Liebe Stadtbibliothek Bonn: Fick dich.

So kann es einer gehen, die glaubt, eine andere möge Bücher ebenso wie sie selbst, arbeitet diese doch in einem Bücherhaus, einer Stadtbibliothek. Unter dem ergreifenden Titel :

Liebe Stadtbibliothek Bonn: Fick dich.

hat Claudia in ihrem Orbis, so heißt ihr Blog, also in ihrem Weltkreis eine sehr direkte Kritik veröffentlicht, die man einer relativ frisch promovierten Historikerin so gar nicht zutraut. Hier ein paar Ausschnitte:

Liebe Stadtbibliothek Bonn,
ihr seid süß. In eurer ganzen Provinzialheit und eurer unnachahmlichen Ignoranz verkörpert ihr alles, was ich an dieser Stadt verabscheue. Die Erwartungen, die ihr in Bezug auf euren Bestand und die damit verbundenen Spenden habt, sind im höchsten Maße albern.
Lasst euch von mir sagen, dass jeder Student einfach nur verdammt froh ist, wenn er ein gesuchtes Buch bei euch findet. So, dass er nicht gezwungen ist Geld für eine Fernleihe zu bezahlen oder gar ganz auf das Buch zu verzichten. Ihm ist es egal, ob die begehrte Ausgabe von Oldenbourg Grundriss Geschichte vier Jahre alt ist, denn eine vier Jahre alte Ausgabe zu haben, ist besser als gar keine zu haben. Das Tagebuch von Adam Czernaków, dem Ältesten des Warschauer Judenrates zu haben, vergilbt und verlesen, ist besser als es gar nicht zu haben.
Ich war so naiv, die Stadtbibliothek an sich als einen Hort des Wissens zu sehen, nicht als Laden, wo ich alle Twilight-Bücher kriegen kann. Man möge mir diese Naivität nachsehen, als Geschichtsmensch denke ich bei Bibliotheken nun mal vorrangig an Alexandria oder Pergamon; doch ich glaube, beide Bibliotheken würden sich aus Scham selbst erneut zerstören, wüssten sie, welche Inhalte eure Hallen heute bergen.
Als Kind war ich gerne bei euch und stampfte regelmäßig mit Tüten voller Comics nach Hause. Dann wurde ich erwachsen, studierte und fand hin und wieder einen Schatz in euren Regalen, für den ich dankbar war. Für beides möchte ich euch danken. Beides ist der Grund, dass ich die Bibliothek heute nicht, im Stile Neros, bis zu den Grundmauern abfackeln ließ.
Konzentriert euch ruhig weiterhin auf eure DVDs, CDs und Kassetten (!), eure putzigen wissenschaftlichen Abteilungen und lasst die richtigen Bibliotheken die Arbeit machen, auf die ihr offenbar keine Lust habt: Bücher zu sammeln. Ich jedoch werde eure Hallen nie wieder betreten. Es sei denn, ich führe eine Packung Streichhölzer mit mir.
In diesem Sinne
und mit dem geringstmöglichen Respekt

Mit dem nachfolgenden Link kann man die Beschreibung der Vorgeschichte und den konkreten Zwist nachlesen. Mit Vergnügen. Vergnügen, weil sich jemand öffentlich wehrt.

http://orbis-claudiae.blogspot.de/2013/10/liebe-stadtbibliothek-bonn-fick-dich.html

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