Neil Young, the last man standing….
Kunst, Kraft, Musik, Gefühl, Elan, Inspiration – keine Frage des Alters oder des vollen Haarschopfes, wie man sieht. Danke, Franz.
Vollkommen Subjektives von Wolfgang Horn
»Wenn das Kreditwesen als Haupthebel der Überproduktion und Überspekulation im Handel erscheint, so nur, weil der Reproduktionsprozeß, der seiner Natur nach elastisch ist, hier bis zur äußersten Grenze forciert wird, und zwar deshalb forciert wird, weil ein großer Teil des gesellschaftlichen Kapitals von den Nichteigentümern desselben angewandt wird, die daher ganz anders ins Zeug gehn als der ängstlich die Schranken seines Privatkapitals erwägende Eigentümer, soweit er selbst fungiert. (…) Gleichzeitig beschleunigt der Kredit die gewaltsamen Ausbrüche dieses Widerspruchs, die Krisen, und damit die Elemente der Auflösung der alten Produktionsweise. Die dem Kreditsystem immanenten doppelseitigen Charaktere: einerseits die Triebfeder der kapitalistischen Produktion, Bereicherung durch Ausbeutung fremder Arbeit, zum reinsten und kolossalsten Spiel- und Schwindelsystem zu entwickeln und die Zahl der den gesellschaftlichen Reichtum ausbeutenden Wenigen immer mehr zu beschränken; andrerseits aber die Übergangsform zu einer neuen Produktionsweise zu bilden, – diese Doppelseitigkeit ist es, die den Hauptverkündern des Kredits (…) ihren angenehmen Mischcharakter von Schwindler und Prophet gibt.«
(Karl Marx – Friedrich Engels – Werke, Band 25, “Das Kapital”, Bd. III, Fünfter Abschnitt, S. 457, Dietz Verlag, Berlin/DDR 1983, Siebenundzwanzigstes Kapitel, Die Rolle des Kredits in der kapitalistischen Produktion)
Seit 1894 kann man die Wahrheit kennen.
Was lese ich da in der heutigen Ausgabe meiner Tageszeitung auf Seite Drei? “VHS-Kurs: So bedient man einen Fahrkartenautomaten”. Ein Aprilscherz am 19. Mai? Weit gefehlt. “Viele Fahrgäste, die ein Bahnticket am Automaten ziehen wollen, stehen völlig ratlos davor. Denn das Gerät ist für Unkundige meist wie ein Buch mit sieben Siegeln. Jetzt sorgt die Volkshochschule des Kreises Viersen für den besseren Durchblick: Sie bietet Kurse an, in denen Fahrgastbetreuer der Deutschen Bahn die Automaten erläutern.” So heißt es im Wermelskirchener General-Anzeiger, das ist die Westdeutsche Zeitung. Bekloppt, kann man da nur sagen. Nicht die Volkshochschule. Die bemüht sich nur, einen Mangel auszugleichen. Die Deutsche Bahn ist bekloppt. Wie kann man denn Automaten konstruieren, zu deren Bedienung man zuvor ein Jodeldiplom erwerben oder studiert haben muß? Aus der Zeitungsmeldung geht nicht hervor, ob eine eintägige Erläuterung durch die Fahrgastbetreuer der DB ausreicht oder mehrwöchige Unterweisungen erforderlich sind. Wer immer bei der Bahn für diesen Unsinn zuständig ist, sollte achtkantig gefeuert werden. Ohne Bonuszahlungen. Ohne Abfindungen. Und: Auf Jahre hinaus kostenlos die Kurse in allen Volkshochschulen der Republik erteilen müssen. Unentgeltlich.
Hat die Mehrwertsteuererhöhung der Konjunktur geschadet? »Sie hat der Konjunktur wenig geschadet.« (Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts) »Sie hat der Konjunktur sicher geschadet.« (Joachim Scheide, Konjunkturforscher am Institut für Weltwirtschaft)
Gefunden in der Sargnagelschmiede.
Die Bischöfliche Aktion ADVENIAT ist dafür, die Ärzte für die Dritte Welt, die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe, ATD – Vierte Welt in Deutschland e.V., Attac Deutschland, die Bank für Kirche und Caritas eG, Brot für die Welt, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, die Deutsche Kommission Justitia et Pax, die Deutsche Welthungerhilfe, die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung, die Deutsche Umweltstiftung, der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Deutsche Naturschutzring, die DKM Darlehenskasse Münster eG., EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V., die Europäische Bewegung Christlicher Arbeitnehmer, der Evangelische Entwicklungsdienst, das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, die Gewerkschaft der Polizei, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, das Global Policy Forum Europe, Germanwatch, die GLS-Bank, die IG Bauen-Agrar-Umwelt, das INKOTA-netzwerk, die Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs, Ärzte in sozialer Verantwortung, Sektion Deutschland e.V., die Jesuitenmission, die Jusos, die KAB Deutschlands e.V., die LIGA Bank eG, Medico international, das Bischöfliche Hilfswerk MISEREOR, Missio München, Missio Aachen, das Netzwerk Steuergerechtigkeit Deutschland, das Ökosoziale Forum Deutschland, Oikocredit Deutschland, ONE Deutschland, Oxfam Deutschland, die Pax Bank, der Solidaritätsdienst International e.V. (SODI), SÜDWIND – Institut für Ökonomie und Ökumene, Fachbereich Armutsbekämpfung und Internationale Finanzmärkte, Terre des hommes, VENRO – Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen, WEED – Weltwirtschaft, Ökologie, Entwicklung, das Weltnotwerk der KAB, Werkstatt Ökonomie, Die Linke, Die Grünen, die SPD und viele, viele andere, unter ihnen CSU-Landtagsabgeordnete, Bischöfe, Bankdirektoren, Professoren, weitere kirchliche und wissenschaftliche Einrichtungen, die Arbeiterwohlfahrt und tausende von Unterzeichnern eines Aufrufes, endlich die Finanztransaktionssteuer einzuführen.
Und offenbar die beiden auch, Jan Josef Liefers und Heike Makatsch:
15. Mai 1965: Drei Pünktchen Vorsprung: Und vorbei war es mit der Beherrschung der Bremer. Die Bevölkerung befand sich im kollektiven Taumel. Der SV Werder Bremen wurde das erste Mal in seiner Geschichte Deutscher Fussballmeister. Während in Bremen der Jubel kein Ende fand, ging in Köln die Welt unter. Der 1. FC Köln hatte den Titel nicht verteidigen können. Unter Trainer Otto Rehagel gewannen die Bremer später so ziemlich alles, was es zu gewinnen gab. Und heute Abend, auf den Tag genau 45 Jahre, später geht es um den deutschen Pokal, gegen Bayern München. Also, ihr Fischköppe. Holt den Pott. Es muß ja nicht alles in München landen.
Ein Blick aus dem Fenster. Lausiges Wetter. Ein Blick ins Fernsehen. Lausiger Fußball. Ein Blick in die Politikseiten der Zeitungen. Lausige Politik. Kälte. Mieser Fußball. Pinkwart. Womit haben wir das vedient? Vor einem Jahr war’s lecker warm, gab’s keine WM-Vorbereitung, keine pinkwartische Ausschließeritis. Tja, das Wetter, die Nationalmannschaft und die FDP werden besser werden müssen.
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern. 1965 geschrieben und veröffentlicht von Franz Josef Degenhardt, gegen die tumbe Spießigkeit der deutschen Nachkriegsjahre. Die Geschichte eines Jungen aus feineren Kreisen, seine Freundschaft mit den Schmuddelkindern der Proleten. Ein Lied wider Karrierismus und Diskriminierung von einfachen Leuten, von Schmuddelkindern. 45 Jahre alt und offenbar aktueller denn je. Wer immer auch die Schmuddelkinder heute sein mögen.
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern,
sing nicht ihre Lieder.
Geh doch in die Oberstadt,
mach´s wie deine Brüder,
so sprach die Mutter, sprach der Vater, lehrte der Pastor.
Er schlich aber immer wieder durch das Gartentor
und in die Kaninchenställe,
wo sie sechsundsechzig spielten
um Tabak und Rattenfälle,
Mädchen unter Röcke schielten,
wo auf alten Bretterkisten
Katzen in der Sonne dösten,
wo man, wenn der Regen rauschte,
Engelbert, dem Blöden lauschte,
der auf einem Haarkamm biß,
Rattenfängerlieder blies.
Abends, am Familientisch, nach dem Gebet zum Mahl,
hieß es dann: Du riechst schon wieder nach Kaninchenstall.
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern,
sing nicht ihre Lieder.
Geh doch in die Oberstadt,
mach´s wie deine Brüder!
Sie trieben ihn in eine Schule in der Oberstadt,
kämmten ihm die Haare und die krause Sprache glatt.
Lernte Rumpf und Wörter beugen.
Und statt Rattenfängerweisen
mußte er das Largo geigen
und vor dürren Tantengreisen
unter roten Rattenwimpern
par coeur Kinderszenen klimpern
und, verklemmt in Viererreihen,
Knochen morsch und morscher schreien,
zwischen Fahnen aufgestellt
brüllen, daß man Freundschaft hält.
Schlich er abends zum Kaninchenstall davon,
hockten da die Schmuddelkinder, sangen voller Hohn:
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern,
sing nicht ihre Lieder.
Geh doch in die Oberstadt,
mach´s wie deine Brüder!
Aus Rache ist er reich geworden. In der Oberstadt
hat er sich ein Haus gebaut, nahm jeden Tag ein Bad.
Roch, wie bessre Leute riechen,
lachte fett, wenn alle Ratten
ängstlich in die Gullis wichen,
weil sie ihn gerochen hatten.
Und Kaninchenställe riß er
ab. An ihre Stelle ließ er
Gärten für die Kinder bauen.
Liebte hochgestellte Frauen,
schnelle Wagen und Musik,
blond und laut und honigdick.
Kam sein Sohn, der Nägelbeißer, abends spät zum Mahl,
roch er an ihm, schlug ihn, schrie: Stinkst nach Kaninchenstall.
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern,
sing nicht ihre Lieder.
Geh doch in die Oberstadt,
mach´s wie deine Brüder!
Und eines Tages hat er eine Kurve glatt verfehlt.
Man hat ihn aus einem Ei von Schrott herausgepellt.
Als er später durch die Straßen
hinkte, sah man ihn an Tagen
auf ´nem Haarkamm Lieder blasen,
Rattenfell am Kragen tragen.
Hinkte hüpfend hinter Kindern,
wollte sie am Schulgang hindern
und schlich um Kaninchenställe.
Eines Tags in aller Helle
hat er dann ein Kind betört
und in einen Stall gezerrt.
Seine Leiche fand man, die im Rattenteich rumschwamm.
Drum herum die Schmuddelkinder bliesen auf dem Kamm:
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern,
sing nicht ihre Lieder.
Geh doch in die Oberstadt,
mach´s wie deine Brüder!
Jürgen Manderla hat schlechte Laune nach einer schlaflosen Nacht. So zu lesen in der heutigen Ausgabe der Bergischen Morgenpost. Der Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion in Wermelskirchen fürchtet die “Ampel-Koalition”. Wie sagt man? Wie der Teufel das Weihwasser. Interessant. Im Wermelskirchener Rat bildet Manderlas FDP gemeinsam mit den Grünen die “Bürgermeister-Koalition”. Im Landtag aber kann und darf nicht sein, was im bergischen Kleinstädtchen offenbar problemlos geht. “Für Manderla ist klar: Die Wähler hätten nicht die Liberalen gewählt, um jetzt mit SPD und Grünen zusammenzugehen. Wobei er sich die Frage noch nicht beantwortet hat, ob nicht eine ‘Ampel’ besser sei als Rot-Rot-Grün. ‘Sicher wäre das dem Wähler besser zu transportieren. Aber wir sind inhaltlich zu weit auseinander – zum Beispiel bei der Atom- und der Schulpolitik.’ Er wisse nicht, wie das gehen solle.” So die Morgenpost. Der Wähler, Herr Manderla, hat die FDP gewählt, die Linken, die Grünen, damit im Landtag Politik für das Land und für die Menschen des Landes gemacht wird. Alle Abgeordneten sind Vertreter des Volkes, alle gleich viel wert, ob man einzelne von ihnen nun mag oder nicht. Das Votum des Wählers ist in der Tat eine harte Nuß für Politiker. Wer die Ausschließeritis bevorzugt, nur das Trennende in den Vordergrund stellt, der ist letztlich nicht politikfähig. Offenbar müssen Parteipolitiker noch lernen, die Belange des Landes vor die der Partei zu stellen. Wer verhindern will, daß die Linken eine Koalition mit Grünen und SPD eingehen, der darf sich einer rot-grün-gelb-blauen Koalition eben nicht verschließen. Denkverbote, Gesprächsverbote sind das Gegenteil von Politik. Es ist Zeit für Gespräche aller mit allen. Und für eine Entpinkwartisierung der Landespolitik.