Post von Jürgen Rüttgers

Zwei Tage in Berlin. Zwei Tage ohne Landtagswahlkampf. Wieder zurück finde ich einen Brief in der Post. Mein Ministerpräsident hat mir geschrieben, Jürgen Rüttgers. “An die Bewohner des Hauses Hagenstraße” undsoweiter. Seine, Jürgen Rüttgers’ Führung habe das Land gut durch die Krise geführt, jetzt drohe politisches Chaos, drohten rot-rot-grüne Experimente, SPD und Grüne wollten die Macht um jeden Preis. Kein Wort zu den Finanzaffairen der CDU, zum Ministerpräsidentenkauf, zum Verstoß gegen das Parteiengesetz, kein Wort, natürlich, über die West-LB, kein Wort über die Spende an die Hoteliers, die Jürgen Rüttgers ja mitbeschlossen hat. Kein Wort zu den drängenden Fragen der Bildungspolitik, kein Wort zum erbärmlichen Zustand der Kommunalfinanzen. Nichts von alldem. Tja. Jürgen Rüttgers, ich werde Sie enttäuschen müssen. Auch, wenn Sie nun, in der letzten Minute, den Versuch starten, mir und den anderen Wählern Angst machen zu wollen. Meine beiden Stimmen werden Sie nicht bekommen können. Denn vor allem Sie wollen die Macht um jeden Preis. Anders sind die vielen Skandale und Skandälchen in der CDU und um die CDU nicht zu erklären. Die SPD ist nach neununddreißig Regierungsjahren in NRW mit Recht abgewählt worden. Sie werden es vermutlich nach nur fünf Jahren schaffen, abgewirtschaftet in die Opposition gehen zu müssen. Ich werde für ein besseres Bildungssystem im Land stimmen. Ich werde für eine bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen stimmen. Ich werde für die Abschaffung der Studiengebühren stimmen. Ich werde gegen Unterstützung des Hotelgewerbes stimmen. Ich werde, kurzum, meine Stimmen an Oliver Deiters und Hannelore Kraft geben. Ihrem nächsten Brief sehe ich mit gespannten Erwartungen entgegen.

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