Dezennium

Der Bürgermeister ist, so sagt es die Gemeindeordnung in Nordrhein-Westfalen, “verantwortlich für die Leitung und Beaufsichtigung des Geschäftsgangs der gesamten Verwaltung und der gesetzliche Vertreter der Gemeinde in Rechts- und Verwaltungsgeschäften.” Der Bürgermeister ist nicht nur der Chef der Verwaltung, sondern quasi auch der erste Bürger dieser Stadt. Weshalb ihn auch jeder Verein, jede Gruppe, jeder Club, jedes Orchester, jedes Kränzchen, jede Nachbarschaft und alle, die ach so wichtig sind in einer Stadt, sehen wollen bei ihren Versammlungen, Mitgliedertreffen, öffentlichen Veranstaltungen, Konzerten, Meetings, Tagungen und Festivitäten. Morgen seit zehn Jahren, seit dem elften Oktober Zweitausendvier ist Eric Weik nun Bürgermeister in Picswiss_VD-47-72Wermelskirchen. Erfunden hatte ihn vor zehn Jahren ein Bündnis von FDP, WNK, UWG und Bürgerforum. Zuvor hatte die CDU die nahezu unbeschränkte Macht in der Stadt. Fünfundzwanzig Jahre lang war Heinz Voetmann Bürgermeister. Von Neunzehnhundertneunundsechzig bis Neunzehnhundertvierundneunzig. Ein Vierteljahrhundert lang. Sollte wirklich jemand in der Stadt leben, den Heinz Voetmann nicht gekannt, gegrüßt und freundlich behandelt hat? Heinz Voetmann war die CDU, in allen möglichen Funktionen und Gremien. Nur danach, nach Voetmanns Versetzung in den Ruhestand und der Verleihung der Ehrenbürgerwürde ging es bergab mit der christdemokratischen Allmacht. Vor fünf Jahren habe ich hier meinen ersten Artikel über die Kommunalpolitik in Wermelskirchen geschrieben und beklagt, daß die CDU nach Voetmann keinen adäquaten Kandidaten mehr gefunden hatte. “Die von der CDU gestellten Bürgermeister nach Heinz Voetmann haben alle eine Legislaturperi­ode nicht überstanden. Helga Loepp amtierte nur ein Jahr, Heinrich Niehaves und Michael Heck­mann jeweils nur eine Amtszeit. Das Amt des Bürgermei­sters ist aber kein Lehrberuf. Man braucht seine Zeit, um eine Stadtverwaltung führen zu können, die örtli­chen Begebenheiten zu kennen, kulturelle Beson­der­hei­ten zu erfahren, den Menschen, ihren Verei­nen und Organisationen bekannt zu werden, ihre Nöte, ihre Interessen und Sorgen zu erfahren, die wirtschaftli­chen und finanziellen Bedingungen der Stadt zu durchschauen.” Dieser Absatz ist zwar fünf Jahre alt, aber immer noch taufrisch. Das Amt des Bürgermeisters ist kein Lehrberuf. Was man können muß als Bürgermeister, sagt einem keine Schule, keine Universität, gewiß auch keine Partei samt Ochsentour. Ich kenne mich nicht wirklich aus in der Kommunalpolitik. Aber die Lektüre der lokalen Zeitungen und eine Reihe von Gesprächen stützen meine Vermutung, daß mindestens fünfundneunzig von einhundert Vorgängen, mit denen der Bürgermeister zu tun hat, unstrittig, konsensual, einvernehmlich mit den Stadtverordneten, den Mitarbeitern in der Verwaltung und  geräuschlos, ohne öffentlichen Rumor erledigt werden. Nur wenige Projekte sind strittig zwischen Parteien, zwischen Verwaltung und Politik. Dies gilt für Bürgermeister und FDP-Mitglied Eric Weik. Aber ebenso dürfte es für einen Bürgermeister beispielsweise der CDU gelten, der SPD oder der WNK. Mit einem Unterschied. Der amtierende Bürgermeister ist seit zehn Jahren im Amt. Er kennt die Stadt, mittlerweile. Die bergische Denkungsart. Die Vereine und Parteien und Grüppchen. Die Menschen im Rathaus und draußen. Die Unternehmen. Die Stadtteile. Die Institutionen. Die Probleme der Gemeinde, die Vorzüge, die Potentiale. Vor fünf Jahren habe ich hier geschrieben: “Warum also sollte ich dafür sein, jetzt schon wieder einen neuen Bür­germeister zu installieren? (…) Diese Stadt braucht nicht den fünften Bürgermeister seit Heinz Voetmann. Ich bin dafür, daß sich der amtierende Bürger­meister Eric Weik die Belange der Stadt auch in einer zweiten Amtsperiode zu eigen ma­chen kann. Ich bin für Kontinuität in meiner Stadt. Nicht der ständige Wechsel macht Sinn, sondern die be­harrliche und nachhaltige Lösung von Problemen.” Auch diesen Satz finde ich heute noch taufrisch, einzig aus der zweiten muß man eine dritte Amtsperiode machen. Die CDU will den Bürgermeister in der Stadt stellen. Das kann man verstehen in einer Stadt, deren Einwohner man als strukturkonservativ bezeichnen könnte. Aber sie hat keinen Kandidaten. Der Vorsitzende ist zu jung. Die anderen Verantwortlichen sind allesamt bekannt – und nicht wirklich geeignet. Also müßten sich die Christdemokraten jemanden von auswärts holen und ihn im Falle eines Wahlsieges im Training on the Job, wie es neudeutsch heißt, zum Bürgermeister ausbilden. Für die Sozialdemokraten gilt das gleiche. Und für die WNK das nämliche. Eric Weiks Arbeit in den vergangenen Jahren war gewiß nicht fehlerfrei. Aber welcher Bürgermeister konnte und könnte dies für sich  schon behaupten? Es gab und gibt keinen fehlerfreien Bürgermeister, nirgendwo, zu keiner Zeit. Auch Heinz Voetmann war gewiß nicht fehlerfrei. Es gibt keinen fehlerfreien Bürgermeister der SPD, keinen der CDU. Einen Bürgermeister der WNK gibt es ebenfalls nirgendwo. Das sind die Möglichkeiten, die sich in ziemlich genau einem Jahr bieten werden in der Stadt, wenn der Bürgermeister gewählt werden muß: Man kann Koalitionen bilden gegen den amtierenden Bürgermeister, wie beispielsweise vor fünf Jahren, als es die CDU mal mit der SPD probiert hatte, was ordentlich schiefging, erhielt Eric Weik doch fast zwei Drittel der abgegebenen Stimmen gegen die großen Parteien. Oder die größeren Parteien holen sich jeweils einen Kandidaten von auswärts, wobei jeder von denen Wermelskirchen noch gehörig lernen müßte. Oder die Parteien versammeln sich hinter dem amtierenden Bürgermeister. Ich wäre für letzteres. Jeder Bürgermeister, einmal gewählt, ist der Bürgermeister aller Bürger. Unabhängig von Parteizugehörigkeit oder politischen Präferenzen. Es gibt immer noch keinen Grund, wie ich seinerzeit schrieb, “jemanden in das Amt zu hieven, der alle diese Erfah­rungen aufs Neue machen muß, die der amtierende Bürgermeister gerade hinter sich gebracht zu haben scheint. Nicht Eric Weik verdient die (…) Amts­periode, sondern wir, die Bürger dieser Stadt. Wir haben ein Recht auf gewachsene und wachsende Kompetenz an der Spitze dieser Stadt. Wir brau­chen nicht alle Jahre wieder einen neuen Bürgermeister.” Kurzum: Sollte Eric Weik seine dritte Amtsperiode für möglich halten, wäre ein Kunststück der Parteien gefordert. Kommunikation und Verständigung Weikfrageüber eherne Parteigrenzen hinweg und ein gemeinsamer und nachhaltiger Entschluß zur Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister, die nicht in erster Linie den vordergründigen Parteiinteressen dient, sondern dem Wohl der Stadt und ihrer Bürger. Hoffen wird man ja wohl noch dürfen. Oder? Ach, für jene, die es nicht wissen sollten: Ich bin natürlich nicht in der Partei des Bürgermeisters. Nicht in der Partei und gewiß auch nicht in seinem Wahlkampfteam. Ich verwahre seit einiger Zeit das Parteibuch der SPD. Aber ein Parteibuch, ein Mitgliedsausweis kann und soll selbständiges Denken gegebenenfalls auch gegen den Mainstream einer Partei nicht verhindern. Ob meine Partei einen eigenen Bürgermeisterkandidaten hat oder finden will, hat sie noch nicht kundgetan. (© Yverdon: Skulpturen hinter dem Maison d’Ailleurs, Roland Zumbühl (Picswiss), Arlesheim (Commons:Picswiss project) http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:10_(number)?uselang=de#mediaviewer/File:Picswiss_VD-47-72.jpg)

1 Kommentare

  1. Henning Rehse

    Ja, ich bin für eine dritte Amtszeit von Bürgermeister Weik!

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