Ein offenes Wort, Herr Weik

“Stadtspitze sieht keinen Grund zum Kondolieren.” Dieser schlanke Satz war gestern in meiner Zeitung zu lesen, dem Wermelskirchener General-Anzeiger. Der Bürgermeister war wohl von der Redaktion befragt worden, ob er angesichts der Attentate von Paris eine öffentliche Gedenkveranstaltung in Wermelskirchen plane, wie es sein Amtskollege in Remscheid bereits getan hatte. Die Hintergründe seien noch weitgehend unklar, befand der Bürgermeister. Das solle man erst einmal abwarten. Das, finde ich, ist nun mehr als befremdlich. Nein, lieber Herr Weik, die Hintergründe sind keineswegs unklar. In unserem Nachbarland gab es eine feige Attacke auf Menschen, auf die Freiheit der Presse und der Meinung, auf die Zivilisation, auf das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und religiöser und anderer Überzeugungen. Vorgeblich im Namen Gottes. Niemand kann Ihnen aufgeben, Herr Weik, eine Gedenkveranstaltung zu organisieren. Aber niemand darf auch mit einer mehr als fragwürdigen Formulierung abgespeist werden. Ob Sie persönlich kondolieren, in Paris oder Loches oder sonstwo, ist Ihre persönliche Angelegenheit. Aber ein erklärendes Wort zu den Vorgängen, zu denen Sie ja befragt worden sind, hätten viele Bürger gewiß gerne von Ihnen vernommen. Ich jedenfalls. Ich möchte hören oder lesen, daß mein Bürgermeister auf der Seite der Attackierten steht, mit ihnen fühlt, beschämt ist und erschrocken angesichts der sinnlosen Gewalt. Ich möchte hören oder lesen, daß der Bürgermeister Position bezieht gegen jene, die hierzulande ausgrenzende Positionen und Forderungen vertreten, gegen jene, die Menschen anderen Glaubens oder anderer Herkunft diskriminieren. Ich nehme das alles von Ihnen an. Aber ich erwarte von meinem Bürgermeister auch in solchen Fragen ein deutliches und öffentliches Wort. Was der Bundespräsident für das ganze Land kann und darf, kann und darf der Bürgermeister auch für unsere Stadt. Diese Chance ist vertan. Leider.

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