Bella Ciao – in Persisch, gesungen von einer iranischen Frau

Die Alternative „Putin gewinnen lassen“ oder „ihn mit vereinter Hilfe, aber größten Opfern niederringen und das Risiko eines dritten, vielleicht atomaren Weltkriegs in kauf nehmen“ hat mich zunehmend sprachlos gemacht in den letzten Wochen. Dazu die Protestler, die „der Demokratie“ die Schuld geben oder der Regierung, statt dem Verbrecher im Kreml. Dazu die Befürchtung, dass die Trumpisten in den USA die Herbstwahlen gewinnen können und wir es in zwei Jahren abermals mit Trump oder einem seiner Fußstapfentreter zu tun bekommen … Dann würde das Weltschicksal von einem Verbrecher im Kreml, einem Verbrecher in Peking und einem Durchgeknallten in Washington bestimmt, und dazwischen die kleine, zerstrittene EU, in der es auch schon aus allen Ritzen nach Faschismus stinkt. Noch nie in meinem Leben habe ich mich so ohnmächtig und so pessimistisch gefühlt wie jetzt.

Um nicht völlig in Trübsinn und Defätismus zu versinken, schaue ich mir regelmäßig die Bilder von den iranischen Frauen an, wie sie ihre Kopftücher ins Feuer werfen, sich ihre Haare abschneiden, und: wunderbar singen. Europäische Lieder. Freiheitslieder. Hoffnungslieder. Aber auch hier das Gefühl der Ohnmacht: Ich kann nichts für sie tun. Und der hässliche, nagende, aus Erfahrung gespeiste Pessimismus: Wird wohl auch wieder enden wie alle Freiheitsbestrebungen zuvor. Mit brutaler Niederschlagung, Mord, Folter, Gefangenschaft. Wie in Belarus. Wie immer. Oder weiß jemand, wann zuletzt in der Geschichte aus einem Schrei nach Freiheit wirklich Freiheit wurde? Und dennoch: So lange ich lebe, werde ich nicht aufhören zu hoffen, dass es einmal gelingen wird, wenn es nur oft genug probiert wurde.

Und ich habe etwas entdeckt, was man trotz aller Ohnmacht tun kann und was ein kleines bisschen mehr ist als Solidarität zeigen, Liken und Petitionen unterschreiben. Man kann den mutigen Menschen, denen das Internet abgestellt wurde, weil sie sich im Iran – oder auch in Russland – mit ihrem verbrecherischen Regime anlegen, helfen, die Internetzensur zu umgehen, indem man etwas von seiner eigenen Internetbandbreite abzwackt und sozusagen spendet. Jeder kann das. Und es geht ganz einfach. Man braucht dazu nur eine Browser-Erweiterung, sie heißt Snowflake, und man kriegt es unter diesem Link: https://snowflake.torproject.org

Einfach herunterladen und in Chrome oder Firefox installieren. Ob es auch in Safari geht, weiß ich nicht. Auf der Website wird es nur für Chrome und Firefox angeboten. Also macht es. Je mehr sich daran beteiligen, desto schwieriger wird es für die Verbrecherregimes, ihre Völker vom Internet abzuschneiden.Wer mehr Infos dazu möchte, kriegt sie hier: https://www1.wdr.de/nachrichten/projekt-snowflake-100.html

Christian Nürnberger auf seiner Facebookseite

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