Chapeau, Hut ab! Peter Voß, seit 35 Jahren Mitglied der CDU, ist ausgetreten. Der ehemalige Intendant des Südwestrundfunks hat seinen Hut genommen, weil Roland Koch als Strippenzieher in der Affaire um die Besetzung des Chefredakteurpostens beim ZDF “der CDU, dem ZDF und den Medien im Allgemeinen schwer geschadet” habe. “Was hier passiert ist, ist höchst gefährlich für das Image des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und ein Angriff auf die Unabhängigkeit des Senders.” Voß geht laut Spiegel Online indes einen Schritt weiter: “”Merkels Beteiligung ist offensichtlich. Ich bin mir sicher, dass Koch sich ohne den Segen der Bundesregierung nicht durchgesetzt hätte – er war nur das Sprachrohr.” Ex-Intendant Voß sieht nun zwei Möglichkeiten für das ZDF: Entweder die Länder schaffen es, den Staatsvertrag zu korrigieren – “oder es muss eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht geben”.
Monat: Dezember 2009
Von Putzfrauen, Bänkern und Steuerberatern
Die Leistungsträger einer Gesellschaft, so wird uns seit Jahren immer wieder erklärt, sind vor allem jene, die für ihre Leistungen überdurchschnittliche Gehälter, Honorare und Boni kassieren. Leistung ist in unserer Gesellschaft mehr oder weniger ausgesprochen an Einkommen gekoppelt. Nicht an Verdiensten. Eine Studie der britischen New Economics Foundation (NEF), nach eigenen Angaben eine unabhängige Denkfabrik, deren Forscher über soziales und nachhaltiges Wirtschaften nachdenken, räumt nun mit dem Irrglauben auf, wer viel verdiene, habe auch viel geleistet. Wie der Spiegel berichtet, haben Experten dieser Stiftung das Einkommen unterschiedlicher Berufsgruppen mit der Wirtschaftsleistung oder der Leistung für die Gesellschaft verglichen. Das Ergebnis: Verheerend. Im Falle von Spitzenbänkern verhält es sich so, daß für jedes Pfund Einkommen die Gesellschaft sieben Pfund draufzahlt. Werbeagenturen vernichten mit jedem Pfund Verdienst einen gesellschaftlichen Wert von elf Pfund. Im Falle von Steuerberatern schließlich kostet jedes verdiente Pfund die Gesellschaft den Gegenwert von 47 Pfund. “Bei vielen Jobs im Niedriglohnsektor fällt die Rechnung ganz anders aus, nämlich positiv. So liege das Verhältnis zwischen Einkommen und gesellschaftlicher Wertschöpfung bei Müllmännern bei eins zu zwölf. Müllmänner helfen demnach, durch Recycling CO2-Emissionen einzusparen und Rohstoffverbrauch zu verringern. Die hochbezahlten Banker hingegen hätten mit fehlgeschlagenen Spekulationen hohen volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet.” Im Bereich der Kinderbetreuung etwa bewirke ein Pfund Einkommen einen gesellschaftlichen Gewinn zwischen 7,00 und 9,50 Pfund. Selbst Reinigungskräfte in einem Krankenhaus tragen laut der Studie mehr zum Wohl der Gesellschaft bei als Banker. “Für jedes Pfund, das wir ihnen zahlen, generieren sie mehr als zehn Pfund an gesellschaftlichem Wert”, schreiben die Autoren. Fazit: Es sei schlicht falsch, von hohem Einkommen auf gesellschaftliche Leistung zu schließen. Vor allem jene Wirtschaftszweige mit höchsten Einkommen tragen kaum die Kosten, die sie der Gesellschaft tatsächlich aufbürden.
Privat-Minarett
Wie die Nachrichtenagentur dts meldet, hat der Geschäftsmann Guillaume Morand im Schweizerischen Bussigny bei Lausanne auf dem Dach seines Firmensitzes ein Minarett errichtet. Er wolle so gegen das Ergebnis der Volksabstimmung zum Verbot von Minaretten protestieren. “In der Schweiz gibt es keine Probleme mit den Muslimen. Aber mit der Abstimmung haben wir ein Problem geschaffen”, erklärte Morand.
Advent, Advent
13. Dezember 1294
Mesalliance
Eine Mesalliance war ursprünglich eine nicht standesgemäße Verbindung. Später war es eher eine Mißheirat, eine Ehe zwischen nicht zusammenpassenden Partnern. Reicher Mann, arme Frau geht. Reiche Frau, armer Mann geht nicht. Große Frau, kleiner Mann geht nicht. Großer Mann, kleine Frau geht. Alte Frau, junger Mann geht nicht. Alter Mann, junge Frau geht. Wie ich darauf komme? Eben bei Einkaufen höre ich im Radio, daß heute geheiratet wird, auf der Zeche Zollverein. Franz Müntefering heiratet Michelle Schumann. Er 69, sie 29. Seine Tochter, 40, findet das alles in Ordnung. Also: Keine Mesalliance.
Nachtrag zur Bosbachschen Kirchtumspolitik
“Ich wäre jetzt richtig enttäuscht gewesen, wenn ich von Wolfgang Bosbach zum Thema Minarettverbot nichts gehört hätte. Aber auf den guten Mann ist Verlaß. Kaum ist das Ergebnis der Volksabstimmung in der Schweiz bekannt, sondert er seine geistigen Ergüße ab”, schreibt am 30. November der Dwarslöper, N.Burgmann, in seinem Blog. Und zitiert Thomas Wieczorek (aus seinem Buch “Die Dilettanten: Wie unfähig unsere Politiker wirklich sind”):
“Ein Bosbach”, sagt man in der Bundestagslobby, ist der Abstand zwischen zwei Talkshows.” Tatsächlich: Wo andere atmen, da quasselt Bosbach. Über Gott und die Welt und wieder über Gott. Mal greift er die türkische Presse scharf an, mal stellt er die Zustimmung zur Erbschaftssteuer in Frage. Mal will er Bundeswehreinsätze im Innern, mal die Abschaffung des Doppelpasses, mal eine Art Videoüberwachung für alle, weil niemand das Recht habe, unerkannt durch die Stadt zu gehen. Normalerweise ist das rechtslastige Polizeistaatpropaganda, aber bei Bosbach ist alles halb so wild, denn der hat die Lizenz zum Quatschen.”
Nicht wirklich freundlich, das Urteil, aber lesenswert.
“Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”
Ein Sprichwort, eine Metapher. Komplizierte Sachverhalte können mit einem Bild oder einer bildlichen Darstellung oft einfacher erklärt und vermittelt werden. Und ein Bild macht meist einen stärkeren Eindruck auf den Betrachter als ein umfangreicher Text. Entstanden ist das Sprichwort aus einer Werbeidee. Am 8. Dezember 1921. Fred R. Barnard schaltet in Printers’ Ink, einer Fachzeitschrift der Werbebranche, eine Anzeige. Slogan: „One Look is Worth A Thousand Words“. Die Anzeige warb für die Verwendung von Bildern in Werbung auf Straßenbahnen. Am 10. März 1927 erschien eine zweite Anzeige mit der Steigerung: „One Picture is Worth Ten Thousand Words“. Fred R. Barnard sagte später, er habe den Slogan als chinesisches Sprichwort bezeichnet, “damit die Leute es ernst nehmen“. Es wurde dann auch prompt Konfuzius zugesprochen. Hier nun kein Bild heute, nur Text.
G 8
Mein Freund Franz ist Vater von Zwillingen. Beide Töchter gehen in die sechste Klasse eines Kölner Gymnasiums. Am Samstag wollten beide Kinder eine alte Freundin besuchen, die sie länger schon nicht gesehen hatten. Franz sollte sie fahren. So weit, so normal. Allerdings machen die beiden Mädchen das berüchtigte G8-Abitur. Abitur in acht gymnasialen Schuljahren. Die Folge: Am Samstag Vormittag mußte eine der beiden Töchter noch Hausaufgaben machen, Mathematik. Und das dauerte. Dauerte so lange, daß Franz schließlich nur eine Tochter zur Freundin fuhr. Die andere hatte fast den kompletten Samstag über mit den Schulaufgaben zu tun. Bis nach fünf Uhr nachmittags. Da sage mir noch einer, die Schulen seien auf das G8-Abitur gut vorbereitet. Wenn zwölfjährige Kinder den kompletten Samstag für die Schule arbeiten müssen, um den Leistungsstand zu erreichen oder zu wahren, ist was faul in den Schulen des Landes der Dichter und Denker.