Weltkußtag

Wovon mag man nicht alles träumen in den pandemischen Zeiten, in denen die Vorsicht regiert und Nähe gefährlich werden und krank machen könnte? Vom Küssen vielleicht. Dazu hat man heute allen Anlass, am Weltkußtag. Man mag es nicht glauben, aber dieser Tag wurde Anfang der neunzehnhundertneunziger Jahre in, nein, nicht im sündigen Frankreich, auch nicht im vermutlich nicht weniger körperbetonten Italien kreiert, sondern in Großbritannien, wo Leibliches eher verpönt ist, sieht man von Ale ab, von Stout, also Beer, Fish’n Chips oder Minze. Fürs Küssen sind die Engländer jedenfalls nicht berühmt, so wenig wie Schotten, Waliser oder Nordiren auch. Das Bonmot „No sex please, we’re British“ wird keinem Geringeren als Churchill zugeschrieben.

Der Tag wurde kreiert, so kann man lesen, um den Kuss schätzen zu lernen. Das mag den Ursprung in Großbritannien erklären. Von einer Kulturrevolution in diesem Sinne im Vereinigten Königreich war jedoch noch nichts zu vernehmen.

Der Kuss ist allerorten Ausdruck von Liebe, Freundschaft und Ehrerbietung. Und mehr: An den Lippen haben wir besonders viele Nervenenden und durch die Nähe werden beim Kuss Pheromone, sexuelle Duftstoffe, besonders gut übertragen. Ein Kuss kann so die sexuelle Lust steigern. Öffentlich entboten, gilt er in einigen Kulturen indes als anstößig, anderswo ist der Kuss von Erwachsenen auch verschiedenen Geschlechts, wenn sie nicht miteinander verwandt oder verheiratet sind, sogar eine strafbare Handlung.

Im europäischen Westen und in den meisten Ländern Nordamerikas gilt es heutzutage meist nicht mehr als anstößig, sich in der Öffentlichkeit zu küssen. Deshalb wird sogar ein Kußweltrekord notiert im Guinness-Buch der RekordeJames Belshaw und Sophia Severin sind die Rekordinhaber seit dem sechsten Juli Zweitausendundfünf, als sie einunddreißig Stunden, dreißig Minuten und dreißig Sekunden lang die Lippen kreuzten. Ob es Liebe war? Ob es Pausen gab? Ob sie sich während des Rekordkusses ernähren konnten? Ob sie die Stellung wechseln durften und konnten? Wo hat das Ganze stattgefunden? Nach welchen Regeln? Alles Fragen, die heute, am Weltkußtag gestellt, aber nicht beantwortet werden. Schade.

Ein Letztes noch: Zwei Drittel aller Menschen drehen beim Küssen ihren Kopf nach rechts.

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