Monat: November 2015

ARD

Sie (die ARD, W.H.) muss aber endlich lernen, dass sie ihrem Publikum Transparenz und Mitsprache schuldig ist – nicht nur beim ESC, auch bei Moderatorengehältern, Sportrechten und Bilanzen. Die ARD ist kein vordemokratisches Königtum, in dem Majestäten einsame Entscheidungen fällen.

Claudia Tieschky, Song Contest. Ihre Majestät, die ARD, in: Süddeutsche Zeitung vom dreiundzwanzigsten November Zweitausendundfünfzehn

Unausweichlich

Das ist so ein richtiger Innenministersatz. “Wir dürfen uns nicht dümmer stellen, als es unausweichlich ist.” Nein, nein, nicht Thomas de Maizière. Diesmal nicht. Diesmal ist es Joachim Herrmann. Bayerischer Innenminister. CSU, natürlich. Unausweichlich.

Küchenwandpoesie

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Deutscher Sonntag

Wenn die Bratendüfte wehen
Jungfrau’n den Kaplan umstehen,
der so nette Witzchen macht,
und wenn es dann so harmlos lacht.
Wenn auf allen Fensterbänken 
Pudding dampft 
und aus den Schänken
 tönt das Lied vom Wiesengrund 
und dass am Bach ein Birklein stund. 
Alle Glocken läuten mit 
die ganze Stadt kriegt Appetit 
das ist dann genau die Zeit 
da frier’ ich vor Gemütlichkeit.

Franz Josef Degenhart, Deutscher Sonntag

Singular

Was es braucht als zivilgesellschaftliche Reaktion, ist stattdessen ein Plädoyer für den Singular, für das abweichende Individuelle, das einzigartige, zarte Subjektive, nicht zuletzt, weil es das ist, was dem terroristischen Wahn am meisten widerspricht. Es braucht ein Europa, das sich nicht aufspaltet in Muslime und Nicht-Muslime, sondern eines, das sich auffächert in eine unüberschaubare Vielfalt an einzigartigen, eben singulären Wesen mit einer unüberschaubaren Vielfalt an Eigenschaften jenseits von Herkunft und Glauben. Singuläre Individuen, die auf ihre je eigene Weise glauben, lieben, trauern; die furchtlos oder furchtsam weiterleben, die zustimmen oder widersprechen, und die sich nicht um jeden undemokratischen Preis wappnen wollen, weil eine dünne Haut vielleicht nicht schützt, aber auch nicht unempfindlich macht. Das Singuläre ist keineswegs einfach bloß das egoistisch Einzelne, es beinhaltet und bedingt das Mit- und Füreinander. Das Individuelle, von dem hier die Rede ist, lebt nicht einfach bloß isoliert oder asozial, es sieht sich immer schon anderen Individuen gegenüber, an denen die eigenen Perspektiven und Wünsche sich brechen oder spiegeln. “Das Singuläre ist von vornherein jeder Einzelne, folglich jeder mit und unter allen anderen”, schreibt der französische Philosoph Jean-Luc Nancy in “Singulär plural sein”. Also: “Das Singuläre ist ein Plural.” Nur wenn dieses vielfältige Singuläre geschützt und gefördert wird, kann ein Miteinander gelingen. Nur wenn nach wie vor jede Form des individuellen Einspruchs und Zweifels nicht nur gestattet, sondern erwünscht ist, ohne gleich der Verharmlosung von Terrorismus bezichtigt zu werden, kann die offene, plurale Gesellschaft geschützt werden. Und zu guter Letzt: Nur wenn das reflexhafte Einfordern von kollektiver Einigkeit wieder abebbt, werden auch jene Jugendlichen wieder als einzigartige Individuen wahrnehmbar, die sich womöglich noch ansprechen und abbringen lassen von der manipulativen Einladung der Dschihadisten, die Anerkennung und Sinn versprechen, wo nur Tod und Zerstörung warten. Auch sie können und müssen zu jenem singulären Plural gehören, der Europa ausmacht.

Carolin Emcke, Singular, in: Süddeutsche Zeitung vom einundzwanzigsten November Zweitausendundfünfzehn

Mal wieder: Fernsehtag

Welttag des Fernsehens. Schon wieder. Vor sechs Jahren schon habe ich mich dazu ausgelassen. Die Zahlen haben sich nicht wesentlich geändert. Deshalb heute keine Zahlen. Nur Bilder. Von Fernsehgeräten. Von formschönen Fernsehgeräten.

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Von den Grenzen des Politikergedächtnisses

Selbst schärfste Kontrollen und CSU-Parteitagsbeschlüsse, die den Zuzug begrenzen wollen, können Menschen in Not nicht daran hindern, Grenzen zu überschreiten. Das Gedächtnis manches Politikers ist überraschend kurz. Die innendeutsche Grenze war mit Stacheldraht, Todesstreifen und Schießanlagen befestigt und von vielen Soldaten bewacht. Dennoch gelang es immer wieder, sie zu überwinden – von beiden Seiten aus, auch unbemerkt.

Ulrich Horn, CSU: Staatskunst auf dem Tiefpunkt, in: post-von-Horn.de

Lügenpresseausweis

Muhaha. Lutz Bachmann, ja, genau der, der Brunnenvergifter der Pegida-World in Dresden, bekommt demnächst keinen Presseausweis mehr. Er, der die Medien unablässig als Lügenpresse denunziert, weist sich bislang als Fotojournalist aus. Mit einem Ausweis der Lügenpresse. Wie die Sächsische Zeitung meldet, hat der Deutsche Foto-Journalisten Verband (DFJ) (…) per einstimmigem Vorstandsbeschluss eine weitere Ausstellung des Ausweises kürzlich abgelehnt. Bachmann hatte sich am Landgericht in Dresden per Presseausweis ausgewiesen und so die übliche Personenkontrolle umgangen.

Drecksplakate

Unanständig. Die hiesige AfD ist ebenso unanständig wie die alternativen Herrschaften im Landesverband. An einer Dreckswand des ehemaligen Schleckergeländes in Dabringhausen haben sie Großplakate anbringen lassen. In der Nähe der Mehrzweckhalle, in der Flüchtlinge untergebracht werden müssen. Drecksplakate an einer Dreckswand.  Mit Dreck Drecksstimmung machen wollen. Schlecker ist schon pleite.12243707_10205324487411750_846391174_n