Sehdauer ist nicht Sehstärke

Mal wieder: Der Fernsehkonsum hat zugenommen. Wie Joachim Huber im Tagesspiegel berichtete, hat die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) herausgefunden, daß die Deutschen 2011 durchschnittlich drei Stunden und 45 Minuten täglich vor dem Fernseher zugebracht haben. Zweihundertfünfundzwanzig Minuten stellten einen neuen Höchstwert dar und überstiegen den Wert des Vorjahres um nochmals zwei Minuten. Zwei Spielfilme und zwei längere Nachrichtensendungen, Tag für Tag, wir alle, durchschnittlich. “Auch die tägliche Sehdauer der Zuschauer ab 14 Jahren lag mit 239 Minuten zwei Minuten über dem Vorjahreswert. Die Sehdauer der 14- bis 49-Jährigen lag bei 192 Minuten und die der Drei- bis 13-Jährigen stabil bei 93 Minuten täglich. (! W.H.) Was an diesen Zahlen muss beunruhigen? Zum Nachdenken kann jedenfalls anregen, wie groß, wie sehr groß die Reichweite des elektronischen Mediums ist. Soll man vom Lebensmittelpunkt sprechen, vom Lebensbegleiter, von der audiovisuellen elektronischen Lebens-, ja Überlebensbedingung? Über die Tiefe oder die Oberfläche der Wirkung von Fernsehen kann verlässlicher spekuliert als endgültig geurteilt werden. Es kommt auf den Einzelnen, auf jeden einzelnen Zuschauer an. Jeder kann fernsehen, trotzdem sieht ein jeder anders fern. Beruhigend in der großen Zahl.” Soweit Joachim Huber. Beunruhigend. In der großen Zahl. Nicht jeder kann fernsehen. Und trotzdem sieht ein jeder anders fern. Sehdauer ist nicht Sehstärke.

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