Nubbel

Der eine oder andere Nubbel wird heute Abend dran glauben müssen. Auf dem Scheiterhaufen vor einer Kneipe. Qualvoll und unter dem Leidgesang der Gemeinde, die ihre Trauer hemmungslos herausschluchzen wird. Für den Nichtkölner, den Imi, den imitierten Kölner, sei gesagt, daß der Nubbel eine Strohpuppe ist. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Und eine mit gehöriger Bedeutung. Der Nubbel, der unter dem Wehklagen der Gemeinde, der Jecken und der Trinkgefährten auf einer Bahre durch das Viertel getragen und hernach öffentlich verbrannt wird, symbolisiert den Karneval, dessen Session, die fünfte Jahreszeit, mit dem anbrechenden Aschermittwoch für ein ganzes, unerhört langes Jahr zu Ende gehen wird. Aber, natürlich, nicht ohne ein Spektakel. Wie es kaum etwas im Rheinland ruhig, ohne Spektakel zu feiern gibt. Vor der Kneipe wird dann eine Anklage vorgetragen, die in der Frage münden wird, wer denn Schuld trage dafür, daß das ganze Geld versoffen worden sei, wer denn Schuld habe dafür, daß man habe fremdgehen müssen. Und die Menge wird antworten: Dat wor de Nubbel, der Nubbel soll brenne. Mit der Nubbelverbrennung sind alle Sünden vergeben, so daß man nach der Verbrennung zurück in die Kneipe kann, um dort, jedenfalls die Stärksten der Trauer-Gemeinschaft, bis zum Morgen des Aschermittwoch, dem Ende der Karnevalszeit, weiterzusaufen.

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