Schlagwort: Charlie Hebdo

Musik, Küsse, Leben, Champagner und Freude

„Freunde in aller Welt, danke für Eure Gebete für Paris, aber wir brauchen nicht mehr Religion. Wir glauben an Musik! Küsse! Leben! Champagner und Freude!“

Einer der Zeichner von Charlie Hebdo, zitiert von Ulli Tückmantel in seinem Kommentar: Was jetzt zählt: Einigkeit und Recht und Freiheit, Westdeutsche Zeitung vom sechzehnten November Zweitausendundfünfzehn

Lästerliches

Unter der Überschrift: Ich bin beleidigt schrieb Burkhard Schröder in seinem Blog:  Was ich noch sagen wollte: Meine atheistischen Gefühle werden immer dann provoziert und sehr beleidigt, wenn Verehrer höherer Wesen beleidigt sind, wenn man sich über ihre lächerlichen frommen Märchen lustig macht. Dem kann un151115_1d darf man zustimmen. Hierzulande jedenfalls. Ich bin ja nur selten wirklich einer Meinung mit dem bekanntesten Wermelskirchener, wenn man einmal von Carl Leverkus absieht oder dem Pfarrer Dellmann, Christian Lindner nämlich. Der junge Chef der um ihre Existenz ringenden Freien Demokratischen Partei, genaudie mit der neuen Farbe Magenta neben Blau und Gelb, hat sich nämlich kürzlich für die Abschaffung des Blasphemieparagraphen im deutschen Strafrecht ausgesprochen. Dieser Paragraph Einhundertsechsundsechzig des Strafgesetzbuches bedroht Menschen, die den öffentlichen Frieden durch die Beschimpfung religiöser Bekenntnisse oder deren Einrichtungen, Bräuche und Besonderheiten gefährden, mit bis zu drei Jahren Haft. „Wenn Terroristen die freie Gesellschaft angreifen, antworten wir mit mehr und nicht weniger Freiheit. Der sogenannte Blasphemieparagraf 166 StGB gehört abgeschafft“, sagte Lindner im Gespräch mit der Zeitung. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Unabhängigkeit der Medien sollten nicht vor Religionen halt machen müssen. Auch eine Zensur aus vermeintlich guten Motiven mache unfrei – erst im Handeln, dann im Denken. „Künstler und Journalisten sollen wissen, dass wir ihre Freiheit und Unabhängigkeit gerade dann verteidigen, wenn sie unbequem sind.“ Mit Lindner bin ich der Meinung, daß Religionsgemeinschaften Satire und Spott ebenso ertragen müssen wie jeder Bürger, jede Partei, jeder Verein und jede andere gesellschaftliche Institution auch. Hans Michael Heinig, Professor für Öffentliches Recht, Kirchenrecht und Staatskirchenrecht in Göttingen und Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland, plädiert ebenfalls für die Beseitigung des Blasphemieverbots. „Eine Streichung würde deutlich machen: Die Presse- und Kunstfreiheit hat Vorrang vor dem diffusen Schutz religiöser Gefühle“, erklärte er. Zwar gebe es in Presse und Kunst zuweilen unappetitliche Auswüchse. Diese seien aber hinzunehmen oder mit Gegenrede zu erwidern.

Seit an Seit

In Frankreich wurden heute Journalisten ermordet und die Pressefreiheit wurde mit Kalaschnikows und Raketenwerfern bedroht, von Killern, gleich welcher Religion. In Dresden waren es am Montag Abend achtzehntausend, die „Lügenpresse“ schrieen und von „Systempresse“ faselten, gleich welcher Religion. Beiden Seiten geht es nicht um Meinungsfreiheit, um Pressefreiheit, um offene Debatten, um unterschiedliche Meinungen, um Streitkultur. Die einen morden und terrorisieren vermeintlich im Namen von Allah, um den Propheten zu rächen, brutal, kaltblütig, gefühllos, unmenschlich; die anderen stänkern und polemisieren simplifizierend fürs vermeintliche Abendland und haben grundlegende christliche Werte preisgegeben, Nächstenliebe, Menschlichkeit. Fremdenhass und Islamfeindlichkeit geben sich die Hand mit Brutalität, Mord geht Seit an Seit mit Xenophobie.

Je Suis Charlie

Welch furchtbarer Tag. Islamisten und Islamhasser liegen sich in den Armen. AfD-Scharfmacher Gauland hat bereits den schäbigen Versuch unternommen, das feige Attentat und die Toten von Charlie Hebdo in Paris zu missbrauchen. Es gibt keine Rechtfertigung für Terrorismus. Und keine für Fremdenhaß und Ausländerfeindlichkeit. Die Scharfmacher auf beiden Seiten brauchen sich gegenseitig10614376_10152488652781831_6826843124187115453_n. Die Islamisten und ihre Haßprediger brauchen die Pegida und ihre Haßprediger. Terrorismus ist unislamisch. Und Pegida unchristlich. Weil sie gegen das Gebot der Nächstenliebe verstößt. Wir müssen jetzt zusammenstehen, um einen gefährlichen religiös motivierten Konflikt in Europa zu verhindern. Wir brauchen keinen Krieg der Kulturen, wie ihn die Hintermänner des Terrorismus und die Gegner des Westens sowie die Falken hierzulande wollen. Antislamische Gruppen wie Pegida sind deren nützliche Idioten, weil sie die Stimmung aufheizen Wenn Islamophobie und Extremismus den Diskurs über den Islam und Migrationspolitik dominieren, wird es gefährlich, für uns alle und unsere Demokratie.

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