Monat: Januar 2022

Wir sind Papst?

Wie war das noch, vor siebzehn Jahren? Wir sind Papst. Ach Gottchen. Kein Wort davon war damals wahr und heute, ganz aktuell möchte niemand auch nur einen Mucks davon hören. Papst. Um Gottes Willen. Der Stellvertreter, der Ex-Stellverteter auf Erden ist offenbar derart was von schuldig in Sachen Vertuschung von sexueller Gewalt an Kindern durch Kirchenpersonal, daß niemand auch nur einen Pfifferling auf diese Kirche gibt. Bevor es nicht ein eindeutiges Schuldbekenntnis gibt, bevor nicht die weltliche Gerichtsbarkeit den Kindesmißbrauchssumpf der Katholiken austrocknet, bevor diese Kirche nicht in der Gegenwart ankommt, in einer Gesellschaft der Gleichberechtigung von Frau und Mann, in einem Land, in dem Kinder geschützt sind und ihre Rechte gewahrt bleiben, in einem Land, in dem die Liebe und nicht des Gesetz oder das Kirchenrecht bestimmt, wen man lieben und heiraten, mit wem man zusammenleben und daß man Kinder adoptieren darf, bevor die Kirche nicht historischen Ballast abwirft und sich eine aufgeklärte Gegenwart gibt, hat sie keine Zukunft mehr. So, wie sie ist, will sie niemand mehr haben. Sie ist allenfalls eine schlimme Belastung, selbst für die gläubigsten Katholiken.

“Wonneort aller Jugend” – Schule in der Pandemie

In den Schulen sind zwar immer noch nicht flächendeckend Luftfilter eingebaut worden – die S3-Leitlinie ( “Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen” ), die eigentlich für Infektionsschutz in den Schulen ausgearbeitet wurde, wird auch kaum umgesetzt. Aber der Präsenzunterricht wird als so wichtig eingestuft, teilweise völlig abstrus zum Wonneort aller Jugend verklärt, dass jeder Mangel an Sicherheit oder Unterrichtsqualität mit Hinweis auf die Vorteile der Präsenz wegargumentiert wird. Das Problem an der Sache? Da, wo nur Präsenzunterricht verlangt wird, da ist die Not auch nicht mehr groß, digitale Formate für den Unterricht weiter voranzubringen. Da ist digital unterstützter (Distanz)unterricht schlicht nicht mehr notwendig. (…) Blickt man zu den Schulen, dann haben sich tatsächlich mehr digitale Tools für die Schulorganisation etabliert. Die Kommunikation zwischen Elternhaus und Sekretariat verlagert sich nun eher mehr auf Mails als Papierhandreichungen. Die Lernplattformen werden regelmäßiger genutzt, um zumindest kurzzeitig erkrankten Kindern Aufgaben zukommen zu lassen. Schön. (…) Aber der Einsatz von Technik im Unterricht, die Einbeziehung digitaler Mittel in den Unterricht ist – wie vor der Pandemie – wieder nur dort zu finden, wo Lehrkräfte ohnehin eine Affinität zu digitalen Lösungen zeigten. Und alles, was für den digitalen Distanzunterricht auch von einer breiteren Kollegenschaft erlernt werden musste, liegt jetzt wieder größtenteils brach. Was nicht geübt wird, das kann auch nicht gelernt werden, heißt es häufig genug im Schulunterricht. Deshalb lautet meine These: Was von Kultusminister:innen nur als Werkzeug für den absoluten Katastrophenfall eingestuft wird, wird auch erst dann aus dem Schrank geholt, wenn nichts anderes mehr geht. Nun mag man einwenden, dass der digital unterstützte Distanzunterricht aus den ersten Corona-Monaten für den Schulalltag ohne Pandemie ja generell nicht erstrebenswert sei, weil er kaum ausgereift war; eben aus der Not geboren. Aber das ist ein sehr dünnes Argument, da man ausklammert, welche Fähigkeiten und Erfahrungen auch in der Not erworben werden und wie diese weiterentwickelt werden können. Schule wurde im ersten Corona-Lockdown zum Versuchslabor, es lief nicht immer alles gut oder glatt, aber Schule entwickelte sich weiter. Aber so, wie Kultusminister:innen in den vergangenen Monaten für den Präsenzunterricht und eine Rückkehr zur Vor-Corona-Normalität argumentiert haben, ist der Druck zum Weiterentwickeln aus dem System entwichen. Man setzt das Zeichen: Alles ist gut, denn alles klappt wieder wie vorher. Wir haben definiert, was das Beste ist, und das ist: Präsenzunterricht, wie (stets) gehabt. Das impliziert keinen Druck zur Veränderung. Da ist keine Not mehr zur Veränderung spürbar. Und wenn es nun weitergeht mit der Digitalisierung der Schulen, dann läuft das wohl auch eher “wie gehabt” und nicht wie eigentlich gewünscht. Es entsteht der Eindruck: Wir machen das jetzt wieder mit deutscher Wohlfühlgeschwindigkeit. (…) Die Digitalisierung der Schulen ist kein “Nice to have” oder ein grobes Werkzeug für den Notfall, sondern ein “Must have” – damit Schüler und Schülerinnen Kompetenzen erlangen, die sie für ihr Leben in einer digitalisierten Welt benötigen und auch Teilhabe für die Menschen möglich ist, für die Präsenzunterricht eine zu große Hürde oder gesundheitliche Gefahr darstellt.

Kristina Beer, Kommentar: Digitalisierung der Schulen – war da was?, in: Heise

Und wer sieht jetzt fern?

Dummheit konnte sie schwer ertragen, Zumutungen gar nicht. Vieles, was die Öffentlich-Rechtlichen ihrer Kundschaft vorsetzen zu dürfen glauben, brachte die Sozialliberale mit SPD-Parteibuch auf die Palme. Das war kein bildungsbürgerlicher Dünkel, denn gegen gut gemachte Unterhaltung hatte Ponkie nichts. Es war die Erfahrung, die sie als Kritikerin machen musste: Bis in die siebziger Jahre sei Fernsehen ganz in Ordnung gewesen, hat sie einmal befunden, danach gewannen ‘Unterhaltungsschrott’ Talk-Show-Wiederkäuen, Traumstadl und Musikantenschiffe überhand. Privatsender ließ sie meist links liegen.

Hannes Hintermeier, ZUM TOD VON PONKIE: Und wer sieht jetzt fern?, in: FAZ

Beitragsfoto © Harald Bischoff

Die Abwesenheit von Wahrheit

Nicht der Mangel an Freiheit ist heute das dringende Problem, sondern die Abwesenheit von Wahrheit. Wir erkennen heute, dass die Wahrheit in der gegenwärtigen Gesellschaft das grundlegende philosophische Problem ist. Wir können nicht wirklich frei sein, wenn wir nicht über wahre Informationen verfügen.

Michel Serres, Zweitausendundneunzehn verstorbener französischer Philosoph in einem Interview mit der taz über die Moral: „Auf wahre Information kommt es an.“, in: taz vom Zweiten Januar Neunzehnhunderzweiundzwanzig