Nepotismus

“Mit Nepotismus (von lat. Nom. nepos, Gen. nepotis für Enkel, Nachkomme, Neffe), auch Vetternwirtschaft genannt, ist die Besetzung von Posten und Arbeitsplätzen oder die Einstellung von Arbeitnehmern durch Familienangehörige, mit Familienmitgliedern bzw. Verwandten, oder eine übermäßige Vorteilsbeschaffung für diese gemeint. Im Deutschen ist es als Vetternwirtschaft, auf Schweizerdeutsch Vetterliwirtschaft, bekannt. Im Schwäbischen wird von Vetterleswirtschaft gesprochen. Sind keine Familienangehörigen, sondern sonstige Personen die Nutznießer des verschafften Vorteils, spricht man auch von Günstlingswirtschaft. Im bayrischen Sprachraum heißt es ungeachtet einer familiären Verbandelung Spezlwirtschaft (Spezi oder Spezl = bair. Freund), in Österreich Freunderlwirtschaft; im Rheinland spricht man vom Klüngel.” Soweit Wikipedia. Ist es nun schon Nepotismus, wenn sich in einer Delegation, die den Bundesaußenminister auf seine Dienstreisen begleitet, der Lebensgefährte des Ministers, ein Compagnion seines Bruders und diverse Förderer seiner Partei befinden? Die Süddeutsche Zeitung jedenfalls bezeichnet Guido Westerwelle bereits als “Familienminister”. “Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat.” Mit diesem Satz zitiert die SZ Cornelius “Conny” Boersch. Der wiederum ist ein enger Freund des deutschen Diplomatenchefs Westerwelle und trat im Wahlkampf 2002 als sein Wirtschaftsberater auf. Das Summa Summarum von Politik und Wirtschaft. So lautet der Titel eines Buches, das Westerwelle gemeinsam mit Cornelius Boersch herausgegeben haben und in dem laut SZ “durchaus Verständnis dafür gezeigt” werde, “dass Gutbetuchte ihr Geld lieber über die Grenze schaffen, als es in Deutschland zu versteuern. Es sei ja vielmehr der Staat, der mit seinem verzwickten Steuerrecht diese armen Mitbürger ins Ausland treibe.” Jedenfalls versteuert “Conny” die Einnahmen seiner Beteiligungsgesellschaft Mountain Partners in der Schweiz. Dafür hat er zwischen 2002 und 2008 der Partei seines Freundes Westerwelle die stolze Summe von 164.200 Euro überwiesen. “Involviert in Boerschs umfangreiches Geflecht von mehr als 200 Beteiligungen sind oder waren neben Guido Westerwelle noch dessen zwei Jahre jüngerer Bruder Kai sowie Westerwelles geschäftstüchtiger Lebenspartner Michael Mronz. Fast wie eine kleine Familie”, schreibt die Süddeutsche weiter. Kai Westerwelle ist Verwaltungsratspräsident der in St. Gallen ansässigen Taishan Invest AG und war bis 2008 in gleicher Funktion bei der Taishan Capital Management AG, also auf der Lohnliste von “Conny”. Auch Mitglied einer Delegation des Außenministers war Ralf Mahron, Geschäftsführer und Mehrheitseigner der Far Eastern Fernost Beratungs- und Handels GmbH aus Ludwigshafen. Jetzt raten Sie mal. Natürlich: Westerwelles Bruder Kai ist Anteilseigner dieser Gesellschaft. Wie auch “Conny” von den Mountain Partners. Der Lebensgefährte des Außenministers, Michael Mronz, war Aufsichtsrat und Aktionär der Arygon AG, einer Technologiefirma mit Sitz in Mainz. Im vergangenen Jahr ist dort Cornelius Boersch mit einer seiner Firmen eingestiegen, der ACIG. Und schließlich: Westerwelle wurde begleitet von Ralph Dommermuth, Gründer der United Internet AG, und, wie der Spiegel schreibt, ein alter Kumpel von Westerwelle – sowie eifriger Unterstützer der FDP: 48.000 Euro waren es 2005. Kurzum: Wenn das alles keine Vetterleswirtschaft ist, dann muß dieser Begriff neu definiert werden. In Köln jedenfalls gilt schon erheblich weniger als “Klüngel”. “Man kennt sich, man hilft sich.” So das Kölner Motto. Und gewiß auch der Leitspruch der FDP. Nur: Liberal ist das alles nicht. Und: Das Wort Mitnahmeeffekt bekommt so einen besonderen Sinn.

2 Kommentare

  1. Michael Lichtenberg

    Ich bin der Meinung von Frau Weber.
    Ich glaube nicht, dass Herr Westerwelle die Periode übersteht. Ich glaube auch nicht, dass die Koalition die Periode übersteht, dafür war der Start zu schlecht und die unterschiedlchen Meinungen zu zahlreich. Die Steuerpolitik nach Art dr FDP passt nicht in die Zeit und ist sicher derzeit nicht finanzierbar, sogern ich auch weniger zahlen würde. Ab er ohne Steuern kann kein Staat überleben und die Aufgaben, die elöst werden müssen, sind sehr groß.
    Ich glaube, Frau Merkel denkt, wie war es doch vordem mit …. so bequem.

  2. Petra Weber

    Roland Nelles bezeichnet Westerwave im SPON als “Außenminister-Darsteller” und resümiert:

    “Der Darsteller überschreitet eine Grenze, die der echte Außenminister stets achten würde. Aber die liberale Vetternwirtschaft beschädigt das wichtigste Gut eines Außenministers: seine Integrität.

    Das Publikum ist erstaunt und reagiert langsam zornig: Wann endet die Vorstellung? Wann erscheint der echte Außenminister? Wann beginnt die Politik?Guido Westerwelle muss diese Fragen beantworten. Sonst fällt für ihn bald der letzte Vorhang.”

    Ja, das mit dem letzten Vorhang – das wär doch was…

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