„Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort.
Dort treffen wir uns.“
Dschalal ad-Din ar-Rumi, persischer Dichter des 13. Jahrhunderts
Vollkommen Subjektives von Wolfgang Horn
Fünftausend Kilometer. Das ist seit dem Juli letzen Jahres meine persönliche Zwischenbilanz. Auf dem Rad. Überw
iegend erstrampelt auf der hiesigen Radtrasse und Nebenstrecken links und rechts der ehemaligen Bahnstrecke. Seit eineinviertel Jahren. Immerhin. Wie ich schon einmal hier geschrieben hatte: für einen älteren Herren mit Schrittmacher und Raucherlunge geht das. Mein Sohn Palle hat mich heute begleitet auf dem Weg nach Burscheid und zurück. Er war zumeist dabei, wenn ich eine glatte Tausenderzahl zu melden hatte. Und ab sofort arbeite ich am nächsten Tausender. Nach sechstausend Kilometern sollte hier wieder was vom Radeln zu lesen und der Tachometerstand zu sehen sein. Auf denn.
Tatjana Greiner? Nicht? Sagt Ihnen jetzt gar nichts? Nun denn. Das ging mir ebenso. Aber Tatjana Greiner ist seit Tagen eine richtige Mediengröße. In allen Gazetten spukt sie herum, im Fernsehen, im Netz. Tatjana Greiner ist “Miss Abschied”. Oder, wie andere schreiben, “Miss Bestatter”. Doch, doch, richtig gelesen. Miss Bestatter. Die Einunddreißigjährige hat sich unter
fünfundsiebzig Bewerberinnen um diesen Titel, einundzwanzig die Jüngste und sechsundfünfzig die Älteste, durchgesetzt. Allesamt Bestatterinnen oder weibliche Angestellte der Bestattungsbranche. Sie habe sich durchgesetzt, so die Begründung der Jury, da sie “nicht nur durch äußere Attraktivität, sondern ebenso durch ihre ‘inneren Werte’ überzeugt” habe und eine “einfühlsame, warmherzige junge Frau” sei, die mit beiden Beinen im Leben stehe und ihren Beruf mit großer Hingabe ausübe. Tja. Miss Abschied. “Die Wahl der ‘Miss Abschied’ mag auf den ersten Blick skurril erscheinen – doch das ist sie keineswegs. Wir wollen zeigen, dass auch der Bestatter-Beruf attraktiv ist.” Soweit der Ausrichter des Miss-Contestes, der Betreiber eines Internetportals zum Preisvergleich bei Bestattern. Ich bleibe dabei: Ein Contest unter Bestatterinnen ist auch auf den zweiten oder dritten Blick skurril. Sex sells. Aber bei der Kundschaft?
(Foto: www.presseportal.de/nr/77245 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Quellenangabe: “obs/Bestatter-Preisvergleich.de”)
Was für ein furchtbarer Tag. Eben erreicht mich die Karte, mit der annonciert wird, daß mein alter Freund Michael nicht mehr ist. Wenige Wochen nur, nachdem er sein letztes Buch- und Filmprojekt erfolgreich zu Ende gebracht hat. Eine Gemeinschaft, eine Freundschaft, die länger als dreiundvierzig Jahre währte, ist nun zu Ende. Fare well, Michael, Freund, Genosse, Kompagnon.

https://youtu.be/qkHuKvn5j-Y
But I just can’t keep from cryin’ sometimes,
No I just can’t keep from cryin’ sometimes,
When my heart is full of sorrow,
When my eyes fill with tears,
Well I just can’t keep from cryin’ sometimes.