Lieschen Müller

Lieschen Müller ist eine berühmte Frau. Wer immer ein Beispiel für Blödheit, für eingeschränktes Denken, für die Ahnungslosigkeit des Durchschnittsmenschen braucht, bemüht diese berühmte Frau, Lieschen Müller. Politik wird nicht gemacht, wie Lieschen Müller sich das so vorstellt. Das wäre ein solcher Satz. Gemeint ist, daß Politik kompliziert ist, schwer zu entschlüsseln, nicht von jedermann zu verstehen. Jedenfalls nicht von Lieschen Müller, der teutonischen Durchschnittsfrau, sozusagen der personifizierten Frau Mustermann. In Wermelskirchen jedenfalls stimmt dieser Satz nicht. Hier wird Politik so gemacht, wie Lieschen Müller sich das so vorstellt.  Da wird eine Regelung getroffen, daß Radfahrer nach Fertigstellung der Radtrasse gegen die Einbahnstraßenrichtung in der Telegrafenstraße fahren dürfen. Ein Jahr lang soll diese Regelung ausprobiert werden. Das stört aber Autofahrer, die sich von den Verkehrsbeschränkungen der Wermelskirchener Hauptstraße nicht im Geringsten beeindrucken lassen. Sie fahren schneller, als erlaubt, halten und parken, wo es verboten ist. Zugleich verwaist die für den Autoverkehr vorgesehene Brückenstraße. Und jetzt kommen die Radfahrer und beleben die Innenstadt, die Telegrafenstraße. Und also macht sich die Autofahrerlobby sofort auf die Socken, besser: auf die Reifen. Im Verkehrsausschuß beschließt eine knappe Mehrheit von CDU, WNKUWG und Bürgerforum, den Radverkehr aus der Telegrafenstraße zu jagen. Man sieht förmlich, wie sie hinter ihren Rücken die Finger kreuzen, während sie nach vorne das hämische Grinsen nur mit Mühe unterdrücken können und zugleich ihre Sorge um die unfallfreie Existenz von Radfahrern in die Mikrophone und Notizblöcke diktieren. Die Autolobby, wie sie leibt und lebt. Dann kommen die ersten Proteste, natürlich, es regt sich Widerstand, das Ganze wird in der Stadt diskutiert, die Presse nimmt sich des aberwitzigen Vorschlags der Autolobby an. Und nun? Die CDU schweigt noch vornehm, das Bürgerforum auch. Offenbar nicht ahnend, daß sie dabei sind, ihre politische Reputation vollends zu verspielen. Die WNKUWG hingegen, fürs Zaudern nicht bekannt, fürs bedächtige Abwägen, aber offenbar mit einer Ahnung, einem Näschen für zu erwartende Ablehnung beim Wähler ausgestattet, liefert den ersten verwegenen Schnellschuß. Der irre Vorschlag: Die Einbahnstraßenregelung in der Telegrafenstraße umdrehen, den Radverkehr auf die Brückenstraße abdrängen. Nicht Denken, Handeln. Schnell sein, der Erste, egal mit welchem Vorschlag. Im Gespräch bleiben. Hier in Wermelskirchen wird Politik nicht gemacht, wie Lieschen Müller sich das so vorstellt. Hier in Wermelskirchen macht Lieschen Müller Politik. Die Lieschen Müllers in CDU, WNKUWG und Bürgerforum machen Politik und der Bürger kann sich nur noch an den Kopf fassen.

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