Kategorie: Sonstiges

Tag des Apfelkuchens

Heute ist der Tag des Apfelkuchens. Niemand weiß, warum. Niemand kennt den Ausrufer. Niemand den Anlaß. Lediglich, daß dieser Feiertag aus den USA zu uns herübergeschwappt ist, ist bekannt.

Damit aber nicht genug. Heute wird zudem der Tag der Tulpen begangen, der World Cocktail Day sowie der Tag des Fruchtcocktails. Der Tag des Apfelstrudels hingegen, der Apple Strudel Day, wird am siebzehnten Juni begangen, der des Kirschkuchens am zwanzigsten Februar, der des Käsekuchens am dreißigsten Juli.

Zurück zum Apfelkuchen. Der gilt als Inbegriff der US-amerikanischen Kultur. Schlimm genug. „As american as apple pie“. Der Riemchen-Apfelkuchen. Seit dem neunzehnten Jahrhundert entwickelte sich der Apple Pie zum Symbol des amerikanischen Wohlstands und Nationalstolzes, in der Zeit des Zweiten Weltkriegs im Slogan gipfelnd: „For Mom and apple pie!“ als Standardbegründung amerikanischer Soldaten für Ihre Teilnahme am Krieg.

Hierzulande kennt die Apfelkuchenbackkultur Varianten. Mal Hefe-, mal Rühr-, mal Mürbeteig. Immerhin.

Nutellatag

Ein Tag, den die Welt nicht braucht. Nein, nicht der fünfte Februar. Den braucht die ganze Welt. Und ohne diesen Fünften wäre der Februar ja noch kürzer. Nein, was die Welt nicht braucht, außer vielleicht dem Ferrero-Konzern, ist der heutige „Welt-Nutella-Tag“. Vor elf Jahren, Zweitausendundsieben, wurde der Welttag von Sara Rosso, einem echten Nutella-Fan, ausgerufen. Die Amerikanerin aß in Italien erstmalig die dunkle und festbreiige Schokoladen-Nougat-Industriezutaten-Masse und kam hernach von dem süß-mächtigen Brotaufstrich nicht mehr los. Sie sammelte in der Folge über siebenhundert Rezepte, die alle Nutella als Zutat aufweisen. Nach anfänglichen Irritationen unterstützt mittlerweile auch der Nutellakonzern Ferrero diesen Tag. Ach ja: In Frankreich hat ein Gericht Eltern verboten, ihr Kind Nutella zu nennen. Gottlob.

Inbrunst

Gestern Abend. Der fünfundsechzigste Geburtstag eines ganz alten Freundes. Eine Geschlossene Gesellschaft in Ehren Ergrauter in einer Kölschen Eckkneipe mit Geschichte. Aber auch ein Fest wie damals, als wir noch mit blonden, brünetten oder schwarzen, jedenfalls langen Haaren unterwegs waren. Ein schönes Fest. Zu vorgerückter Stunde wurde gesungen. Lauthals. Wie damals. Wie oft bei solchen Gelegenheiten. Viele der Gäste hatten immerhin gemeinsam oder zur gleichen Zeit studiert und viele verbindet langjährige politische Arbeit. Das Liedgut? Schlager, Kölsch und Revolutionsromantik. Griechischer Wein gleichwertig neben der Partisanenhymne Bella Ciao, Yesterday neben Arsch huh – Zäng ussenander. Dazu noch Bläck Fööss-Evergreens, Katrin oder In unserem Veedel. Gesungen? Geschmettert. Mit Inbrunst. Es sollte vielleicht mehr solcher Feste geben.

Zweitausendachtzehn

Ein Freund und ehemaliger Kollege hat heute in Facebook geschrieben, daß ein namentlich nicht genannter Freund von ihm vegan lebe und bei jedem Wetter mit dem Fahrrad fahre. Aber an Silvester schicke er mit kindlicher Freude gerne ein paar Raketen gen Himmel. Arne, mein Freund, fragt nun, ob der klimatische Fußabdruck nun größer als der derjenigen sei, die hier mit großer Geste ihre “Böllerabstinenz” öffentlich machten und alle “Knalltüten” zu rücksichtslosen Idioten erklärten? „So wichtig und richtig ein nachhaltiger Lebensstil ist, so überflüssig ist jedweder volkspädagogische Impetus mit dem dieser herausposaunt wird. ‚Jeck loss jeck elans‘ sagen wir hier in Köln, was so viel bedeutet, dass jeder nach seiner Facon leben kann, so lange es ein gewisses Maß an Rücksichtnahme auf der einen und ein gewisses Maß an gelassener Geschmeidigkeit auf der anderen Seite gibt. Für 2018 wünsche ich mir mehr Toleranz und weniger evangelikale Besserwisserei. Vielleicht ist es ja auch mal ein guter Vorsatz, die eigenen Laster bewusst zu genießen, der Unvernunft ihren Raum zu geben und die Laster des Gegenübers milde wegzulächeln. In diesem Sinne wünsche ich allen hier ein frohes und ein sinnliches neues Jahr!“ Dem schließe ich mich ohne jeden Vorbehalt an. Toleranz, Rücksichtnahme und Geschmeidigkeit, Unvernunft, Laster und Lächeln können das neue Jahr nur besser machen. Ich wünsche allen Freunden und Bekannten ein frohes Jahr Zweitausendundachtzehn. Danke, Arne, für die Vorlage.

Wurst statt Diesel

Volkswagen verkaufte Zweitausendundfünfzehn mehr Currywürste als Autos. Genau genommen gut sieben Millionen Currywürste, aber „nur“ knapp sechs Millionen Fahrzeuge. Die Wurst wird seit Neunzehnhundertdreiundsiebzig vertrieben und sollte ursprünglich nur in den VW-eigenen Werkskantinen angeboten werden. Mittlerweile verkauft der Automobilkonzern Würste in elf Länder.

Neunzehnhundertsiebenundsechzig

Ich selber hätte nicht daran gedacht. Wie auch? Nach fünfzig Jahren. Ich war ja erst sechzehn. Neunzehnhundertsiebenundsechzig. Und Schüler. Mitglied der “Aktion kritischer Schüler”. Am Stadtgymnasium in Porz, heute eingemeindet nach Köln. “Iskra” hieß die Schülerzeitung. Der Funke. Wie die revolutionäre Zeitung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands, die Anfang des letzten Jahrhunderts drei Jahre lang unter Federführung Lenins erschien. Kein Wunder also, daß ich mich in dieser Zeit entschied, Mitglied in der Gewerkschaft zu werden. Wenn die Schülerzeitung schon einen derartigen Namen bekommt. Das war ja mehr Programm als nur Name. Gewerkschaftsmitglied. Auch als Schüler. Und so traf es dann die IG Chemie. Warum auch immer. Jedenfalls bin ich seither Mitglied der deutschen Gewerkschaftsbewegung. Nach der Schule bei der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands, als Student und Medienwissenschaftler bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, hernach, als Journalist und Produzent, als Mitglied der Industriegewerkschaft Medien – Druck und Papier, Publizistik und Kunst (IG Medien). Heute ist das Ver.di. Die vereinte Dienstleistungsgewerkschaft. Der öffentliche Dienst, die Journalisten und Publizisten, die Lehrer, kommunale Angestellte und Beamte, der Handel, Verkehr, Informationstechnologie oder Telekommunikation. Alles und noch mehr: Ver.di. Und Ver.di hat auch an das Jahr Neunzehnhundertsiebenundsechzig gedacht und meinen seinerzeitigen Eintritt in die Gewerkschaft. Vor ein paar Tagen ging mir eine Urkunde zu und eine Ehrennadel für die fünfzigjährige Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. Gestern dann fand die Jubilarenehrung in der Wuppertaler VillaMedia statt. Ein würdevoller Rahmen. Für die Gewerkschaftsmitgliedschaft zwischen fünfundzwanzig und 70 Jahren. Ja, siebzig und fünfundsechzig Jahre. Eingetreten Neunzehnhundersiebenundvierzig oder Neunzehnhundertzweiundfünfzig. Das gibt es. Und das wird zu Recht gefeiert. Ich persönlich habe allen Grund, der Gewerkschaftsbewegung dankbar zu sein. Denn schließlich hat mich die Stiftung Mitbestimmung während meines Studiums gefördert. Ohne diese Förderung wäre seinerzeit ein Studium des Arbeiterkindes Wolfgang Horn kaum denkbar gewesen.

Ansturm

Wie die Dinge heute in der Welt liegen, haben wir es ja auch mit dem Ansturm des vermeintlich Simplen auf das in Wahrheit Vertrackte zu tun, mit den Attacken der Plattheit auf das Nachdenkliche, und mit dem Feuer der Wut, das alles Schwierige niederbrennen soll.

Axel Hacke, Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen, Seite Vierundzwanzig, München Zweitausendsiebzehn, (Verlag Antje Kunstmann)

Kuhleasing

Kuhleasing? Nein, nein, es ist nicht der erste April heute am neunundzwanzigsten August. Kuhleasing gibt es wirklich. „Sie suchen ein originelles Geschenk zum Geburtstag, zur Pensionierung, zur Hochzeit oder einfach so? Wieso schenken sie nicht eine Kuh für einen Sommer oder für einen Monat auf einer unserer Partneralpen. Nehmen sie Kontakt mit mir auf …“ undsoweiter. Hier nachzulesen. Kuhleasing, eine Geschäftsidee aus der geschäftstüchtigen Schweiz. Für den Menschen, der auch ansonsten problembefreit leben darf. Sie suchen ein originelles Geschenk zum Geburtstag, zur Pensionierung, zur Hochzeit oder einfach so? Wieso schenken sie nicht einen Flüchtling oder einen anderen Menschen in Not für einen Sommer oder für einen Monat oder eine andere Zeitspanne in einer unserer städtischen Behausungen oder an jedem anderen Platz hierzulande? Notleasing. Nehmen Sie Kontakt auf zu den Flüchtlingsinitiativen, zu sozialen Einrichtungen, zu Hilfsorganisationen. Dort wird man Ihnen Menschen in Not vermitteln können, deren Anblick und Nähe Ihnen in Ihrem normalen Privat- oder Arbeitsleben erspart bleibt.

Norbert

Mein Freund Norbert ist gestorben. Im April schon. Und gestern erst habe ich davon erfahren. Norbert hatte verfügt, daß er keine Trauerfeier wolle, keinen Versand von Sterbeanzeigen, kein Grab, keinen Gedenkstein. Seine Asche sollte verstreut werden. Fünfzig Jahre lang waren wir verbunden. Kennengelernt habe ich ihn als Sechzehnjähriger. Eine Partei und die Arbeit für diese Partei hatten uns zusammengeführt. Ein aufrechter Demokrat, ein Streiter für Gerechtigkeit, ein Kämpfer für eine bessere Gesellschaft, unerschrocken, beharrlich. Das waren viele damals. Norbert aber war auch ein Freund. Ein unbedingter Freund. Und er blieb ein Freund, auch und vor allem, als sich unsere politischen Wege trennten. Freundschaft war ihm immer Loyalität, unumstößliche Loyalität. Wir haben gestritten, politisch, aber wir blieben die ganzen Jahre verbunden, persönlich, als Freunde. Respekt vor dem anderen, Achtung für die andere Meinung, Lust an der Debatte, Neugier, warme und grenzenlose Menschlichkeit. Das war Norbert. Und Standfestigkeit. Er hat seine Partei nicht verlassen. Auch, als sie ihm fremder wurde, unverständlicher, schräger. Mitunter hatten wir uns lange nicht getroffen, Monate lang nicht gesehen. Aber dann wars, als wären wir gestern erst auseinander gegangen. Immer. Mit einem Lachen begrüßt, mit einem Lachen verabschiedet. Norbert, ich vermisse Dich.