Kategorie: Wermelskirchen

Totgeschlagene

“Totgesagte leben länger. Oder – Totgeschlagene?”

Soeben in einer Revue der Rosa-Luxemburg-Gesellschaft und der Volkshochschule Köln gehört – zum einhundertfünfzigsten Geburtstag der großen Revolutionärin und Denkerin

Frischer Backfisch

„Heiß wie ein frischer Backfisch.“ So der Kommentator heute in der ARD-Sportschau über den Torwart von Erzgebirge Aue, Martin Männel, der, zweiunddreißigjährig, im heutigen Spiel den zweiten Elfmeter hielt. Ob er, der Journalist, in einem Alter ist, in dem man noch eine weitere Bedeutung des Nomens jenseits seines lukullischen Sinns kannte?

An der frischen Luft

Nach langer Zeit, nach Wochen, mal wieder draußen gewesen, heute Nachmittag. Die Kontaktsperre des Covid-Lockdowns aus dem vergleichsweise großen Haus ins sehr kleine Auto verlagert, den Smart. Mit dem gings an die frische Luft, wie meine Oma weiland zu sagen pflegte: Geht doch mal raus an die frische Luft. Wermelskirchen hat sich nicht verändert in den letzten Wochen. Nicht wirklich. Aber die Kombination von Corona-Lockdown und Mittwochnachmittag im Verein mit der frühen Düsternis und feuchtem Wetter macht das Städtchen doch irgendwie unwirklich. Mittwochs schließen am Nachmittag sogar einige der Läden, die in pandemischen Zeiten noch geöffnet sein dürfen. Die wenigen Passanten sind durchweg mit der Maske bewehrt. Masken, Mützen und Schals machen die Menschen ununterscheidbar, tilgen die Individualität, das Einzigartige. Und dennoch war es gut, mal wieder an der frischen Luft gewesen zu sein, wenn auch nur kurz. Es frischt die Ahnung auf, wie es dereinst mal wieder sein wird, in der Stadt, an der frischen Luft, ohne Maske, ohne Lockdown.

Jeck

Schon jeck, daß gerade am elften im Elften in Köln op dr schäl sick, in Düx, Coronaleugner gegen einen Lockdown light demonstrieren dürfen, den sie mit ihrem Verhalten in Vor-Lockdown-Zeiten wesentlich mit herbeigeführt haben. Genau mein Humor.

Draußen.

Draußen. Nach sechs Wochen drinnen wegen der dritten Lungenentzündung in diesem Jahr heute zum ersten mal wieder draußen gewesen. Eine knappe halbe Stunde nur, mit dem Auto. Aber immerhin. Draußen ist schöner als drinnen, wenn drinnen sehr lange dauert.

Max Kinski

Es gab einen Grund, Zweitausendundsechzehn die Verleihung der Goldenen Kamera zu sehen, Klaus Kinski alias Max Giermann, der Große …

Rücksicht und Entschleunigung

Natürlich, die Pandemie mit ihren Folgen ist eine schwere Belastung. Für alle. Aber: Mir als jemand, der von Anfang Februar an bis vor etwa drei Wochen wegen einer Lungenerkrankung fast nicht mehr draußen war, sondern sich nur noch im eigenen Zimmer aufgehalten hatte und zwei Mal sogar ausgedehntere Krankenhausaufenthalte einlegen mußte, mir fällt nunmehr, da ich mich wieder draußen aufhalten kann und dies gelegentlich auch tue, auf, daß sich fast alle Menschen an die Pandemieauflagen halten. Fast jeder trägt einen Mundschutz. Vor den Geschäften werden die Einlaßbeschränkungen eingehalten. Menschen, die vor allem gelernt hatten zu drängeln und keinerlei Erfahrungen im “Schlangestehen” kultiviert haben oder kultivieren mußten, wie etwa in England oder der DDR, fügen sich klaglos. Rücksicht ist angesagt. Selbst die Paketboten halten einen Mindestabstand ein, wenn sie eine Onlinebestellung an der Haustüre abliefern. Auch im Auto werden Mundschutze getragen. Darauf hätte ich vor Wochen noch keine Wette gehalten. Daß in der egomanischen Spaß- und Partygesellschaft Rücksicht auf Kranke und Gefährdete dominiert, daß das Ego der Selbstverwirklicher zurücktritt hinter die Belange der Gemeinschaft. Jedenfalls weitgehend. Entschleunigung ist eine der Folgen, wenn man warten muß, um ein Geschäft betreten zu können. Die Kehrseite von Entschleunigung ist der Zuwachs an Geduld, an Duldsamkeit, an Gelassenheit. Es tut der Gesellschaft insgesamt gut, wenn Hektik und Hyperaktivität gedämpft, tendenziell reguliert werden. Ich wünsche mir, wie alle anderen auch, daß man möglichst bald eine wirksame Medizin gegen das Virus sowie einen guten Impfstoff entwickeln wird. Ich wünsche mir aber auch, daß dann Rücksichtnahme und Entschleunigung weiterhin starke Kennzeichen unseres Gemeinwesens sein werden.

Einsiedelei

Neunzig Tage sind es heute, daß ich unser Haus, unsere Wohnung nicht mehr verlassen habe. Mit einer eher unfreiwilligen Ausnahme, denn am Schaltjahrtag, dem neunundzwanzigsten Februar, hat mich ein Krankenwagen ins hiesige Hospital verfrachtet, das ich erst elf Tage später wieder verlassen durfte. Schon vor Karneval also begann meine persönliche Eremitage, vor Corona, vor dem Lockdown, vor der Abstandspflicht, vor dem Maskenzwang. In dieser Zeit hatte und habe ich Kontakt nur zur Gattin. Unmittelbaren Kontakt. Nicht zum Kind und seiner Freudin, nicht zu Freunden, nicht zu Nachbarn, nicht zu Verwandten. Aus einiger Entfernung, sozusagen mit gehörigem Sicherheitsabstand habe ich Freunden zuwinken können, wenn sie für uns eingekauft haben, Stefan, Bulbul, Stefan und Lothar. Letzte Woche eine Premiere, eine Videokonferenz nämlich, mit Mitstreitern aus der Flüchtlingshilfe. Ein virtueller Kontakt und dennoch wichtig, weil er, trotz aller technischer Vermittlung, einen Teil des Gefühls beim gewohnten sozialen Umgang aufkommen ließ, der persönlichen Nähe, der Verbundenheit. Schön war das, wenn auch „nur“ vor Monitor und Display erlebt. Heute erneut eine Premiere. Mein Freund Lothar hat uns besucht. Vor der Türe haben wir in der Sonne gesessen, im Warmen, mit Abstand selbstredend, und Kaffee getrunken. Und erzählt. Und erzählt. Und geredet. Ein richtiges Gespräch. Von Angesicht zu Angesicht. Ohne Monitor, ohne Maske. Wie sonst, sozusagen. Fast. Aber wir werden uns auch wieder in den Arm nehmen, den Sicherheitsabstand aufheben. Ich bin sicher. Ganz sicher. Und froh.

Trümmerhaufen

Erschütternd finde ich, dass eine Partei wie die CDU, die in der Geschichte der Bundesrepublik immer eine Partei der Staatsräson und Ordnung war, sich zu so einem symbolischen Akt bereitfindet, der die Partei am Ende als Trümmerhaufen zurücklässt.

Gideon Botsch, Rechtsextremismusforscher an der Emil Julius Gumbel Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus am Moses-Mendelssohn Zentrum (MMZ) und ist Privatdozent an der Uni Potsdam, Interview mit dem Tagesspiegel: Risiko, dass bewaffnete Terrorzellen entstehen, „ist besonders hoch“,