Technologieoffenheit

Eine solche, breit gefasste und kritisch unterlegte Technologieoffenheit steht in krassem Gegensatz zu dem, was in der Politik, vor allem in der FDP, derzeit unter diesem Stichwort diskutiert und bestimmt auch beim Parteitag am Wochenende wieder Thema sein wird. Hier geht es oft nur darum, bereits bekannte und bekanntermaßen umweltschädliche Techniken weiter anwenden zu dürfen: um eine Art Hintertür, durch die man schlüpfen will, weil der Porsche-Motor so schön röhrt. Reduziert auf Dinge wie E-Fuels ist Technologieoffenheit bloß Schönfärberei. Gemeint ist: Ich will mir doch nicht alles verbieten lassen. Abgesehen davon, dass E-Fuels angesichts der zu erwartenden Preise dafür ohnehin kein Massenprodukt werden dürften: Solch ein Vorstoß zeugt von bemerkenswerter Rückwärtsgewandtheit. Es kann doch wohl nicht darum gehen, auf Verderb statt Gedeih am Vorhandenen festzuhalten. Weil in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig getan wurde, rennt der Menschheit jetzt beim Klimaschutz die Zeit davon. Anstatt Ressourcen darauf zu verwenden, Überkommenes wie den Verbrennermotor zu bewahren, wäre es viel besser, diese Kraft auf Zukunftstechnologien zu konzentrieren, die aus der Misere führen – und nicht weiter hinein. Das ist, nebenbei gesagt, auch eine Chance für das Hochtechnologieland Deutschland. Aber auch eine gewaltige Aufgabe.

Helmut Martin-Jung. Unter Affen, in: Süddeutsche Zeitung vom neunzehnten April Zweitausenddreiundzwanzig

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.