsemesterhausarbeit abzuschreiben, die Arbeit des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages ungekennzeichnet zu übernehmen, einen Bericht der US-Botschaft einzuarbeiten oder aus Zeitungsartikeln abzukupfern. Auf 271 Seiten seiner Arbeit finden sich Übernahmen aus fremden Arbeiten, ohne daß dies kenntlich gemacht worden wäre. Kurzum: Die Guttenbergsche Doktorarbeit ist im Ganzen eine flagrante Verletzung der Regeln wissenschaftlichen Arbeitens. Zu Guttenberg ist beim Versuch erwischt worden, sich einen Doktortitel auf unredliche Weise zu erschleichen. Das hat mit Haltung, mit Manieren, mit Noblesse, also edlem Handeln, nichts zu tun. Mit bürgerlicher Redlichkeit, mit Gesetzestreue, mit konservativer Wahrhaftigkeit, mit Ehrlichkeit ebensowenig. In dieser Affaire entpuppt sich Karl Theodor zu Guttenberg als bloßer Blender. Haltung, Auftreten und Manieren in Schönwetterzeiten. Und falsche Schneidigkeit, wenn er in die Bredouille gerät. Karl Theodor zu Guttenberg ist adligen Geblüts. Eine Lichtgestalt ist er nicht. Ein Vorbild nicht mehr. Doktor kann er nicht mehr bleiben. Und Minister nur, wenn man sich nicht mehr daran erinnern will, daß andere Minister vor ihm geringerer Gründe wegen zurückgetreten sind.

Vorbild Andreas Kasper

Der Name Andreas Kasper wird Ihnen nicht geläufig sein. Im Grunde ist er auch nicht wichtig. Andreas Kasper war einmal ein CDU-Shootingstar. Mit nur dreiunddreißig Jahren war er bereits Vorsitzender des Landesverbandes Lippe. Als Vorsitzender hieß er noch Dr. Andreas Kasper. Aber: in seiner Doktorarbeit zum Thema Sozialsponsoring hatte er, wie sich später herausstellte, aus fremden Quellen abgeschrieben und das nicht kenntlich gemacht. Eben so, wie ganz aktuell der Verteidigungsminister. 2009 wurde ihm von der Hochschule der Doktortitel aberkannt, mehr noch: die Staatsanwaltschaft verhängte eine Geldstrafe von 9.000 Euro, weil sie das öffentliche Interesse wegen des hohen Amtes von Kasper als gegeben ansah. Andreas Kasper ist kein Vorbild. Vorbildlich ist lediglich, wie Universität und Staatsanwaltschaft mit diesem Betrugsfall umgegangen sind. Da kann man nur hoffen, daß man sich in Bayreuth entsprechend verhalten wird.