Ela

Ist es nicht interessant, in Zeiten zu leben, in denen man mit einer Handbewegung sozusagen in Erfahrung bringen kann, was einen vor der Google-Wikipedia-Bing-Ära nicht die Bohne interessiert hätte. Wie heißt das Hoch, das uns über Pfingsten die warmen bis heißen Temperaturen beschert hat, und wie das Tief, das für die Unwetter von Pfingstmontag zuständig war? Warum auch immer, ich wollte das am Montag wissen. Das Hoch hieß Wolfgang. Immerhin. Ein Hoch als Namensvetter. Und das Tief wurde Ela geheißen. Erst im Zusammenspiel haben Ela und Wolfgang das tödliche Unwetter verursacht, das hernach noch zu gewaltigen Verkehrstaus und immensen volkswirtschaftlichen Schäden geführt hat. Ela und Wolfgang. Das war, wenn ich mich richtig erinnere, schon vor mehr als fünfzig, vor dreiundfünfzig Jahren eine unheilige Konstellation. Ela wohnte im Erdgeschoß und sie war kein halber, sondern ein ganzer Junge. Ähnlich alt wie mein Bruder und ich, genauso wild wie alle Jungs in der Siedlung, flink, handwerklich geschickt, körperlich stark. Ela wurde sie genannt. Auf Gabriele reagierte sie nicht. Ihre ältere Schwester, Ilse, war ganz Frau. Ela so gar nicht Mädchen. Und an ihr rieb man sich. Weil sie so ungewöhnlich war und man sich als Junge auf eine solche Person so gar nicht vorbereiten konnte und die Konkurrenz also irgendwie ins Leere lief. Und doch vorhanden war. Merkwürdig, wie mich Sturm und Unwetter in das Haus in der  Schlichtbausiedlung zurückversetzen konnten, die schon länger nicht mehr existiert und bei den Bewohnern nur Klein-Korea hieß. Und in der Ela und ich wohnten. Und Ilse und Bernd, Horst, Gerd oder Inge, Norbert, Harry und Klaus. Und wir allesamt keinen Gedanken hatten für Unwetter und Sturm.

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