Tag: 8. September 2015

Willkommen in Wermelskirchen

Gestern Abend. Versammlung von “Willkommen in Wermelskirchen” im evangelischen Gemeindehaus. Ein sehr gut besuchtes Treffen des vor knapp einem Jahr gegründeten christlichen Netzwerkes, das die Asylsuchenden und Flüchtlinge in Wermelskirchen Willkommen heißt und ihnen in ihrer Not beisteht, ihnen hilft, ihren Alltag teilt, soweit das geht, ehrenamtlich. Ein großes Netzwerk von mittlerweile annähernd zweihundert Menschen. Zu Beginn erläuterte Pfarrerin Cornelia Seng, es gehe um die grundsätzliche Einstellung den Menschen gegenüber, die hier Zuflucht suchen, wobei Christen um ihres Glauben willen in ihrer Willkommenskultur nicht zwischen vermeintlich guten, also politisch verfolgten, und schlechten Flüchtlingen, also denen, die aus ökonomischer Not kommen, aus Armut oder Krankheit, unterscheiden dürfen. Ein schlichter Satz. Eine einfache Wahrheit. Und doch eine fulminante Absage an die Rehses und die Schawohls, an die Paasens und Müßeners und andere Salonchristen auf der rechtspopulistischen Seite des politischen Spektrums hier in Wermelskirchen, also WNK und AfD und ALFA, die kaum eine Gelegenheit auslassen, in Facebook vor allem, Flüchtlinge in die annehmbaren Menschen zu unterscheiden, die dem Krieg entkamen, und in die Menschen, die man zurückschicken muß, weil sie der Not entflohen oder der Drangsal.

Weiterhin in Weiß

“Die deutsche Mannschaft weiterhin in weiß.” Kommentar des RTL-Moderators, Marco Hagemann, gestern Abend zum Anpfiff der zweiten Halbzeit des Europameisterschaftsqualifikationsspiels zwischen Schottland und Deutschland.

Engelsrufer

Wer den Glauben an Engel durch Kummer oder Schmerz verloren haben sollte, kann sich für schlappe neunundfünfzig Euro mit einem ungeheuer häßlich designtem “Engelsrufer” ausrüsten, der den Weg zu Engeln wieder öffnen soll. Daß Aberglaube aber auch immer so teuer sein muß.IMG_2389

Nachtrag: Die junge Dame, die auf dem Verkaufsständer rechts zu sehen ist, mit den Blumen im Haar, ist keineswegs ein Engel. Was man nicht zuletzt an den fehlenden Flügeln erkennen kann.

Ceterum censeo

Ceterum censeo carthaginem delendam esse. Jahr für Jahr das Gleiche. Am achten September wird, für nur einen Tag, das Schlaglicht auf einen eigentlich ungeheuerlichen bildungspolitischen Skandal gerichtet. Um an den folgenden Tagen wieder im Dunkel der gesellschaftlichen Achtlosigkeit zu versinken. Hier und hier habe ich mich schon ausgelassen. Über den Weltalphabetisierungstag. Über die Millionen deutschsprachiger Erwachsener, die nicht zureichend lesen oder schreiben können. Über funktionale Analphabeten. Menschen also, die etwa den Beipackzettel eines Medikaments nicht erfassen, ein Rezept nicht lesen können, einen Fahrplan nicht verstehen. Wir sprechen hier nicht über Zuwanderer oder Flüchtlinge. Wir sprechen über erwachsene Deutsche, die in aller Regel eine Schule besucht haben und dennoch die geringsten schriftsprachlichen Aufgaben nicht meistern können. Menschen, die ihren Kindern nicht bei den Hausaufgaben helfen können. Mitbürger, die kein Formular einer Behörde auszufüllen wissen. Nachbarn, die man weder bei Facebook, noch in einer Buchhandlung oder Bücherei antreffen wird. Keine zu vernachlässigende Minderheit. Acht Millionen Menschen immerhin. Im Land der Dichter und Denker.