Totale Abwesenheit von Moral

Von der “totalen Abwesenheit von Moral” und “skandalösem Verhalten” soll hier die Rede sein. Von der totalen Abwesenheit von Moral sprach nämlich kürzlich ein veritabler EU-Kommissar, der, der für die Märkte in Europa zuständig ist, Michel Barbier aus Frankreich. Nein, nein, keine Bange, es geht nicht schon wieder um die FDP. (Wobei: Auch in diesem Kontext hätte ein EU-Kommissar genug zu tun, um die Marktwirtschaft zu sichern, wie man in dem Beitrag “Staatswirtschaft” nachlesen kann.) Es geht um die Banken in Europa. Wenn Zinsen zu Lasten der Kunden manipuliert werden, wenn mit Wetten auf Staatspleiten Gewinn zu machen versucht wird, wenn auf die Knappheit von Lebensmitteln spekuliert wird, also auf den Hunger von Millionen Menschen, wenn Gewinne den privaten Eignern zukommen, Verluste in Millionen- und Milliardenhöhe aber den Steuerzahlern aufgebürdet werden, wenn Millionen Euro in Bonuszahlungen für Manager investiert werden, obwohl die das Unternehmen gegen die Wand gefahren haben, ja, wenn dies alles die Charakterisierung eines Geschäftsmodells ist, dann muß man wirklich von der totalen Abwesenheit von Moral sprechen. Und man muß umgehend das Geschäftsmodell beseitigen. Die Banken, der gesamte Finanzsektor müssen reorganisiert und schärfer kontrolliert werden. Das Finanzwesen muß der Realwirtschaft dienen. Wie einst. Man komme mir jetzt nicht mit der Globalisierung. Wenn Globalisierung zwingend totale Abwesenheit von Moral bedeutet, dann muß man der Globalisierung politisch Einhalt gebieten, muß man Recht und Gesetze schaffen, national und international, Banken und Finanzunternehmen Grenzen aufweisen, so daß Moral, Anstand, Humanität nicht nur bloße Floskeln bleiben. Banken und Finanzunternehmen befinden sich nicht jenseits von Recht und Gesetz und nicht jenseits von Anstand und Moral. Wenn sie, Bänker und Finanzdienstleister, das nicht mehr wissen, muß man ihnen das wieder beibringen. Man? Wir alle. Wie? Auch durch Wahlen. Durch Proteste. Durch Gegenwehr. Wir dürfen nicht zulassen, daß unsere Kanzlerin von einer “marktkonformen Demokratie” daherschwätzt. Wir brauchen einen demokratiekonformen Markt. Wir brauchen Banken und Finanzdienstleister, die dem Gemeinwohl zumindest nicht schaden, besser: dem Gemeinwohl dienlich sind. Wir brauchen Banken, die der Wirtschaft dienen und den Menschen, die wirtschaftlich tätig sind. Also nicht nur den Eignern von Unternehmen, auch jenen, die den Wohlstand und Reichtum schaffen. Höre ich da jemanden “Sozialismus” schreien? Nein. Das ist alles kein Sozialismus. Das ist wohlverstandene Marktwirtschaft. Das ist bürgerliche Gesellschaft. Mit der totalen Abwesenheit von Moral aber geht auch die bürgerliche Gesellschaft zugrunde.

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