Sexueller Mißbrauch ist kein Kavaliersdelikt, auch nicht, wenn die Kavaliere Soutanen tragen

Alles, was Recht ist: Die katholische Kirche hat nun keinerlei Grund, die Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger ins Visier zu nehmen. Kein Tag vergeht, an dem nicht über Übergriffe auf Kinder und Jugendliche, über sexuellen Mißbrauch in katholischen Einrichtungen, in Schulen, Heimen, Klöstern berichtet wird. Wohlgemerkt: Wir reden nicht über mangelnde Moral. Wir reden über Verbrechen. Sexueller Mißbrauch ist kein Kavaliersdelikt, auch nicht, wenn die Kavaliere Soutanen tragen. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hatte der katholischen Kirche mangelnden Aufklärungswillen bei den Missbrauchsfällen vorgeworfen und die “Schweigemauer” beklagt, die in vielen Schulen und Einrichtungen die juristische Aufklärung von Kindesmissbrauch behindere. Dabei verwies die FDP-Ministerin auf eine Kirchen-Direktive von 2001, die auch schwere Missbrauchsfälle zunächst unter die päpstliche Geheimhaltung stelle. “Es braucht ein klares Signal an die Opfer, wie zum Beispiel das Gespräch über freiwillige Wiedergutmachungen in den Fällen, in denen die rechtliche Verjährung eingetreten ist”, sagte Leutheusser-Schnarrenberger der “Süddeutschen Zeitung”. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass nur Fälle zugegeben werden, die sich nicht länger bestreiten lassen. Es ist abscheulich, was sich unter katholischen Dächern zugetragen hat und vielleicht noch zuträgt. Und armselig ist, wenn nunmehr Kirchenobere und in ihrem Gefolge auch CDU-Politiker die Justizministerin mit Schmähkritik überziehen und mithin vom eigentlichen Problem abzulenken versuchen: In der Obhut der Kirche waren und sind Kinderseelen und Kinderleiber nicht sicher. Ich wünsche mir, daß Frau Leutheusser-Schnarrenberger standhaft bleibt und nicht einknickt vor der geballten Macht der Kirche und ihrer Gefolgsleute in der Politik.

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