Angst nach dreiundachtzig Jahren 

Vor dreiundachtzig Jahren überfiel Nazideutschland Polen und löste damit den furchtbaren Zweiten Weltkrieg aus. Dreiundachtzig Jahre später überfällt Rußland, die größte Landmacht Europas, das territorial zweitgrößte Land Europas, die Ukraine. Mit der infamen Begründung unterlegt, es handele sich bei der Spitze des souveränen Staates Ukraine um Faschisten und Drogenabhängige. In meiner Lebenszeit gab es nur die Gewißheit, das es in Europa nicht mehr wieder zu einem derart furchtbaren Geschehen kommen werde, daß die Völker Europas niemals wieder Krieg gegeneinander führen und die Menschen niemals wieder auf die Schlachtbank des Nationalismus geführt würden. Der Zweite Weltkrieg war der vollkommene Verlust von Humanität und jeglicher menschlicher Kultur. Es war die bloße Barbarei. Wie angesichts dieser Erkenntnis nach dreiundachtzig Jahren erneut ein Land inmitten Europas überfallen werden kann, das zu den größten Opfern schon des Weltkrieges zählte, bleibt vollkommen schleierhaft. Vor allem in Nachkriegsdeutschland haben die Erfahrungen aus Faschismus und Krieg sowie die Erkenntnis der deutschen Schuld und Verantwortung für den Weltenbrand zu einer eher zurückhaltenden Position in der politischen Bewertung dessen geführt, was in der Sowjetunion und Rußland geschieht und als politische Strategie erdacht wird. Das Land, dessen Volk die größten Opfer im Zweiten Weltkrieg zu beklagen hatte, wird nunmehr mit einem barbarischen Angriffskrieg gegen ein “Brudervolk“ zum Aggressor. Die verstehbare „Friedenssehnsucht“ vor allem in Deutschland und der daraus folgende eher defensive Umgang mit russischer Politik haben, vom russischen Präsidenten alleine zu verantworten, ein jähes Ende gefunden. Die Entwicklung in Europa macht Angst, macht mir Angst.

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