Bartschatten

Wenn ich diesen schmalen Mann mit dem unsicheren Blick und dem dunklen Bartschatten sehe, möchte ich ihn immer in den Arm nehmen, ganz doll knuddeln und einfach nur trösten. Die ganze jämmerliche Gestalt schreit nach Mitleid. Philip Rösler ist eine personifizierte, nie erfolgte Einladung zum Kindergeburtstag. Ein Häuflein Elend, auf dessen Stirn geschrieben steht: „Was soll ich hier? Und wo, verdammt noch mal, ist der Ausgang?“ Das alles wäre ja nur halb so schlimm, wenn es da einen gäbe, der den kleinen Phillip an die Hand nimmt, der ihm sagt: „Komm, lass gut sein“ und ihm einen Lolli schenkt. Aber da ist keiner. Sein hilflos durch die Welt torkelnder Verein, die FDP, ist mittlerweile eine depressive Therapiegruppe ohne Aufgabe, mit Bunkermentalität und nur einem einzigen Punkt im Parteiprogramm: Angst. Angst vor der nächsten Umfrage, Angst vor den Menschen da draußen. Und ganz, ganz große Angst vor dieser bösen, dicken Frau, deren Hosenanzug „Kanzleramt“ heißt. (…) Und er hat seine Chance genutzt, eine sichere Karriere als beliebter Arzt in Hannover umzuwandeln in eine Scherbenhaufenkarriere als farblosester Parteivorsitzender des sich als liberal begreifenden Jammerlappenvereins namens ‚Du-weißt-schon-wer’, dessen herausragendste Eigenschaft es ist, noch weniger potentielle Wähler zu haben als die NPD. Und neidisch ist er, neidisch auf diese andere Partei ohne Konzept, aber mit Wählern: Die Piraten. Nun sitzt Rösler da, macht ab und zu mal „Hallo, ich bin auch noch hier!“, um überhaupt mal wahrgenommen zu werden, und guckt ansonsten seinen Fingernägeln beim Wachsen zu. Weil das das einzige ist, was in der FDP noch über Wachstum verfügt. Abgesehen von Rainer Brüderles Leberwerten. Doch was seine Konzeptlosigkeit, seine Unsicherheit und den traurigen Bartschatten angeht, passt Philip Rösler ja doch vielleicht ganz gut zu seiner Partei. Insofern wünsche ich ihm alles Gute für die letzten paar Wochen FDP. Und einen geordneten Untergang. Und eine sinnvolle neue Tätigkeit als Landarzt in Niedersachsen. Selbst so einen wie ihn könnte man dort gut gebrauchen.

(Auszüge aus einem Kommentar von Nils Heinrich heute auf WDR5)

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