Kategorie: Gesellschaft

Impf-Porn

Eine Zeit lang war es üblich, in die sozialen Echokammern Bilder zu posten von dem, was man gekocht hatte oder im Restaurant zu verspeisen beabsichtigte. Das scheint ein wenig aus der Mode gekommen zu sein. Stattdessen gibt es nunmehr den neuen Haupttrend mit der jeweiligen Information, daß die persönliche Freiheit wieder beginne, weil man eine oder bereits beide Coronaimpfungen ergattern konnte. Beim lecker zubereiteten Essen habe ich den Trend seinerzeit verpaßt. Deswegen jetzt die Information, daß ich gestern von meinem Hausarzt gegen Covid-19 geimpft worden bin. Die ganzen anderen Impfungen haben mein ganzes Leben lang niemanden aus meinem Umfeld interessiert. Pocken, Kinderlähmung, Grippeschutz, Pneumokokken, Malaria, Gelbfieber, Masern und was es noch so alles gab, an das mich mich kaum mehr erinnern kann. Nun auch Corona, die Erste. In sechs Wochen etwa folgt die zweite Impfung. Aber: weder jetzt, noch dann beginnt die Freiheit wieder. Sie war nämlich nicht weg. Was wir alle miteinander erleben, sind gemeinschaftliche Maßnahmen zum gesundheitlichen Schutz gefährdeter Menschen. Damit sind, natürlich, verbunden Kontaktreduzierungen, Einschränkungen bzw. sogar Stilllegungen von kulturellen oder Sport-Ereignissen, weil dort viele Menschen zusammenkämen, Treffen in Cafés oder Lokalen, die Verwendung von Schutzmasken, die Einhaltung von Abstandsregeln und Hygieneempfehlungen. Das alles dient dem Schutz der Gemeinschaft und der einzelnen Menschen, das Ziel ist eine profunde Eindämmung des Infektionsgeschehens. Ja, wir können uns derzeit nicht so bewegen, wie wir das einst konnten, können nicht alles unternehmen, wonach uns der Sinn steht. Weil wir Menschen sind, weil wir verantwortlich zu handeln gelernt haben, weil wir Schwache schützen und Kranken helfen. Weil uns Menschlichkeit auszeichnet. Ich bin sehr froh, wenn uns das alles gelingen sollte. Dann werden die Einschränkungen fallen und in diesem Sinn alle Freiheiten wieder auslebbar sein. Solange werde ich ohne oder mit Impfung die Masken tragen, Abstand wahren, Hygiene einhalten, Innenräume lüften, auf große und kleine Treffen mit Menschen drinnen oder draußen verzichten. Weil das meine Freiheit ist, als Mensch zu handeln und das Wohlergehen meiner Nächsten so zu achten wie das meinige auch.

Die Pissoirfliege

Ganz ehrlich: Ich bin noch nie von Amsterdam aus gestartet oder dort gelandet, auf dem weltberühmten Flughafen Schipohl. Aus eigener Anschauung kenne ich sie also nicht, die Pissoirfliege in Schiphol. Ich muß mithin aus zweiter Hand berichten, wenn man das beim Thema „Zielen beim Pissen“ überhaupt so sagen kann, zweite Hand. Vom männlichen Pinkler, jedenfalls vom Stehpinkler, wissen wir ja, daß er undiszipliniert jederzeit und überall überall hin uriniert. Die tollen Tage im Rheinland bieten zahllose Belege. Und er hat, so die Legende, dem Amsterdamer Flughafen durch ziellos-irrlichternden Strahl derart hohe Reinigungskosten beschert, daß der Flughafenmanager Aad Kieboom zur List mit der Fliege griff. Er ließ in die Pissoirs Fliegenbilder aufkleben und schon war die ballistische Lust geweckt. Gepißt wurde fortan weniger auf den Boden oder neben das Wandbecken, sondern die Pissoirfliege sollte im Strahl erlegt werden. Der archaische Jäger im Pinkler wurde wiederbelebt, um Kosten zu senken. Ist das nun ein Beispiel für eine sinnvolle Verhaltenssteuerung oder eher für die Durchökonomisierung auch des letzten Intimbereichs des Männlichen? Jedenfalls konnte das Flughafenmanagement durch dieses Nudging genannte Verfahren vier Fünftel seiner Herrentoilettenreinigungskosten einsparen. Die Rundumpinkler erhielten einen kleinen Anstoß, einen Schubser, nicht die Belehrung etwa durch ein Warnschild an der Wand, und schon wurden sie zum Ziel-Pisser. Wir sind vom Krokodil noch nicht sehr weit entfernt.

Wissenschaftlerinnen schaffen Wissen

Wie immer bei den eigentlich immer langweiliger werdenden Talkshows im TV: wie wohltuend unterscheiden sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftsjournalisten von auch den besseren Politikern, von den besser dauerkommunizierenden Ministern oder Parteipolitikerinnen, von den immer gleich Wissen simulierenden Moderatorinnen. Heute Abend Anne Will.

Messi

Messi. Das ist kein Schimpfwort, für die, die internationaler Fußball nicht interessiert. Messi ist der argentinische Superstar vom FC Barcelona. Laut der spanischen Zeitung „El Mundo Deportivo“ soll dieser Messi zwischen Zweitausendundsiebzehn und Zweitausendeinundzwanzig Fünfhundertfünfundfünzig Millionen Zweihundertsiebenunddreißigtausend Sechsundertneunzehn Euro verdient haben. Das kann keiner, der in krankhaftem Übermaß mehr oder weniger wertlose Gegenstände in der eigenen Wohnung sammelt und unfähig ist, sich von diesen Gegenständen wieder zu trennen. Das kann nur Messi. Beide sind Zeichen einer kranken Gesellschaft.

Serverzusammenbruch

Was ist eigentlich los in einer Kirche, dem Erzbistum Köln, wenn die Server zusammenbrechen unter der Vielzahl derer, die den Versuch machen, aus der Katholischen Kirche auszutreten? Ein Erzbischof, der ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten über die Beteiligung und Schuld der Kirche im Zusammenhang mit sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen nicht veröffentlicht und stattdessen ein zweites Gutachten in Auftrag gibt, das indes das ursprüngliche Gutachten offenbar bestätigt, dieser Erzbischof lädt alle Schuld auf sich. Am Serverzusammenbruch und am Totalzusammenbruch katholischer Reputation in Köln und im ganzen Rheinland.

Aschermittwoch. Was von der Session bleibt.

Es ist soweit: Am Aschermittwoch ist alles vorbei, die Schwüre von Treue, sie brechen entzwei, von all deinen Küssen darf ich nichts mehr wissen. Wie schön es auch sei, dann ist alles vorbei. Heute. Alles vorbei. Die stillste Session ist zu Ende. Ein Karnevalszeit ohne Bützjer, ohne Kamelle, ohne Umzüge, ohne ausgedehnte Exkursionen an die schönsten Theken der Stadt, ohne trunkene Umarmungen, ohne nüchterne Nähe. Ohne Nähe. Ohne Küsse. Dafür Abstand, Mundschutz, Desinfektion. Viren und Mutanten statt Lappenclown und tollen Tanten. Keine Polizisten mit Strüssjer am Revers. Von wegen Küsse, von denen man nichts mehr wissen darf. Jeder darf es wissen. Karneval war Karneval ohne jeden Kuß. Einmalig. Hoffentlich. Gleichwohl fürchte ich, daß die närrische Zeit noch nicht vorüber ist. Die Pandemie hält an. Und die Kostümierung ebenfalls. Wieviele sind noch als Mediziner unterwegs, als Virologinnen, als Epidemiologen, als Wissenschaftler, Besserwisser? Zu viele. Für eine nüchterne Zeit eine ernüchternd große Zahl. Sie singen nicht, sie raunen. Alle machten alles falsch, die da oben, die Eliten, die Kanzlerin, wer auch immer. Statt heimattümelnd-kölschklingender Gesänge hört man allenthalben die Ausschlußsirenen. Die da gehören hier nicht hin. Die Fremden, die anderen. Wie närrisch. Drink doch eine mit, och wenn de anders bess als mir. Dat es Fastelovend. Statt höherem Blödsinn hören und lesen wir Verschwörungsdreck, menschenfeindlichen Stuss. Coronaleugner und Impfgegner mutieren zur ahnungslosen Vorhut rechtsextremistischer Strategen. Was für eine Tollheit. Was für eine närrische Gesellschaft. Die Session ist vorbei. Aber der Spuk ist es noch nicht. Erst, wenn Fakten wieder gelten, Rationalität statt Geschwurbel, wenn Humanität und Solidarität völkisch-nationalistische Sektiererei und Rassismus in die Schranken weisen, wenn Demokratie und Rechtsstaat gesichert sind, ist die Narretei der Gestrigen, der Populisten und Rassisten auch beendet. Dann können wir wieder fröhlich Karneval feiern, Blödsinn verzapfen, trinken und tanzen, küssen und singen, schunkeln, winken. Bis Aschermittwoch. Bis heute.

Flick-Schuster bleib bei Deinem Leisten

Hans-Dieter Flick. Doch, kennen Sie, das ist der nette Hansi, Trainer vom FC Bayern München, der so viel freundlicher ist als seine Chefs, die Rummenigges oder Hoeneß’, der stets so verbindlich ist, ruhig, souverän. Papperlapapp. Ist er gar nicht. Nach Kritik an seinem Club wegen der Reise nach Katar keilte er in Rummeniggemanier aus: „Der Herr Lauterbach hat immer einen Kommentar abzugeben“, so Flick und bezeichnete den Mediziner und Bundestagsabgeordneten als „sogenannte Experten. Ich finde sowieso, in der Diskussion mit Corona: So langsam kann man die sogenannten Experten gar nicht mehr hören. Auch Herr Lauterbach, er hat immer zu allem was zu sagen“, so Corona-Experte Flick, der es sich ebenfalls nicht nehmen läßt, zu allem was zu sagen. Tja. Wie war darauf in den sozialen Medien zu lesen? Twitter: „Ein Fußball-Trainer, dessen Tätigkeit und Privilegien unter Verhöhnung der restlichen Gesellschaft geschützt werden, fordert ‚Möchtegern-Experten‘ zum Schweigen auf. Das ist tatsächlich ein neuer Niveau-Tiefpunkt.“ Eine bekannte Bloggerin schrieb, ebenfalls bei Twitter: „Nur mal so zu Erinnerung: Flick ist Bankkaufmann. Lauterbach hat Medizin studiert und in Harvard Epidemiologie.“ Von „gepamperten“ Fußballern war die Rede. Fair geht vor, so heißt es doch bei den Fußballern, oder? Die bayerische Fußball-Weltelf jettet wegen eines vollkommen unbedeutenden Pokals durch die Welt, muß sich nicht um die alle anderen Bürger betreffenden Regeln kümmern und schurigelt jene, die vorsichtig Kritik üben. Die Welt muß vom Kopf auf die Füße gestellt werden, alsbald.

Homeschunkeling

Ob uns am heutigen Rosenmontag Homeschunkeling in Fasteloovendsstimmung versetzen kann? Ich denke nicht. Ohne Minsche, Musik, Kneipe, Kölsch un Kamelle jeiht dat nit.

Biko

You can blow out a candle, but you can’t blow out a fire. Once the flames begin to catch, the wind will blow it higher.” – Peter Gabriel, Biko

In honor of Black History Month, we are proud to bring the message of Peter Gabriel’s “Biko” back to the forefront, 40 years after its initial release. Inspired by the death of anti-apartheid activist Steve Biko while in police custody, this song’s relevance still holds true with the unfortunate police brutality that continues to take place in the USA, Nigeria and many places around the world. More than 25 musicians from seven countries join Gabriel for this global rendition to share a message of unity, peace, and hope, including Beninese vocalist and activist Angélique Kidjo, Silkroad’s Yo-Yo Ma, and bass legend Meshell Ndegeocello.

The eyes of the world are watching… Let each of us lead with love and let that love ripple throughout the universe.