Trübenfischer

Drei Tage ist es her, daß ich mich hier über den gemeinen Anschlag auf einen Obdachlosen in Berlin ausgelassen habe. Auf Twitter hat sich nun auch Henning Rehse ausgelassen. Henning Rehse? Der Fraktionsvorsitzende einer CDU-Abspaltung im hiesigen Stadtrat und erprobter politischer Raufbold. Mit einem Link zur Bildzeitung will er das “Bild vervollständigen”. Vervolbildschirmfoto-2016-12-28-um-16-07-10lständigen mit der Nationalität der Täter. Ist die Tat nicht übel genug? Wird der feige Anschlag noch schlimmer oder weniger schlimm, wenn wir wissen, woher die Täter stammen? Wäre die Tat für Rehse aushaltbarer, wenn sie von Deutschen begangen worden wäre. Von Isländern, Portugiesen, Peruanern oder Georgiern? Ist sie weniger aushaltbar, wenn sie womöglich Muslime begangen haben und keine Christen oder Juden, Atheisten oder Hindi? Warum benötige ich zur Bewertung von Abscheulichem die in der Bildzeitung erwähnten Heimatländer der mutmaßlichen Täter, Syrien und Libyen? Hat irgendjemand ein Verbrechen entschuldigt mit dem Verweis auf Krieg, wirtschaftliche Not, rassische Verfolgung, Folter, Bürgerkrieg, Unterdrückung von ethnischen Minderheiten, mangelnder Gesundheitsversorgung oder Bürgerkrieg? Nein und nochmal nein. Henning Rehse will im Trüben fischen. Er schürt Ressentiments. Es geht nicht wirklich um den Berliner Obdachlosen. Ihm liegt an Stimmung gegen Flüchtlinge. An einer Schürung der Ängste vor Fremden. An einer Spaltung der Gesellschaft. Mehr nicht mehr.

Nachtrag: Die Liste der Opfer rechter Gewalt weist seit Neunzehnhundertneunzig mindestens achtundzwanzig ermordete Obdachlose aus.

 

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