Pharisäer

Kaum hat der Landtagswahlkampf begonnen, beschädigt sich die CDU bereits, indem sie eine interne und öffentliche Debatte darüber führt, ob der Spitzenkandidat und Bundesminister Norbert Röttgen nach der Wahl in Berlin auf dem warmen Ministersessel bleiben darf oder in Düsseldorf auf die harten Oppositionsbänke muß. Was soll ich gegen eine solche Selbstdemontage einwenden? Nichts. Außer, daß ich das Gezänk, an dem sich die Medien munter beteiligen, für idiotisch halte. Wer wäre gerne Anführer namenloser Niemande in der Opposition eines Landesparlamentes, selbst wenn es sich um das größte Bundesland handelt, wenn er auch die Rolle eines Bundesministers in Berlin spielen könnte? Alle, die sich der Politik verschreiben, wollen gestalten, herrschen, die Verhältnisse ändern oder bewahren, also Macht und Einfluß ausüben. Und Norbert Röttgen gewiß. Es ist verklärendes Gerede von Pharisäern, den Tausch von Berlin gegen Düsseldorf zur politischen Großtat und zur Voraussetzung für eine Spitzenkandidatur zu überhöhen. Mir soll es recht sein, wenn die CDU diesen mediokren Streit führt. Nach Lage der Dinge wird sie sich ab Mai ohnehin die Oppositionsstühlchen im nordrhein-westfälischen Landtag mit den Piraten teilen. Vielleicht ohne Norbert Röttgen. Aber das macht dann auch nichts mehr.

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