Feine Gesellschaft – Eier für die Tafel

Da sage noch jemand, unsere Gesellschaft funktioniere bestens, rational, der Markt regele alles und zwar gut. “Wir bekommen derzeit deutlich mehr Eier-Spenden von den Geschäften als sonst.” Mit diesen Worten zitiert die Bergische Morgenpost die Vorsitzende der hiesigen Tafel, Brigitte Krips. Klar: Nach dem Dioxinskandal sind Eier nicht mehr so leicht an den halbwegs gut verdienenden Mann und an die halbwegs gut verdienende Frau zu bringen. Für die schlecht oder nichts verdienenden Menschen indes bewirkt diese zeitweilige Konsumverweigerung ein Überangebot. Das nennt man Markt. Jene rund fünfhundert Haushalte in Wermelskirchen, die sich bei der Tafel haben registrieren lassen, weil sie nicht genug zum Leben haben, können jetzt die vorübergehende Eierschwemme für sich nutzen. Skurril, oder? Mit Antibiotika vollgepumptes Rindfleisch hat nach wie vor (noch) Konjunktur. Also haben die Armen, die Tafel-Bürger, nichts davon. Warten wir auf den nächsten Lebensmittelskandal, auf die nächste Vergiftung. Dann wird es wieder ein vorübergehendes Überangebot für die Ärmsten der Gesellschaft geben, weil der Normalbürger sich für ein paar Tage oder Wochen Kaufzurückhaltung auferlegt. Lebensmittelskandale, Hochkonjunktur für Menschen, die nichts haben. Eine feine Gesellschaft.

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