Gedehnte Zeit

Mehr als zwei Monate währt meine Schreibpause nun schon. Mehr als zwei Monate plage ich mich mit diversen Wehwehchen herum, mit Ärzten, Medikamenten, Apotheken, Röntgenapparaten, Computertumographen, mit Verbänden, Salben, Tabletten. Schließlich nun auch mit dem Hospital und seinem Personal, mit Inhalationen, mit dem permanenten Gurgeln der Sauerstoffzufuhr, den Schlafgeräuschen meiner seit heute drei Zimmergenossen, mit frühem Wecken, nur matt gewürztem Mittagessen schon gegen halb Zwölf, den stets zur Unzeit klingelnden Handies oder Festnetztelefonen, deren Klingelton weiß Gott nicht angenehmer ist als der allerschrägste Handyton. Der Kaffee ist reizarm, das Wasser still. Die stets hastenden Ärztinnen sind immer in Eile. Die Folge: An keinem anderen Ort der Welt als in einem Krankenhauszimmer wird Zeit mehr gedehnt, für die Patienten. Wecken, Frühstück, Mittag- und Abendessen strukturieren den Tag. Bisweilen die Visite, der Besuch der Oberärztin mit dem Tross der rangniederen Ärzte und ranghöheren Pflegerinnen und Pfleger im Schlepptau. Die Krankenakten werden im gleichen Verhältnis dicker, wie die Unsicherheit und Besorgnis der Patienten zunimmt. Gestern habe ich die gedehnte Zeit genutzt, drei eher schmale Bändchen von Frank Goosen – für jeden Fußballliebhaber sehr zu empfehlen -, Vince Ebert – naja, ganz nett, aber mir zu affirmativ – und – sehr zu empfehlen, jederzeit ein Leseschmaus – Nick Hornby gelesen. Der armselige Minivorteil gedehnter Zeit.

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