Zitieren will gelernt sein

Gestern Morgen, auf der Autobahn zwischen Burscheid und Leverkusen, im Stau. Das Handy klingelt. Frau Tillmanns ruft mich an, von der Bergischen Morgenpost. Sie lese ja immer noch regelmäßig meinen Blog und auch das, was ich beispielsweise im Blog von Petra Weber geschrieben hatte zum Thema Polizeistation in Wermelskirchen. Das freue mich, antwortete ich. Ob sie, fragt Frau Tillmanns mich, zitieren dürfe, was ich so zu diesem Thema geschrieben hätte? Na klar, das dürfe sie. Mein Blog ist öffentlich, der Blog “Petraswelt” auch. Und heute Morgen die Überraschung: Im Artikel der Bergischen Morgenpost mutiere ich zum langjährigen SPD-Mitglied. Frau Tillmanns hätte nur ihren eigenen Artikel aus dem August letzten Jahres korrekt abschreiben müssen, um entscheidende Fehler zu vermeiden. Damals wurde ich noch als langjähriges Mitglied der DKP bezeichnet, was zwar richtig war, aber auch damals schon Jahrzehnte her. Mehr als zwei Jahrzehnte lang war ich kein Mitglied irgendeiner Partei. Ich bin also nicht aus Politikverdrossenheit ausgetreten, wie Frau Tillmanns schreibt, ich war niemals drin, in der SPD. Mitglied der SPD, Gastmitglied wohlgemerkt, bin ich seit der vergangenen Bundestagswahl. Also erst seit etwa einem Jahr. Und also auch nicht seit der Kommunalwahl, wie Frau Tillmanns fälschlicherweise schreibt. Auch das aber hätte sie aus ihren eigenen Artikeln korrekt zitieren können. In einem Kommentar auf einen Beitrag von Petra Weber in ihrem Blog hatte ich geschrieben: “Nicht die Medien machen das Thema. Die Menschen sind es, denen das Thema auf den Nägeln brennt.” Im Artikel von Frau Tillmanns wird daraus: “”Das ist das Thema, das den Menschen unter den Nägeln brennt.” Also, ein Zitat ist das nicht, sondern eher eine sachlich zwar richtige, dennoch aber eine freie Wiedergabe. Am 21. Oktober habe ich hier geschrieben: “Mit feigem Schweigen, mit dem Verweis auf andere Instanzen werden Parteien den Nöten der Menschen in unserer Stadt  nicht gerecht. Sicherheit ist eines der Grundbedürfnisse der Bürger. Und wenn sie diese Sicherheit gefährdet glauben, ist es Aufgabe der Parteien, den Menschen zu erläutern, daß und inwiefern die Sicherheit gewährleistet werden kann.” In der freien Übersetzung von Frau Tillmanns wird daraus: “Nun mahnt er aber ‘seine’ SPD und nicht nur die, sondern alle Parteien vor Ort an, die jetzt seiner Meinung nach ‘dazu schweigen und ignorieren, was die Menschen da draußen umtreibt’: Und das seien nun mal das Sicherheitsbedürfnis der Menschen und die Angst vor der geplanten Schließung der Polizeiwache. “Das ist das Thema, das den Menschen unter den Nägeln brennt”, beobachtet Horn.” Und wiederum: Kein Zitat, eine freie Übersetzung. Inhaltlich nicht wirklich falsch, aber eben kein Zitat. Die Anführungszeichen suggerieren wörtliche Rede, sind indes freie kreative Leistung von Frau Tillmanns. Aus dem Satz: “Eine SPD, die den Qualm in der Stadt nicht sieht, nicht riecht, die versagt. Weil sie sich die Chance nimmt, mit den Bürgern über das zu sprechen, was sie umtreibt.” macht Frau Tillmanns ihren eigenen Satz und garniert ihn mit Anführungszeichen, die ein Zitat von mir deutlich machen sollen: “Es ist Qualm in der Stadt. Eine SPD, egal welche Partei, die den Qualm in der Stadt nicht sieht, nicht riecht, die versagt, weil sie sich die Chance nimmt, mit den Bürgern über das zu sprechen, was sie umtreibt”. Hat man zwischenzeitlich in der Journalistenausbildung darauf verzichtet, die Bedeutung von Anführungszeichen, von wörtlichen Zitaten zu lehren? Darf man als wörtliches Zitat kennzeichnen, was eine eher freie Übersetzung des Journalisten, der Journalistin ist? Ich bin da anderer Meinung. Ein wörtliches Zitat ist und bleibt ein wörtliches Zitat. Sätze, die so gekennzeichnet sind, müssen sich im Original auch so finden lassen. Man kann einen Originaltext aber auch raffen und zusammenfassen oder mit eigenen Worten wiedergeben. Dieses Verfahren aber hat Frau Tillmanns nicht gewählt. Aber was kann ich erwarten? Wenn Frau Tillmanns schon aus ihren eigenen Artikeln nicht korrekt zitieren kann, wie soll sie das denn dann aus fremden Texten tun? Schade. Die lokale Presse ist mir zu wichtig, um mit dem Achselzucken des Bedauerns über diese Fehlleistung hinwegzugehen.

6 Kommentare

  1. EDV-Schrauber

    Mit dem Provinzkäseblatt meinte ich die Bergische Morgenpost, also den regionalen Ableger.

    Mit freundlichem Gruß
    -EDV-Schrauber-

  2. Michael Lichteberg

    Lieber EDV – Schrauber,
    so wichtig, dass ich Nachforschungen nach Ihrer Identität anstelle, sind Sie mir nun wieder auch nicht – um Ihre Worte zu benutzen:Sind Sie mir ziemlich egal.

    Ihre private Meinung will ich Ihnen auch nicht nehmen, aber die Rheinische Post als Provinzkäseblatt zu bezeichnen ist doch etwas verwegen.

  3. Nö, nö meine Herren – dat machen Sie mal schön unter sich aus…

    Ich möchte zu der Debatte Folgendes aus einem Spiegel-Online Artikel zitieren:

    “Der Nutzer soll das Recht haben, darüber zu entscheiden, wo er wie öffentlich auftreten will, deshalb verpflichtet auch das Telemediengesetz (§ 13 Abs. 6) Anbieter dazu, eine anonyme Nutzung ihrer Dienste oder eine Nutzung unter Pseudonym zu ermöglichen.”

    Aber auch: “Wer im professionellen Teil des Internets anonym Kritik äußert, hat ein zunehmendes Glaubwürdigkeitsproblem. Gefragt sind Diskurse auf Augenhöhe.”

    Ich denke, dass es mannigfaltige Gründe gibt, dass jemand es vorzieht in einem Forum anonym zu bleiben: Geschäftliche, politische, private… Vielleicht ist dieser Jemand aber durchaus anderswo unter seinem Namen vertreten. Wer weiß?

  4. EDV-Schrauber

    Sehr geehrter Herrn Lichtenberg.

    Ich glaube nicht, dass ich ein meinem Post eine Beleidigung losgelassen habe. Das Geschreibsel von Frau Tillmanns ist nach journalistischen Maßstäben selbst für ein Provinzkäseblatt eine Zumutung. Die mangelhafte Fähigkeit des einfachen Zitierens ist hier doch nur die Spitze des Eisbergs. Wer nicht im Ansatz sachliche Berichterstattung, persönliche Meinung und Stimmungsmache trennen kann, dem kann ich aus ebendiesen Gründen seine Qualifikation als “Journalisten” absprechen.

    Was die alten Rittersleut gemacht haben, ist mir ziemlich egal. Die sind nämlich alle lange tot.

    Und ob ich ein Pseudonym benutze oder nicht, sollten Sie einfach mal mir überlassen. Ich sehe darin jedenfalls kein Problem. Dass Sie meinen Nick ziemlich albern finden, ist mir offen gesagt ziemlich egal. Er beschreibt jedenfalls hinreichend genau meinen Beruf.

    Frau Weber kennt mich übrigens persönlich, falls Sie also Ihre Neugier stillen wollen: Nur zu.

    Mit freundlichem Gruß
    -EDV-Schrauber-

  5. Michael Lichtenberg

    An den EDV-Schrauber.

    Wenn Sie schon Beleidigungen loslassen, dann finde ich es unehrenhaft dieses hinter einem (übrigens ziemlich albernen) Pseydonym zu tun.
    Schon die alten Rittersleut kömpften in bestimmten Fällen “mit offenem Visier”.
    Sachliche Fehler sollten Journalisten möglichst nicht unterlaufen.
    Richtig.
    Aber auch richtig ist: “Nur wer gar nichts tut ist sicher, keinen Fehler zu machen.”

  6. EDV-Schrauber

    Ich wundere mich, dass Sie sich wundern.

    Frau Tillmanns als Journalistin zu bezeichnen ist eine Beledigung für jeden Journalisten.

    Die Frau beherrscht ja wohl offensichtlich nicht die Grundzüge dessen, was Sie als Journalistenausbildung bezeichnen. Aber das ist doch nichts Neues…

    Mit freundlichem Gruß
    -EDV-Schrauber-

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