Kategorie: Medien

“Genug ist genug”

Irgendwann ist es genug. Sollte es noch eines Beweises bedurft haben, dass Donald Trump dem Amt des Präsidenten der USA nicht gewachsen ist, dann hat ihn der 71-Jährige am Dienstag geliefert. (…) Bei dem Auftritt vor den goldenen Aufzugtüren in seinem heimischen Trump-Tower wurde ganz deutlich: Der Präsident hat seine verharmlosenden Äußerungen zur rechten Gewalt vom Golfplatz in Bedminster genauso gemeint. (…) Nun ist Trump wieder Trump. Ein ignoranter Prolet, der argumentiert, dass unter hakenkreuzschwingenden Neo-Nazis mit Fackeln und antisemitischen Parolen auch nette, friedliebende Menschen weilen. Schlimmer noch: Indirekt legt er nahe, dass die linken Gegendemonstranten eigentlich ein bisschen Mitschuld am Tod der 32-jährigen Heather Heyer tragen, die von einem fanatischen Neo-Nazi mit dem Auto getötet wurde. (…) Eine solche Relativierung von rhetorischer Brandstiftung und fanatischer Gewalt ist unerträglich. Sie zeigt, dass Trump jeglicher moralischer Kompass und die charakterliche Eignung fehlt, ein Land wie die USA zu führen. (…) Der Mann ist besessen von sich selbst und unfähig zur menschlichen Anteilnahme, er hat sich nicht unter Kontrolle, er sprengt die amerikanische Gesellschaft – und möglicherweise nicht nur die: er besitzt den Atomkoffer. Donald Trump müsste dringend seines Amtes enthoben werden. Das wissen auch viele Republikaner. Trotzdem sagen es nur wenige offen. Man kann das Taktik nennen. Oder Opportunismus. Tatsächlich muss man der Grand Old Party mit ihren hehren konservativen Idealen etwas anderes bescheinigen, wenn sie die Dinge weiter treiben lässt: moralische Verkommenheit.

Karl Doemens, Genug ist genug – US-Präsident Trump ist seinem Amt nicht gewachsen, in: Kölner Stadt-Anzeiger vom sechzehnten August Zweitausendundsiebzehn, 

Verrottet

Das Bild dieser jungen Frau geht gerade um die Welt. Es ist das Bild von Heather Heyer. Sie wurde gestern in Charlottesville ermordet. Von einem zwanzigjährigen amerikanischen Nazi aus der Kleinstadt Maumee in Ohio, der mit seinem Wagen mit hoher Geschwindigkeit in eine Gruppe abziehender Gegendemonstranten fuhr, nachdem die Demonstrationen vom Bürgermeister und der Nationalgarde aufgehoben worden waren. James Alex F., so der Name des Terroristen, kämpft für White Supremacy, für die Vorherrschaft der Weißen. Bei Facebook teilte er Bilder von Hakenkreuzen und Adolf Hitler als Baby. Er war dabei gestern als der Nazi-Mob aus dem ganzen Land in Charlottesville  Sieg Heil brüllte, Heil Trump, die Fäuste fliegen ließ und ihre Führer dem ganzen Land den Krieg erklärten. Wie verrottet, moralisch und politisch, muß eine Gesellschaft eigentlich sein, damit es zu solch einem Gewaltexzess kommt? Wie verrottet ist eigentlich der Präsident des Landes, der angesichts der Eindeutigkeit dessen, was in Charlottesville geschehen ist, von Gewalt auf vielen Seiten bramarbasiert? Wie verrottet ist eigentlich die politische Rechte hierzulande, die zu diesem terroristischen Gewaltakt von Rechtsradikalen nicht eine Silbe verlauten läßt?

Politische Bildung

Was soll ich da noch schreiben? Erklärt das nicht auch die Präsidentenwahl?

Fressen

Wenn einem im Sprechakt das Wörtchen “Fressen” plötzlich nicht mehr fein genug zu sein scheint.

Ja, so ein Abpraller, das wäre mal eine gefundene Situation.

Norbert Galeske, ZDF, heute während der Kommentierung des Frauenfußballeuropameisterschaftsspiels zwischen Deutschland und Rußland

“Helenefischerisierung des Fußballs”

Wenn ein Eigenname ein Phänomen beschreibt, hat man es zu einiger Bedeutung gebracht: kafkaesk, hartzen oder, für Simpsons-Fans, “einen Homer bauen” wären Beispiele. Helenefischerisierung ist nun nicht unbedingt schmeichelhaft gemeint (wenn auch nicht zwangsläufig ablehnend). Es verdeutlicht aber in jedem Fall die immense Größe der Namensträgerin. Helenefischerisierung wirft man auch dem deutschen Fernsehen gelegentlich vor. Vor allem dann natürlich, wenn Helene Fischer, die man dann eher nur Helene nennt, dort moderiert oder, wie zuletzt, dem alternden Showmaster Thomas Gottschalk etwas Quotenhilfe gibt. Helenefischerisierung, das wirft man auch dem deutschen Konzertbetrieb gern vor. Dann vor allem, wenn er versucht, die Showstandards der Fischer auch anderswo zu halten. Helenefischerisierung, das ist also eine inzwischen nicht mehr sehr kreative Generalanklage – und zwar an so ziemlich alles, was man an Deutschland zu oberflächlich und zu glatt findet. Eine Art Kommerz-Mainstream-Pendant zum Vorwurf “hipstermäßig”. Viel größer geht nicht.

Jakob Biazza, Sinn und Unsinn. Nicht zu greifen, in: Sueddeutsche Zeitung vom dritten Juni Zweitausendundsiebzehn

Altano in den Landtag

Wenn ich mir die Plakate in der Stadt so ansehe, fürchte ich, daß ich am vierzehnten Mai den Circus Altano in den Landtag werde wählen müssen.

Bela des Ersten

Gerade gelesen: Tom Bartels, der Bela des Ersten. Wohl wahr.

Demokratiegefährder

Als Demokratiegefährder sieht Hans Herbert von Arnim immer nur den Parteifunktionär, aber nicht dessen Pendants, wie etwa den vaterlandslosen, moralfreien Manager, den Geiz-ist-geil-Charakter und den Alles-sofort-Konsumbürger, der statt sich politisch zu informieren, geschweige denn sich in einer Partei, einem Verein oder der Kirche zu engagieren, lieber vor dem Computer hockt und zwischen seinen Bestellungen bei Amazon und Zalando mit argumentationsschwachen, aber meinungsstarken Beleidigungen in den sozialen Medien herumkoffert. Gerade angesichts dieser vielen anderen Probleme, mit denen sich Politiker, Gerichte, Medien, die Polizei und der Staat täglich herumschlagen müssen, ist es fast ein Wunder, wie gut alles – noch? – funktioniert unter dieser schlimmen Parteienherrschaft.

Es ist trotzdem gut, dass Hans Herbert von Arnim dieses Buch geschrieben hat. Bücher wie dieses befeuern die notwendige Dauer-Diskussion über die Fehler und Schwächen unserer Demokratie und können so dazu beitragen, dass sie besser oder zumindest nicht schlechter wird.

Christian Nürnberger, Parteienkritik. Deren Deutschland, in: Süddeutsache Zeitung vom zwanzigsten März Zweitausensiebzehn. Eine Rezension von Hans Herbert von Arnim: Die Hebel der Macht und wer sie bedient – Parteienherrschaft statt Volkssouveränität. Heyne-Verlag München Zweitausenundsiebzehn, vierhundertachtundvierzig Seiten,

Beischlafmetaphern

So kommt es dann, das plötzlich Roland Kaiser, jener Sänger, der wohl die meisten Metaphern für Beischlaf in seinem Gesamtwerk untergebracht hat („Haut an Haut verbrennen, auf das Feuer zuzurennen / Santa Maria, nachts an deinen schneeweißen Stränden, hielt ich ihre Jugend in den Händen / verbotene Träume erleben – ohne Fragen an den Morgen danach“), plötzlich Sartre zitiert und als bekennendes SPD-Mitglied kritisiert, dass in den heutigen Schlagertexten das Politische, der Zeitgeist zu wenig stattfinde.

Oliver Rasche, Über all dem kaschierten Sex schwebt Helene Fischer, in: Welt Online