De mortuis nihil nisi bene.

Über Tote rede man nur Gutes. So halten es durchweg alle Journalisten und Kommentatoren, die sich dem Ableben von Otto Graf Lambsdorff widmen. Als knorriger und disziplinierter Politiker alten Schlages wird er gewürdigt, als geradlinig, als unabhängig. Als mit bestechender rhetorischer Brillianz gesegneter Mahner der Bewahrung der sozialen Marktwirtschaft. Mag ja alles sein. Ich behalte ihn eher als Verfasser des “Lambsdorff-Papieres” in Erinnerung, mit dem die sozialliberale Koalition 1982 ausgehebelt und der politische Wortbruch hoffähig wurde. Oder als eine der Hauptfiguren in der Flick-Parteispenden-Affaire, für die er 1987 eine Geldstrafe erhielt. All jenen, für die er eher der Bewahrer liberaler Wirtschaftspolitik ist, sei gesagt, daß er sich vor seinem Tod zu einigen Passagen des Koalitionsvertrages ausgesprochen kritisch geäußert und die weitere Verschuldung des Bundes für verhängnisvoll gehalten hat.

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