Kategorie: Sonstiges

Kopf-Air-Bag

Ich habe mich hier neulich noch über Fahrradhelme ausgelassen. Polemisch. Mithilfe der Süddeutschen. Daß sie beknackt aussehen. Und die endgültige Demütigung für Radfahrer darstellen. Ich hatte bisher noch nicht so ein Ding. Noch nicht. Ich wollte mir einen Fahrradhelm kaufen, aller Demütigung zum Trotz. Jetzt brauchIMG_1280e ich keinen mehr. Ich fahre seit neustem mit Airbag. Richtig. Mit einem Fahrrad-Airbag. Einem Airbag für den Kopf. Einer Art Halskrause, in der sich ein Airbag befindet. Beim Sturz, bei einem Unfall lösen die Sensoren aus und schützen, mit Helium in Bruchteilen einer Sekunde aufgepumpt, Kopf und Hals beim Aufprall. Ein Kopf-Airbag. Ein Schutzprodukt aus Schweden. Die Frage bleibt. Ist eine Halskrause mit Patrone wirklich formschöner und ästhetischer als ein Hartschalen-Plastikhelm mit Lüftungsschlitzen in Signalfarben? Fragen  über Fragen. Jedenfalls könnte ich die Sicherheitshalskrause noch verschönern. Mit einem Überzieher, genau: in Signalfarben. Sozusagen einem Kopfairbagpräservativ …

Tag der Jogginghose

Doch, wirklich: Heute ist der Tag der Jogginghose. Auch. Daneben ist heute noch der Weltknuddeltag, der Tag des Müsliriegels und der Ehrentag des Eichhörnchens. Vier Gymnasiasten, Österreicher, Grazer, Alexander Piani nämlich, Matthias Strohmeier, Matthias Geisriegler und Martin Riesen haben sich diesen Welttag der Jogginghose einfallen lassen, seinerzeit, im Jahre Zweitausendundneun. Deren gemeinsame Schulklasse kam am einundzwanzigsten Januar, Fasching, für die Hiesigen: Karneval, Fastelovend, komplett in Jogginghosen zur Schule. So kann aus einem mäßigen Witzchen ein Mainstreamjokus werden. Denn der Tag der Jogginghose ist mittlerweile Kult, mit eigener Facebookseite. Ich halte es da eher mit Karl Lagerfeld: “Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.” Zum Beweis: Die Kölner Kultbänd The Piano Has Been Drinking mit ihrem Titel: Jogging Botz voll Bloot, die Jogginghose voller Blut.

Jogging Botz voll Bloot

 

Ne Blaue für en halve Stund Verzäll

Zibinge Mädche dunn dir einfach leid

Du wills se rushole us dä Kält

Janz ejal wat dich dat kosten däät

Unge platz en Fläsch op nem Lockekopp

Massive Hocker fleejen durch de Düür

Dä Weet es ruhig hä zahlt nie drop

Irjendeiner es em falsche Revier

He kleine Mann mach dich flöck fott

Dieh Huus brennt jrad aff

Ding Dööchter jonn kapott

Do sääs ihr se künnt zu dir noh Hus

Ding Frau wör Lehrerin un schwer kulant

Un du drücks se an ding Heldebrus

Die halve Stund es öm dä nächste es dran

Unge litt en Jogging Botz voll Bloot

Die bewääch sich noch hätt Schwein jehatt

Keiner hät jet jesinn keiner hät jet jehoot

Nur dä Papajei kräät: Ich maach dich platt

He kleine Mann maach dich flöck fott

Dieh Huus brennt jrad aff

Ding Dööchter jonn kapott

Fahr mit

Es existiert nur ein einziges brauchbares Argument gegen Fahrradhelme: Es sieht beknackt aus, die Schädelschalen aus Hartschaum zu tragen. Radler bewegen sich ja ohnehin oft als ästhetische Herausforderung durch das Stadtbild – Funktionswäsche in Signalfarben, wurstpellenartige Hosen und als endgültige Demütigung dieses Plastikding auf dem Kopf.

Sebastian Herrmann, Kommentar: Fahr mit, in: Süddeutsche Zeitung vom neunten Januar  Zweitausendundsechzehn

Licht

“Guck mal, der hat ja ganz lange, weiße Haare.” Das war der erstaunt-belustigte Begrüßungsruf von zwei kleinen Mädchen, vielleicht vier, fünf Jahre alt, auf winzigen Kinderfahrrädern, vorbildlich mit Fahrradhelm ausgestattet, eben, als ich auf der Bahntrasse meine samstägliche Radtour absolvierte. Wenn die Süßen wüßten, wie wenige lange Haare sich noch unter der Kappe befinden, wie licht der Schopf bei Licht besehen bereits ist.