Monat: Februar 2021

Wissenschaftlerinnen schaffen Wissen

Wie immer bei den eigentlich immer langweiliger werdenden Talkshows im TV: wie wohltuend unterscheiden sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftsjournalisten von auch den besseren Politikern, von den besser dauerkommunizierenden Ministern oder Parteipolitikerinnen, von den immer gleich Wissen simulierenden Moderatorinnen. Heute Abend Anne Will.

Der alte Wolfgang

Rasenmäher

Es ist Februar. Die ersten Rasenmäher kehren aus dem Süden zurück.

Tweet von Ein Pony vor zwei Tagen

Messi

Messi. Das ist kein Schimpfwort, für die, die internationaler Fußball nicht interessiert. Messi ist der argentinische Superstar vom FC Barcelona. Laut der spanischen Zeitung „El Mundo Deportivo“ soll dieser Messi zwischen Zweitausendundsiebzehn und Zweitausendeinundzwanzig Fünfhundertfünfundfünzig Millionen Zweihundertsiebenunddreißigtausend Sechsundertneunzehn Euro verdient haben. Das kann keiner, der in krankhaftem Übermaß mehr oder weniger wertlose Gegenstände in der eigenen Wohnung sammelt und unfähig ist, sich von diesen Gegenständen wieder zu trennen. Das kann nur Messi. Beide sind Zeichen einer kranken Gesellschaft.

Verweilverbot in leichter Sprache

Die Stadt Düsseldorf habe, so schreibt meine langjährige Freundin, Martina Helfer, für das kommende Wochenende für die Altstadt ein „Verweil-Verbot“ erlassen. „Verweil-Verbot? Verweilen – wer sagt das eigentlich noch? Goethe ist lange her…“ Verweile doch! Du bist so schön!, heißt es beim Altmeister, beim Sprachkünstler. Der Düsseldorfer Ordnungsdezernent ist sodann behilflich, indem er in leichter Sprache ganz unbürokratisch gleich hinterhersetzt: “Die Besucher müssen sich bewegen.” Bewegen. Verweilen ist nicht bewegen. Da steckt Weile drin, Dauer, Stille; verweilen ist nicht hastig, nicht schnell, sondern ruhig. Martina schreibt: „Kein Hinsetzen zum Picknick, kein einfach nur so Rumstehen. Bewegt euch! Günstigstenfalls schneller als das Virus.“

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Serverzusammenbruch

Was ist eigentlich los in einer Kirche, dem Erzbistum Köln, wenn die Server zusammenbrechen unter der Vielzahl derer, die den Versuch machen, aus der Katholischen Kirche auszutreten? Ein Erzbischof, der ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten über die Beteiligung und Schuld der Kirche im Zusammenhang mit sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen nicht veröffentlicht und stattdessen ein zweites Gutachten in Auftrag gibt, das indes das ursprüngliche Gutachten offenbar bestätigt, dieser Erzbischof lädt alle Schuld auf sich. Am Serverzusammenbruch und am Totalzusammenbruch katholischer Reputation in Köln und im ganzen Rheinland.

Der Bohnerblock

Den kennen heute nur noch wenige, den Bohnerblock oder Bohnerbesen. Man findet auch noch die Bezeichnungen Bohnerblocker, Bohnerkeule, Blocker, Blogger (!) oder Blocher, regional auch Bohner, auf sächsisch auch Bloggerkeule(!). Nein, nein, mit Bloggen im heutigen Sinn hat das alles nichts zu tun. Wir reden über die Bodenpflege. Jedenfalls für Holzböden oder solche aus Linoleum. In den fünfziger und sechziger Jahren war es üblich, solche Böden nach der Reinigung mit Bohnerwachs einzureiben und dann mit einem solchen Bohnerblock, einem Block aus Gusseisen und Bürsten an der Unterseite, auf Hochglanz zu wienern. Solch ein Bohnerblock war bis zu zehn Kilo schwer. Die Mutter wuchtete das schwere Gerät, mit einem Kugelgelenk an einem Besenstiel befestigt, hin und her. Und für uns Kinder war es ein Vergnügen, auf diesem Bohnerblock mitzufahren. Das Kindergewicht sorgte für noch schöneren Glanz. Damals machten wir uns keine Gedanken. Heute staune ist über die Kraft der Mütter bei dieser allwöchentlich-schweißtreibenden Bodenmassage. Bohnerwachs. Der Geruch ist noch in meiner Nase. Obwohl mir doch seit mindestens sechzig Jahren keine geöffnete Bohnerwachsdose mehr untergekommen ist. Die Kindheit prägt.

Beitragsfoto: Alter gebrauchter Bohnerbesen © StromBer (CC BY-SA 3.0)

Kommunikation in sozialen Netzwerken. Ein Lehrstück oder Wie verpeilt darf man sich eigentlich in Foren herumtreiben?

Ich habe einen Beitrag im Forum Wermelskirchen über die Attentate von Hanau geschrieben und ihn auf meiner Facebookseite verlinkt. Am kommenden Freitag jährt sich die Mordtat gegen neun Hanauer Bürger mit Migrationshintergrund zum ersten Mal. Der Täter hat das Attentat aus rassistischen Motiven verübt und dabei neben den Todesopfern auch weitere Menschen teils erheblich verletzt. Seine rassistischen Motive und seine rechtsextremistische Gesinnung hat er in einer Art Manifest im Internet dargelegt.

Auf der Facebookseite hat dann ein Facebooknutzer, mit dem ich keine Verbindung unterhalte, einen Hinweis auf islamistische Gewalttaten als Kommentar gepostet. Diesen Kommentar habe ich entfernt. Noch zweimal hat sich dieser Vorgang wiederholt: Herr G. Ließ es sich nicht nehmen, seinen Hinweis erneut zu posten. 

Dann habe ich den Kommentator angeschrieben:

Lieber Herr G., 

rechtsextremistische Gewalttaten kann man nicht mit dem Verweis auf andere Gewalt relativieren. Unterlassen Sie bitte deshalb die Kommentierung. Ich möchte Sie eigentlich nicht blockieren. Unterlassen Sie bitte einfach, was ich auf meiner Seite nicht zulasse.

Wir können gerne miteinander sprechen und unsere Differenzen kenntlich machen. 

Vielen Dank

Wolfgang Horn

Dann kam folgende Antwort (Original samt eigenwilliger Orthographie und Interpunktion sowie mißratener Syntax):

Guten Morgen Herr Horn, ich habe kein Interesse mit ihnen zu kommunizieren! Sie könnten allerdings zur Abwechslung mal an die Zahlreichen terroristischen Anschläge von Islamisten erinnern! Diese erachten sie ja offensichtlich als weniger erwähnenswert, oder relativieren diese! Bevor sie jetzt ihre gewohnte AFD Keule schwingen….. NEIN, ich tendiere weder zu dieser, noch zu einer anderen Partei!!!! Ich halte die Waage nur gerne waagerecht! Bitte verschonen sie mich zukünftig privat anzuschreiben…..!!!!

Und schließlich hat Herr G. mich auf Facebook blockiert. Ich bedaure das nicht. Ich weiß von Herrn G. nichts, ich kenne ihn nicht und hatte bislang in meinem Leben noch nichts mit ihm zu tun.

Da will einer nicht kommunizieren, offenbar nicht wissend, daß sein Kommentar schon eine Form der Kommunikation ist. Da kommuniziert also jemand ungefragt, zudem mit einem vollkommen sachfremden Beitrag, und pöbelt hernach, auf sein Tun hingewiesen, in einer Manier, die an der Theke womöglich schon eine kleine handfeste Auseinandersetzung zur Folge hätte. Er zieht abenteuerliche Schlussfolgerungen aus meinem Beitrag, die mit dem Geschriebenen rein gar nichts zu tun haben. Klassische Fake News also. Nirgendwo steht etwas davon, wie ich terroristische Anschläge von Islamisten bewerte. Und der Kommunikationsking verwahrt sich dann dagegen, angeschrieben zu werden, obwohl er es doch war, der die Kommunikation gestiftet hatte. Zu guter Letzt blockiert der ungefragt Kommentierende seinen von ihm ausgesuchten Kommunikationspartner. Ein Lehrstück. Wie Kommunikation im sozialen Netzwerk verkommen kann.

Aschermittwoch. Was von der Session bleibt.

Es ist soweit: Am Aschermittwoch ist alles vorbei, die Schwüre von Treue, sie brechen entzwei, von all deinen Küssen darf ich nichts mehr wissen. Wie schön es auch sei, dann ist alles vorbei. Heute. Alles vorbei. Die stillste Session ist zu Ende. Ein Karnevalszeit ohne Bützjer, ohne Kamelle, ohne Umzüge, ohne ausgedehnte Exkursionen an die schönsten Theken der Stadt, ohne trunkene Umarmungen, ohne nüchterne Nähe. Ohne Nähe. Ohne Küsse. Dafür Abstand, Mundschutz, Desinfektion. Viren und Mutanten statt Lappenclown und tollen Tanten. Keine Polizisten mit Strüssjer am Revers. Von wegen Küsse, von denen man nichts mehr wissen darf. Jeder darf es wissen. Karneval war Karneval ohne jeden Kuß. Einmalig. Hoffentlich. Gleichwohl fürchte ich, daß die närrische Zeit noch nicht vorüber ist. Die Pandemie hält an. Und die Kostümierung ebenfalls. Wieviele sind noch als Mediziner unterwegs, als Virologinnen, als Epidemiologen, als Wissenschaftler, Besserwisser? Zu viele. Für eine nüchterne Zeit eine ernüchternd große Zahl. Sie singen nicht, sie raunen. Alle machten alles falsch, die da oben, die Eliten, die Kanzlerin, wer auch immer. Statt heimattümelnd-kölschklingender Gesänge hört man allenthalben die Ausschlußsirenen. Die da gehören hier nicht hin. Die Fremden, die anderen. Wie närrisch. Drink doch eine mit, och wenn de anders bess als mir. Dat es Fastelovend. Statt höherem Blödsinn hören und lesen wir Verschwörungsdreck, menschenfeindlichen Stuss. Coronaleugner und Impfgegner mutieren zur ahnungslosen Vorhut rechtsextremistischer Strategen. Was für eine Tollheit. Was für eine närrische Gesellschaft. Die Session ist vorbei. Aber der Spuk ist es noch nicht. Erst, wenn Fakten wieder gelten, Rationalität statt Geschwurbel, wenn Humanität und Solidarität völkisch-nationalistische Sektiererei und Rassismus in die Schranken weisen, wenn Demokratie und Rechtsstaat gesichert sind, ist die Narretei der Gestrigen, der Populisten und Rassisten auch beendet. Dann können wir wieder fröhlich Karneval feiern, Blödsinn verzapfen, trinken und tanzen, küssen und singen, schunkeln, winken. Bis Aschermittwoch. Bis heute.