Monat: Februar 2017

Trutschig-traurig-tantenhaft

Euer trutschig-trauriger tantenhafter Zug wird zurecht von einem hauptberuflichen Beerdigungsunternehmer angeführt, weil er nämlich todlangweilig ist.

Ulli Tückmantel, Wie weit zu weit geht lustig?, Kommentar im Remscheider Generalanzeiger (Westdeutsche Zeitung) vom achtundzwanzigsten Februar Zweitausendsiebzehn zum Kölner Karnevalszug

Fieber

„Wer leben will, muß das Fieber riskieren.“

Friedrich Hebbel, Tagebücher (Achtzehnhundertsechzig)

Sugarman

Christoph Schulte sei Dank, dem Drittel von Sundown Acoustic Trio. Er hat am Freitag Abend im Bistro der Kattwinkelschen Fabrik als Anmoderation für das Stück “Sugarman” kurz die Geschichte von Sixto Díaz Rodríguez erzählt, einem amerikanischen Folk-Singer-Songwriter. Eine Randnotiz der Musikgeschichte zwar, aber eine Parabel über Ruhm und Vergänglichkeit. Rodríguez, Sohn mexikanischer Einwanderer, verdiente seinen Lebensunterhalt mit Auftritten in Kneipen. In den sechziger Jahren nahm er ein Folk-Album mit selbst geschriebenen Songs auf, Cold Fact. Trotz der positiven Kritiken ein kommerzieller Flop. Nur wenige hundert Alben wurden verkauft. Das war vorläufig das schnelle Ende einer Musikerkarriere. Er arbeitete hernach als Sozialarbeiter, an einer Tankstelle und auf dem Bau. Neunzehnhunderteinundachtzig machte er seinen Bachelor in Philosophie. Er bekam nicht mit, dass sich seine Musik im von der Apartheid geprägten Südafrika sehr verbreitete und er dort als legendenumwobener Superstar galt. Seine Alben waren als Kassetten-Kopien nach Afrika gelangt und seine Texte wurden insbesondere von Jugendlichen als Protestlieder interpretiert. Für sie war Rodriguez ein Star wie Jimi Hendrix oder Bob Dylan. Sein Werdegang und die Suche nach ihm ist Gegenstand des Zweitausendzwölf erschienenen Dokumentarfilms Searching for Sugar Man. Der Film wurde bei der Oscar-Verleihung Zweitausenddreizehn als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

 

Beischlafmetaphern

So kommt es dann, das plötzlich Roland Kaiser, jener Sänger, der wohl die meisten Metaphern für Beischlaf in seinem Gesamtwerk untergebracht hat („Haut an Haut verbrennen, auf das Feuer zuzurennen / Santa Maria, nachts an deinen schneeweißen Stränden, hielt ich ihre Jugend in den Händen / verbotene Träume erleben – ohne Fragen an den Morgen danach“), plötzlich Sartre zitiert und als bekennendes SPD-Mitglied kritisiert, dass in den heutigen Schlagertexten das Politische, der Zeitgeist zu wenig stattfinde.

Oliver Rasche, Über all dem kaschierten Sex schwebt Helene Fischer, in: Welt Online

Verwüstung

(…) Ein Teil der Zerstörung findet auf einer ganz grundsätzlichen menschlichen Ebene statt, das Fundament, wenn man so will, der Demokratie, also das, was die Menschen über den Hobbes’schen Naturzustand erhebt; altmodische Leute nennen es Anstand. Hier ist die Verwüstung besonders schwerwiegend, weil es um elementare Werte geht, die für das Zusammenleben der Menschen notwenig sind, Vertrauen, Hilfsbereitschaft, Gemeinschaftssinn — wenn man das alles, so wie es die Trumps wieder und wieder vorführen, durch Gier, Egoismus und Schamlosigkeit ersetzt, hat das Folgen für die Gesellschaft, die über die Parteipolitik hinausreichen. Wie soll man etwa Kindern erklären, dass es nicht okay ist, zu lügen, nur an sich zu denken oder die zu treten, die auf dem Boden liegen, wenn der Präsident es tut? Wie soll man ein Gemeinwesen auf einer Philosophie der Skrupellosigkeit aufbauen, die einen lehrt, noch jeden Trick und Twist anzuwenden, wenn es nur dem eigenen Vorteil dient? Die moralische Verwüstung, die Donald Trump bislang hinterlassen hat, ist immens. (…)

Georg Diez, Wie die amerikanische Demokratie zerfällt.

Arschloch-Quote

Mit Frauke Petry sind wir zumindest in der Arschloch-Quote bei der Gleichberechtigung einen Schritt weiter gekommen.

Carolin Kebekus, Interview. Nicht jeder muss uns lieb haben, in: Remscheider General-Anzeiger vom sechzehnten Februar Zweitausendundsiebzehn

 

Wie man sich bettet, …

… so liest man.

 

Von gestern

Die AfD ist eine Partei, die mit den Reden von gestern um die Menschen von heute wirbt.

Shermin Langhoff, Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters, Berlin

Buntes Deutschland

Ein Land, in dem eine solche Gemeinschaft den Präsidenten wählt, kann so schlecht nicht sein.